Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Sparkasse München kündigt 28.000 Sparverträge

Das war einmal: «Wenn's ums Geld geht - Sparkasse». Die Niedrigzinspolitik der EZB führt den alten Werbespruch ad absurdum. Heute sind Sparer für Sparkassen eine Belastung - immer mehr Geldhäuser wollen teure Kunden loswerden.



Sparkassen-Rot
Die Kunden sehen rot: Die Münchner Sparkasse ist nicht die erste bayerische Sparkasse, die mit drastischen Schritten versucht, die Auswirkungen der Nullzinspolitik abzumildern. Foto: Peter Kneffel/Symbolbild   Foto: dpa

Die Münchner Sparkasse kündigt als bislang größtes kommunales Finanzinstitut in Deutschland auf einen Schlag 28.000 Prämiensparverträge.

Die fünftgrößte Sparkasse in Deutschland begründet dies mit den Kosten durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Außerdem behalten sich die Münchner Sparkassenchefs vor, ab 1. Oktober von Neukunden mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro auf Giro- oder Cashkonto Strafzinsen zu verlangen. Der Sinn dieser Ankündigung: Damit will die Sparkasse verhindern, dass ihre Einlagen zu stark wachsen. Darüber hatten zuerst Münchner Zeitungen berichtet.

Die Münchner Sparkasse ist nicht die erste, aber bislang größte Sparkasse, die mit drastischen Schritten versucht, die Auswirkungen der Nullzinspolitik abzumildern. Bundesweiter Vorreiter war die Leipziger Sparkasse, in Bayern hatte zuletzt die Nürnberger Sparkasse im Juli 21.000 Prämiensparverträge gekündigt. Dabei handelt es sich um lukrative Sparverträge ohne feste Laufzeit, die nach 15 Jahren die Höchstverzinsung erreicht haben.

Im Mai hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geurteilt, dass langjährige Prämiensparer die Kündigung ihrer Altverträge durch die Sparkassen hinnehmen müssen, wenn sie die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft haben. In dem Fall hatten Kunden der Kreissparkasse Stendal in Sachsen-Anhalt geklagt, die drei entsprechende Verträge aus den Jahren 1996 und 2004 weiterführen wollten.

Ein aktueller Anlass aus Sicht der Münchner Sparkasse für die Kündigung der Sparverträge: Bei der EZB müssen Banken seit langem Strafzinsen für ihre Einlagen zahlen. Am 12. September hatte die EZB diesen Negativzinssatz von 0,4 auf 0,5 Prozent erhöht. Für Banken bedeutet das: Je mehr Geld sie bei der EZB parken, desto teurer - und je mehr Geld die Kunden bei einer Bank anlegen, desto höher die Kosten.

Die Münchner Sparkasse hat insgesamt 800.000 Kunden, die Kündigung der Prämiensparverträge betrifft drei Prozent der Kundschaft. Sparkassen leben ebenso wie Volks- und Raiffeisenbanken unter anderem von der Zinsspanne zwischen niedrigeren Einlagezinsen und höheren Kreditzinsen. Wegen der Nullzinspolitik schrumpft diese Spanne immer weiter, die Kreditzinsen sind mittlerweile so niedrig, dass viele Banken Mühe haben, ihre Kosten zu decken. Da die Zinsspanne alljährlich sinkt, bleibt ungeachtet steigender Bilanzsummen unter dem Strich immer weniger übrig. Bei den bayerischen Sparkassen sanken die Nettogewinne 2018 um 4,5 Prozent auf 343 Millionen Euro.

Deswegen haben die Regionalbanken bundesweit in den vergangenen Jahren versucht, gegenzusteuern: Mit flächendeckend höheren Provisionen und Gebühren, der Schließung tausender Filialen, Fusionen und Personalabbau. Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken zusammen gerechnet beschäftigten Ende 2018 bundesweit rund 53.000 Menschen weniger als noch 2012.

