Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Wirtschaft

Scheuer: Bis Ende der Woche Klarheit über Diesel-Autos

Millionen Besitzern von Diesel-Autos in Deutschland drohen Fahrverbote. Verkehrsminister Scheuer kündigt nach einer Spitzenrunde mit Autobossen im Kanzleramt «zeitnah» Entscheidungen an. Auch über technische Nachrüstungen älterer Fahrzeuge wird gesprochen.



Abgase
Union und SPD streiten über Maßnahmen gegen zu hohe Stickoxid-Belastungen sowie den Umgang mit älteren Dieselfahrzeugen.   Foto: Marijan Murat

Die Bundesregierung will bis Ende dieser Woche mit den deutschen Autoherstellern Klarheit über weitere Maßnahmen gegen Diesel-Fahrverbote schaffen.

«Wir wollen sehr zeitnah Entscheidungen treffen», sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer am Sonntagabend nach einem Treffen der Spitzen der Autoindustrie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Der CSU-Politiker sagte, es werde sehr konkret werden, es sei auch über Hardware-Nachrüstungen an älteren Dieselautos gesprochen worden.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, sagte nach der Spitzenrunde: «Jetzt wird innerhalb der Bundesregierung weiter gesprochen, und die einzelnen Automobilhersteller werden das Gleiche tun.» Wie der VDA-Chef betonte Scheuer allerdings, oberste Priorität habe die Erneuerung der Dieselflotte. Dahinter steht der Ansatz, dass Kunden ältere Dieselautos umtauschen in neuere Fahrzeuge. «Die Priorität ist auch ganz klar: Erneuerung der Flotte, um die besseren Werte zu erreichen in den Innenstädten», sagte Scheuer.

Die Hersteller lehnen bisher Hardware-Nachrüstungen ab. Auch in der Koalition sind Umbauten an Diesel-Motoren umstritten. Zuletzt aber war der Druck auf Scheuer und die Industrie gewachsen - auch wegen drohender weiterer Fahrverbote in Folge hoher Luftverschmutzung.

Scheuer kündigte zugleich ein Angebot zur Hardware-Nachrüstung auch für Handwerker und Lieferdienste in betroffenen Städten an. Er forderte zudem die Kommunen auf, die Fördermöglichkeiten und Angebote des Bundes für Maßnahmen zur Luftverbesserung zu nutzen. Er appellierte auch an ausländische Autohersteller. Diese seien ebenfalls in der Pflicht. Scheuer sprach von dem gemeinsamen Willen für eine gute Lösung, um betroffenen und verunsicherten Bürgern eine Botschaft geben zu können. Innerhalb der Bundesregierung werde über «verschiedene Maßnahmen» gesprochen.

Der Sportwagenbauer Porsche zieht auch angesichts sinkender Diesel-Absatzzahlen Konsequenzen. Als erster deutscher Autokonzern steigt die VW-Tochter aus dem Diesel aus. «Von Porsche wird es künftig keinen Diesel mehr geben», sagte Vorstandschef Oliver Blume. Er kündigte den Ausstieg kurz vor dem Treffen im Kanzleramt an.

An dem Treffen im Kanzleramt hatte auch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) teilgenommen. Union und SPD streiten seit Wochen über Maßnahmen gegen schmutzige Luft durch zu hohe Stickoxid-Belastungen in zahlreichen Kommunen sowie den Umgang mit älteren Dieselfahrzeugen, die wegen Manipulationen der Hersteller viel mehr Stickoxid ausstoßen als offiziell angegeben. Merkel wollte bis Ende September eine gemeinsame Linie der Bundesregierung zu Hardware-Nachrüstungen für Diesel-Fahrzeuge mit hohem Schadstoff-Ausstoß erreichen.

Nach einem unbestätigten Pressebericht hat sich Merkel festgelegt, ältere Fahrzeuge mit Stickoxid-Katalysatoren nachrüsten zu lassen. Sie habe Scheuer zur Vorlage einer gesetzlichen Lösung aufgefordert, damit umgerüstete Wagen der Euro-5-Klasse in Verbotszonen fahren dürfen. Scheuer hat rechtliche, technische und finanzielle Bedenken gegen Hardware-Nachrüstungen. Sein Haus sieht wenig Möglichkeiten, älteren Diesel-Autos mit einem nachträglich eingebauten Abgasfilter Fahrten durch Städte mit hohen Stickoxid­Werten zu ermöglichen. Der CSU-Politiker drängt Hersteller zu attraktiveren Anreizen, damit mehr Besitzer ihre älteren Diesel gegen ein saubereres Auto umtauschen.

