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Wirtschaft

Siemens will Ausgliederung der Kraftwerksparte

Neuausrichtung im Kerngeschäft bei Siemens: Der Konzern trennt sich von der schwächelnden Kraftwerksparte und will sie als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen. Der Schritt ist riskant, seine Folgen für die Mitarbeiter völlig offen.



Kraftwerkssparte von Siemens
Eine Frau betrachtet einen Generatorständer im Siemens-Generatorenwerk in Erfurt.   Foto: Martin Schutt

Befreiungsschlag im kriselnden Kraftwerkgeschäft? Einen Tag bevor Siemens seinen Analysten auf dem Kapitalmarkttag Rede und Antwort steht, verkündete der Konzern eine weitere wesentliche Veränderung im Kerngeschäft.

Siemens-Chef Joe Kaeser will die Sparte ausgliedern und bis September kommenden Jahres an die Börse bringen. Fortan konzentrieren sich die Münchner im Kern auf die beiden Sparten Digital Industries und Smart Infrastructure. An dem neu entstehenden Energieunternehmen will Siemens etwas weniger als 50 Prozent halten.

Die neue Gesellschaft soll künftig auch Siemens' Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Siemens-Gamesa übernehmen. Die Windkraftsparte bildete bislang eines von drei strategischen Unternehmen, in denen Siemens die Mehrheit kontrolliert. Künftig sollen Gamesa und das ausgegliederte Kraftwerkgeschäft aber nicht mehr in der eigenen Bilanz auftauchen.

Siemens richtet sich damit noch stärker auf digitale Technologien aus - eine Richtung, die von den Aktionären auf der Hauptversammlung Ende Januar gefordert worden war. Unter Kaesers Ägide soll sich Siemens unter dem Titel Vision 2020+ verschlanken, die einzelnen Einheiten flexibler und eigenständiger werden. «Das ist die Grundlage für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg in langfristig attraktiven Wachstumsmärkten», teilte Kaeser am Abend mit. «Gleichzeitig schaffen wir gute Perspektiven für die Geschäfte, die sich im Strukturwandel bewähren und neue Wachstumsfelder adressieren müssen.»

Gleichzeitig trennt sich der Konzern von seinem größten Sorgenkind: Zwar konnte der Konzern über Serviceverträge den Auftragseingang von Gas und Power im ersten Quartal um ganze 15 Prozent auf mehr als 3,5 Milliarden Euro steigern. Das bereinigte Ergebnis ging jedoch um 50 Prozent auf 119 Millionen Euro zurück. Auch die Umsätze lagen mit 2,85 Milliarden Euro um knapp 10 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Aktuelle Zahlen will Siemens am Mittwoch bekannt geben.

Überkapazitäten von Gasturbinen sowie die Energiewende machen dem Geschäftsbereich zu schaffen. Siemens hatte deshalb bereits im vergangenen Herbst den Abbau von mehreren tausend Stellen angekündigt und die Standorte neu aufgestellt. Die damals geschlossene Vereinbarung mit der Arbeitnehmerseite soll auch im neuen Unternehmen Bestand haben, betonte Kaeser am Dienstag.

In der neuen Konzernaufteilung, die unter dem Titel Vision 2020+ seit April Bestand hat, bildete Power und Gas bislang eines von drei zum Konzernkern gehörenden operativen Geschäftsfeldern. Bei den anderen beiden Einheiten handelt es sich um das Geschäft mit digitalen Industrieprozessen sowie Lösungen für künftige smarte Infrastruktur.

Trotz der Probleme vermeldete Siemens jüngst Erfolge im Kraftwerksektor. So konnte sich der Konzern einen wichtigen Teilauftrag mit einem Volumen von 700 Millionen Euro im Irak sichern. Für den Stromaufbau des Landes unterzeichnete Kaeser vor einigen Tagen eine Umsetzungsvereinbarung.

Darin enthalten ist unter anderem auch der Auftrag für den Bau eines Gaskraftwerks mit einer Leistung von 500 Megawatt in Zubaidiya. Es ist ein erster Erfolg im Ringen mit dem US-Konkurrenten General Electric. Auf rund 14 Milliarden Dollar bezifferte Iraks Ministerpräsident Abdel Mahdi den gesamten Auftragswert für den Auf- und Ausbau der weitgehend brach liegenden Stromversorgung in dem von Krieg und Konflikten gebeutelten Land. Der Teilauftrag für Siemens dürfte für Freude bei den Beschäftigten gesorgt haben.

Mit der Ausgliederung geht Siemens aber auch ein hohes Risiko ein, die vor allem die Beschäftigten zu spüren bekommen könnten. So warnt die Gewerkschaft IG Metall vor einer nur eingeschränkt vorausschaubaren Marktentwicklung sowie einem anhaltenden Druck zu weiteren Einsparungen. Betroffen von den Veränderungen seien bundesweit fast 20 Standorte mit zusammen deutlich über 20.000 Beschäftigten. «Quantitativ betroffen sind in Deutschland primär Berlin, Duisburg, Erfurt, Erlangen, Görlitz, Mülheim, Nürnberg und Offenbach, teilte die Gewerkschaft am Dienstagabend mit».

Dennoch hatte die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der Ausgliederung zugestimmt. «Unter dem Strich überwiegen aus Arbeitnehmersicht angesichts der Gesamtsituation die positiven Aspekte», hieß es von Seiten der IG Metall. «Sie bieten dem Bereich und seinen Beschäftigten eine bessere Zukunftsperspektive als innerhalb der Siemens AG.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
22:37 Uhr

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