Nach den Worten der Münchner Sparkassenchefs reichen die bisherigen Sparmaßnahmen aber nicht mehr aus. Bisher habe die Sparkasse «verschiedene Wege» gefunden, um die sinkenden Erträge zu kompensieren. Aber nun stehen Strafzinsen für vermögende Neukunden im Raum - eine Ankündigung, die die Münchner Sparkasse als notwendige Vorsorgemaßnahme beschreibt. «Kunden mit bestehenden Konten betrifft diese Regelung nicht», versuchen die Kommunalbanker ihre Kunden zu beruhigen.

Verbraucherzentralen und Politiker von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bis zum bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) haben die Banken vor Strafzinsen gewarnt. Doch jeder Spitzenpolitiker weiß, dass die Sparkassen den Kommunen gehören, oberster Kontrolleur im Verwaltungsrat ist in aller Regel der örtliche Oberbürgermeister oder der Landrat.

Und diese Chefs der Verwaltungsräte gehören in sehr vielen Sparkassen SPD, CDU oder CSU an. Das düstere Zukunftsszenario: Wenn die Zinsen dauerhaft so tief bleiben, drohen vielen Regionalbanken früher oder später rote Zahlen, wie Fachleute seit Jahren warnen. Bislang ist das nicht eingetreten, doch die Zeit könnte allmählich knapp werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
15:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bayerische Ministerpräsidenten Bundesfinanzminister Bundesgerichtshof CDU CSU Europäische Zentralbank Kunden Landräte Markus Söder Olaf Scholz Personalabbau Regionalbanken SPD Sparer Sparkassen Sparverträge Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bankenskyline

05.09.2019

Bleiben Kleinsparer von EZB-Strafzinsen verschont?

Kann der Gesetzgeber Bankkunden vor Strafzinsen schützen - und sollte er das überhaupt? Die Debatte über das Für und Wider eines Verbotes von Negativzinsen zu Lasten von Kleinsparern ist in vollem Gange. » mehr

Weltspartag im Zinstief

29.10.2019

Anachronismus oder Appell? Weltspartag im Zinstief

Steigende Gebühren, Negativzinsen, gekündigte Prämienverträge - Banken und Sparkassen locken ihre Kunden derzeit nicht unbedingt. Fürs Sparen wird dennoch tapfer geworben - aus guter Tradition. » mehr

Markus Söder

18.11.2019

Widerstand gegen Scholz-Vorstoß zu EU-Einlagensicherung

Bundesfinanzminister Scholz hat die Debatte über einen europäischen Schutz der Einlagen von Bankkunden neu belebt. Doch leichter ist eine Einigung nicht geworden. Die Vorbehalte in Deutschland bleiben groß. » mehr

Sparkasse. Symbolfoto.

14.05.2019

Sparkassen fordern Ende der Null-Zinspolitik in Europa

Wer Geld spart, hat wegen der niedrigen Zinsen derzeit das Nachsehen. Bankeinlage werfen kaum Rendite ab. Damit sollte nach dem Willen der Sparkassen endlich Schluss sein. Doch die Entscheidung darüber liegt bei der Euro... » mehr

Olaf Scholz

16.09.2019

Scholz: Strafzinsen für Sparer wären «schlechter Einfall»

Müssen Kleinsparer bald Strafzinsen auf ihre Guthaben bei Banken zahlen? Die Politik will das verhindern. Das gibt Bundesfinanzminister Scholz jetzt auch den deutschen Banken sehr deutlich zu verstehen. » mehr

Bahn baut aus

13.09.2019

EU-Partner erhoffen mehr Investitionen von Deutschland

Der Klimawandel ist jetzt auch ein Thema für die Finanzminister. Sie sehen viele Aufgaben auf sich zukommen. In Helsinki redeten sie aber auch darüber, was sie dennoch alle bewegt: die Suche nach Wachstum. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
15:07 Uhr



^