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Wirtschaft

Spitzel-Affäre: VW sucht Maulwurf

Pikante Details rund um die Dauerfehde mit einem Zulieferer kommen ans Licht - bei Volkswagen ist man geschockt über den Maulwurf in den eigenen Reihen. Wer will den Konzern oder seine Manager in die Pfanne hauen?



VW sucht Maulwurf
Flaggen mit dem VW-Logo. In der Arbeitsgruppe mit dem Namen «Projekt 1» ging es bis zur Kündigung der Beziehungen darum, wie VW mit dem streitbaren Zulieferer umgehen sollte.   Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Eine Spitzel-Affäre sorgt beim weltgrößten Autobauer Volkswagen für Unruhe. Offenbar systematisch und über eine längere Zeit schnitt ein Unbekannter die Gespräche einer internen Arbeitsgruppe mit.

Details wurden nun in die Öffentlichkeit getragen. Von fast 50 Stunden Audiomitschnitten aus den Jahren 2017 und 2018 schreibt das Online-Wirtschaftsmagazin «Business Insider», das am Wochenende Auszüge bekannt machte.

Die Arbeitsgruppe hatte einen heiklen Auftrag. Seit Jahren schon streitet sich Volkswagen mit der Zulieferergruppe Prevent - es ging 2016 sogar so weit, dass die Bänder in Wolfsburg und anderen Werken tagelang stillstanden, weil keine Sitzbezüge und Getriebegehäuse von Prevent-Töchtern mehr kamen.

2018 wollte VW dem Spuk ein Ende machen und kappte die Verbindungen zu den Unternehmen der bosnischen Eigentümerfamilie Hastor. Doch der Ärger hält die Wolfsburger weiter auf Trab. Und das nicht nur wegen der zahlreichen Verfahren vor Gericht, die die beiden Streithähne immer noch ausfechten.

In der Arbeitsgruppe mit dem Namen «Projekt 1» ging es bis zur Kündigung der Beziehungen darum, wie VW mit dem streitbaren Zulieferer umgehen sollte. Das VW-interne Team hatte nach offiziellen Angaben die Aufgabe, «weiteren Schaden vom Unternehmen, seinen Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten abzuwenden. Es wurde offen über alle möglichen Lösungsansätze diskutiert, viele aber auch verworfen.» Es sei kein Entscheidungsgremium gewesen. Verantwortung für das Team hatten der damalige Konzern-Einkaufschef Francisco Javier Garcia Sanz und der Beschaffungsvorstand der Marke Volkswagen, Ralf Brandstätter. Brandstätter ist mittlerweile zum Vorstandschef bei der Kernmarke VW Pkw aufgestiegen.

Letztlich wurde Prevent als Zulieferer «ausgesteuert», wie es im Betriebsjargon heißt. Sprich: Prevent bekam keine neuen Aufträge mehr, die Vertragsbeziehung wurde gekündigt.

Bei Volkswagen geht nun die große Suche los: Wer hat aus welchen Gründen die Gespräche heimlich aufgezeichnet? Wenn interne und vertrauliche Sitzungen dokumentiert würden und «solche Informationen unberechtigt an die Öffentlichkeit gelangen, schockiert uns das zutiefst. Der Fall wird selbstverständlich untersucht», hieß es am Sonntag aus Wolfsburg. Ein Sprecher von Prevent sagte, das Unternehmen habe keine Kenntnis von den Aufnahmen gehabt.

Im Team wurde den Angaben zufolge auch darüber debattiert, wie eine Übernahme des Kopfstützen- und Mittelkonsolenherstellers Grammer durch die Familie Hastor verhindert werden könnte. Dazu habe es Gespräche mit BMW und Daimler sowie Finanzinvestoren gegeben, zitiert «Business Insider» Aussagen aus den Mitschnitten. Volkswagen bestreitet, dass es in Sachen Prevent eine konzertierte Aktion mit anderen Autobauern.

Aus rechtlicher Sicht wäre eine solche Absprache ziemlich heikel gewesen, weil sie den freien Wettbewerb ausgehebelt haben könnte. Die Übernahme-Bemühungen der Hastors scheiterten letztlich am Widerstand des Grammer-Managements.

Hintergrund des Spitzel-Vorfalls bei VW könnten die vielen noch offenen Rechtsverfahren sein, die der Konzern und Prevent vor Gericht ausfechten. Prevent hat in den USA Klage eingereicht und will 750 Millionen US-Dollar Schadenersatz, weil VW angeblich Druck auf Zulieferer gemacht haben soll, Übernahmeavancen der Hastors eine Absage zu erteilen. VW seinerseits will den Schaden aus dem Lieferstopp 2016 erstreiten und beziffert die Größenordnung auf mehr als 100 Millionen Euro. Nach Angaben von Prevent sind derzeit allein vor deutschen Gerichten gut zehn Verfahren anhängig. Auch mit Daimler streitet sich Prevent und will Schadenersatz von den Schwaben - auch hier gibt es keine Lieferbeziehungen mehr.

Der Grund für das Ausspionieren blieb zunächst unklar. Die Konzernrevision in Wolfsburg muss nun prüfen. Es dürfte wohl schwierig werden, nach mehreren Jahren noch Beweise für ein mögliches Fehlverhalten zu finden.

© dpa-infocom, dpa:200726-99-929267/3

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26. 07. 2020
22:53 Uhr

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22:53 Uhr



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