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Wirtschaft

Sewing will Deutsche Bank radikal entrümpeln

Die Deutsche Bank wurschtelt seit Jahren vor sich hin. Die Geduld vieler Aktionäre ist am Ende. Konzernchef Sewing will endlich durchgreifen. Nach langer Aussprache stimmen die Anteilseigner über ihn und den Aufsichtsratschef ab - mit klarer Botschaft.



Christian Sewing
«Wir sind zu harten Einschnitten bereit», sagt Christian Sewing.   Foto: Arne Dedert » zu den Bildern

Christian Sewing will die Deutsche Bank radikal entrümpeln. Der Aktienkurs ist im Keller, die Dividende dürftig, das Image des größten deutschen Geldhauses nach etlichen Skandalen beschädigt.

Damit soll endlich Schluss sein, verspricht der Konzernchef den Aktionären, die bei der Hauptversammlung in Frankfurt nicht mit Kritik sparen.

Ein Jahr nach dem ersten Sparprogramm kündigt der seit April 2018 amtierende Sewing weitere Kürzungen an: «Wir sind zu harten Einschnitten bereit.» Im Fokus dabei vor allem: das zuletzt verlustreiche Kapitalmarktgeschäft.

«Wir werden die Transformation beschleunigen - indem wir unsere Bank konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche ausrichten, die für unsere Kunden besonders relevant sind», betont Sewing. «Wir haben immer noch zu hohe Kosten, die wir nicht direkt einer Leistung für unsere Kunden zuordnen können.»

Auch der Aufsichtsrat verspricht mehr Geschwindigkeit - erst recht nach der Absage einer Fusion mit der Commerzbank. «Wir müssen noch schneller und radikaler umbauen», fordert der langjährige Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Nach langer Debatte verpassen die Aktionäre Achleitner am Abend dann einen Denkzettel: Nur 71,63 Prozent des vertretenen Grundkapitals stimmen für die Entlastung Achleitners für das abgelaufene Geschäftsjahr. Vor einem Jahr hatte er noch 84,40 Prozent Zustimmung bekommen. Sewing wird mit vergleichsweise geringen 75,23 Prozent Zustimmung entlastet. Üblich sind Quoten von mehr als 90 Prozent. Eine Nichtentlastung hätte allerdings keine direkten Konsequenzen.

Sewing sei der richtige Mann für diese Aufgabe, sagt zuvor Achleitner. Unter seiner Führung habe der Vorstand 2018 alle Ziele erreicht: die Kosten sanken, die Zahl der Vollzeitstellen schrumpfte um fast 6000 auf 91.700, der Kapitalpuffer für Krisenzeiten blieb über der Zielmarke von 13 Prozent. Achleitners Bilanz: «Trotz aller Schwierigkeiten: Ich sehe, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Viele Anteilseigner bezweifeln, dass Achleitner noch der richtige Mann an der Aufsichtsratsspitze ist und fordern den Rücktritt des Österreichers. Doch Achleitner sieht für einen Rückzug keinen Anlass. Natürlich habe er in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht, räumt der Chefkontrolleur ein. «Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein, natürlich bin ich das nicht.» Er habe daher auch nicht vor, die Mitarbeiter der Bank, Investoren und Kunden «im Stich zu lassen». Achleitners Vertrag läuft noch drei Jahre.

Sewing ist bereits der vierte Vorstandschef in der Ära Achleitner, der sich um eine Trendwende müht. Im vergangenen Jahr gab es immerhin den ersten Jahresgewinn seit 2014. Doch das erste Quartal 2019 zeigte, wie angespannt die Lage nach wie vor ist: Die Deutsche Bank verdiente nur 201 Millionen Euro, während die US-Konkurrenz Milliardengewinne einfuhr. Ausgerechnet am Tag der Hauptversammlung sackte der Kurs der Deutschen-Bank-Aktie auf ein Rekordtief von 6,35 Euro ab.

Immer mehr zur Bürde entwickelte sich das Investmentbanking, das vor der Finanzkrise mit Milliardengewinnen glänzte - aber auch etliche Prozesse und Strafzahlungen in Milliardenhöhe auslöste. Nach Sewings Vorstellung soll die Investmentbank künftig nur noch solche Geschäfte machen, die mindestens entweder ausreichend profitabel oder als Dienstleistung für andere Geschäftsbereiche wichtig sind. So will die Deutsche Bank zugleich ihr Kapital werthaltiger einsetzen.

Als positive Beispiele nennt der ehemalige Privatkundenchef Sewing die Beratung von Unternehmenskunden, die Ausgabe von Wertpapieren, die Währungsplattform, den Handel mit Unternehmensanleihen sowie die gewerbliche Immobilienfinanzierung in den USA. Bei anderen Bereichen werde das Management «sehr genau analysieren und dabei künftig genauso diszipliniert und kompromisslos sein wie beim Thema Kosten». Auch die Computersysteme der Bank kommen auf den Prüfstand.

Die Anpassung der Investmentbank-Strategie sei überfällig, meint Alexandra Annecke von der Fondsgesellschaft Union Investment: «Den Luxus einer Investmentbank in der heutigen breiten Aufstellung kann sich die Deutsche Bank nicht länger leisten.»

Sewing betont: «Unsere Deutsche Bank braucht eine klarere Ausrichtung - eine Bank, die voll auf Kundenbedürfnisse ausgerichtet und gleichzeitig weniger schwankungsanfällig ist.» Im Privat- und Firmenkundengeschäft, wo die Integration der Postbank in vollem Gange ist, sieht der Manager noch viel Potenzial. Allerdings sei die Sparte in puncto Profitabilität «besser unterwegs, als uns viele zugestehen», stellt Sewing fest.

Die Idee, aus Deutscher Bank und Commerzbank eine schlagkräftigere Einheit zu schaffen, hatten beide Institute angesichts der Risiken eines solchen Großprojekts Ende April beerdigt. Achleitners Antwort darauf: «Nun, wenn wir nicht durch einen Zusammenschluss wachsen, dann werden wir es organisch tun - national und international.»

Immer wieder muss sich die Deutsche-Bank-Führung jedoch auch mit Problemen herumschlagen, die sie eigentlich schon erledigt glaubte. Im November beispielsweise sorgte eine öffentlichkeitswirksame Geldwäsche-Razzia in den Frankfurter Zwillingstürmen im Zusammenhang mit den «Panama Papers» weltweit für Schlagzeilen.

In den USA interessieren sich die Demokraten dafür, welche Geschäfte die Bank mit US-Präsident Donald Trump gemacht hat. Trump würde dies gerne geheim halten. Ein Bezirksgericht in New York wies am Mittwoch (Ortszeit) jedoch die Bemühungen Trumps und seiner Familie ab, die Herausgabe von Bankunterlagen an den US-Kongress zu unterbinden. Erst am Montag hatte ein Gericht in einem ähnlichen Fall gegen Trump entschieden. Trumps Anwälte können jeweils noch Berufung einlegen.

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23. 05. 2019
19:49 Uhr

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