Porsche will nach eigenen Angaben den Markenkern stärken und sich intensiver im Bereich Hybridtechnologie und Elektromobilität engagieren. Porsche wolle sich künftig auf das konzentrieren, was das Unternehmen gut könne, sagte Vorstandschef Blume der «Bild am Sonntag»: «Das sind emotionale, leistungsstarke Benziner, Hybride und ab 2019 werden es auch reine Elektrofahrzeuge sein.»

Porsche habe nie selbst Dieselmotoren entwickelt und produziert, sagte Blume. «Dennoch hat das Image von Porsche gelitten. Die Dieselkrise hat uns viel Ärger bereitet.» Gemeint ist die Diesel-Affäre um manipulierte Abgaswerte. Wegen der hohen Belastung der Luft mit gesundheitsschädlichen Stickoxiden wurden in mehreren deutschen Städten Fahrverbote verhängt, das Thema beschäftigt die Gerichte. Schon seit einiger Zeit bietet der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen keine Diesel-Motorisierungen für seine Baureihen mehr an. Doch war offen geblieben, ob dies auf Dauer so bleibt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 09. 2018
21:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Scheuer Anton Hofreiter BDI Blumen Bundeskanzleramt Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU CSU Diesel Dieselautos Fahrverbote Fahrzeuge und Verkehrsmittel Ferdinand Dudenhöffer Michael Theurer Olaf Scholz Porsche Produktionsunternehmen SPD Steffen Seibert Südwestrundfunk Verband der Automobilindustrie Verkehrsminister
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Autoverkehr

17.09.2018

Scheuer dringt auf mehr Kaufanreize für Fahrer alter Diesel

Um Diesel-Fahrverbote zu verhindern, plant der Verkehrsminister ein neues Konzept - und setzt stark darauf, dass viel mehr Besitzer alter Wagen sich sauberere Modelle kaufen. Da gibt es gleich wieder Streit. » mehr

Diesel

01.10.2018

Schwierige Suche nach Einigung auf neues Diesel-Konzept

Union und SPD wollen ein großes Paket schnüren, auf das verunsicherte Diesel-Besitzer seit langem warten. Es zeichneten sich neue Prämien ab. Andere Nachbesserungen waren unklar. Gelingt der Durchbruch? » mehr

Diesel-Schriftzug

27.09.2018

Dieselkrise: Bewegung in Verhandlungen über Maßnahmenpaket

Hinter den Kulissen verhandelt der Verkehrsminister mit den deutschen Autobauern, wie stark sich diese am geplanten Diesel-Paket beteiligen - auch und vor allem finanziell. Vieles kommt nun auf ein Spitzentreffen von Mer... » mehr

Ladesäulen für Elektroautos

21.03.2019

Autobauer einigen sich auf E-Mobilität-Strategie

Deutsche Autobauer stritten über den Antrieb der Zukunft - und einigten sich schließlich. Elektromobilität ist für sie demnach zwar notwendig. Wirklich weitergekommen ist VW-Chef Diess mit seinem Vorstoß aber nicht. » mehr

Fahrverbot

03.12.2018

Bund zückt das Diesel-Scheckbuch

Im Streit um Diesel-Fahrverbote kommt der Bund den Kommunen entgegen und legt beim Förderprogramm «Saubere Luft» eine große Schippe drauf. Gelöst sind die Probleme damit aber noch lange nicht. Denn bei einem Hauptproblem... » mehr

Verbot?

28.09.2018

«Tauschprämien» für alte Diesel kommen in Sicht

Nach langen Diskussionen um den Diesel will die Bundesregierung Klarheit für Autofahrer schaffen - bis Montag. Die Stoßrichtung wird schon erkennbar. Eine brisante Frage bleibt aber vorerst umstritten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

WG: Misereor-Fastenaktion in Teuschnitz Teuschnitz

Misereor-Fastenaktion in Teuschnitz | 17.03.2019 Teuschnitz
» 11 Bilder ansehen

Männerballett Teuschnitz gewinnt in Auerbach Auerbach

Männerballett Teuschnitz gewinnt in Auerbach | 17.03.2019 Auerbach
» 13 Bilder ansehen

Vermisstensuche an der Rodach Kronach

Suchaktion an der Rodach | 16.03.2019 Kronach
» 22 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 09. 2018
21:18 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".