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Wirtschaft

Siemens überraschend stark in der Krise

Verluste im Energiegeschäft halbieren den Siemens-Gewinn. Aber die Sparte soll nächsten Monat an die Börse, und im Kerngeschäft läuft es erstaunlich gut beim Technologiekonzern. Der designierte Vorstandschef Roland Busch will ihn zum Digital-Champion machen.



Joe Kaeser
Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, nimmt im Februar an einer Pressekonferenz im Rahmen der Siemens-Hauptversammlung teil.   Foto: Peter Kneffel/dpa

Siemens hat sich in der Corona-Krise überraschend gut behauptet. Der Umsatz im dritten Quartal sank nur um fünf Prozent, das Ergebnis im fortgeführten Geschäft blieb sogar fast fast auf Vorjahresniveau, wie der Münchner Technologiekonzern mitteilt.

Verluste im Energiegeschäft, das Ende September an die Börse gebracht werden soll, halbierten den Konzerngewinn allerdings auf 539 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wagte Siemens keine Gewinnprognose.

Der Jahresumsatz dürfte um drei bis fünf Prozent sinken. Aber die Höhe des Abspaltungsgewinns der Energiesparte sei noch nicht absehbar. Und wie sich eine zweite Corona-Welle auf die weltweiten Lieferketten auswirken würde, sei völlig ungewiss, erklärten der scheidende Vorstandchef Joe Kaeser und Finanzvorstand Ralf Thomas.

Siemens habe die Krise im Vergleich zur Konkurrenz bisher jedoch gut gemeistert und die eigene digitale Transformation noch einmal beschleunigt. «Ich bin stolz und dankbar», sagte Kaeser. Die Börse reagierte positiv, die Aktie legte in einem flauen Marktumfeld zu.

Der Auftragseingang von Siemens sank im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro, der Umsatz um 5 Prozent auf 13,5 Milliarden. Das bereinigte operative Ergebnis der Industriegeschäfte stieg hingegen um 8 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.

Das Geschäft mit der Automatisierung in Schlüsselindustrien wie dem Auto- und Maschinenbau litt dabei zwar. Vorstand Roland Busch, der im Oktober operativ das Ruder im Konzern übernehmen und Kaeser als Siemens-Chef im Februar ablösen soll, erwartet hier kurzfristig keine Erholung. Neben Einsparungen wirkte sich aber vor allem das Geschäft mit Industriesoftware positiv aus: Die renditestarken Sparte legte um 10 Prozent zu. Auch das Geschäft mit intelligenter Infrastruktur «hat sich gegenüber dem zweiten Quartal deutlich verbessert», sagte Kaeser.

Für das Digitalisierungsgeschäft setzt Busch auf weitere Partnerschaften, wie etwa die jüngst mit SAP beschlossene Zusammenarbeit. Damit «helfen wir unseren Kunden, die digitale Vernetzung in ihren Unternehmen weiter zu beschleunigen», sagte er und gab ein Beispiel: Ein Autobauer könne Daten seiner digitalen Modelle mit Echtzeitinformationen aus der Lieferkette und Leistungsdaten aus dem realen Betrieb verknüpfen. «Wenn Probleme auftreten, etwa bei einem Zulieferer, kann die Lieferkette umgehend angepasst werden und die Fertigung kann weiterlaufen.» Siemens setze in Zukunft noch stärker auf Partnerschaften, denn so «kommen wir schneller zu tragfähigen Lösungen».

Enttäuscht äußerte sich Kaeser über den Rückgang der Gewinnmarge bei der «etwas erfolgsverwöhnten Mobility»-Zugsparte. «Hier können wir aber wieder mit einer deutlichen Verbesserung im vierten Quartal rechnen». Busch betonte den gestiegenen Umsatz und Auftragseingang und den Milliardenauftrag der Deutschen Bahn für 30 neue ICE-Züge. Er fügte hinzu: «Aufgrund dieser insgesamt positiven Marktperspektiven und Entwicklungen unseres Mobilitätsgeschäfts bekräftigen wir, dass Siemens Mobility ein integraler Bestandteil der Siemens AG ist.».

Wegen hoher Verluste beim Windanlagenbauer Gamesa sowie einer höheren Steuerquote brach der Nettogewinn von 1 Milliarde auf 539 Millionen Euro ein. Die von Siemens gehaltene Mehrheitsbeteiligung wird im Energiekonzern Siemens Energy aufgehen, der am 28. September in Frankfurt an die Börse soll. Siemens bleibe Ankeraktionär, «eine komplette Veräußerung ist nicht denkbar», sagte Finanzvostand Thomas. Er bekräftigte auch, dass Siemens weiter 40 bis 60 Prozent des Gewinns als Dividende ausschütten werde.

Busch sagte: «Ich blicke mit großem Optimismus in die Zukunft und auf das neue Unternehmen Siemens.» Am 1. Oktober «wird ein neues Kapitel für Siemens aufgeschlagen. Digital Industries, Smart Infrastructure und Siemens Mobility bilden ein Unternehmen, das seinen Kunden Spitzentechnologien anbieten kann und damit seinen Beitrag für die Gesellschaft leistet.» Er übernimmt das Steuer mit einem neuen Vorstandsteam, dem Cedrik Neike als Digital-Industries-Chef, Matthias Rebellius als Smart-Infrastructure-Chef und Judith Wiese als Personalchefin angehören.

© dpa-infocom, dpa:200806-99-59393/5

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 08. 2020
23:20 Uhr

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06. 08. 2020
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