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Wirtschaft

Strombranche fordert eigenes Funknetz

Für die Energie- und die Verkehrswende müssen Strom- und Kommunikationsnetze enger miteinander verknüpft werden. Doch die dafür geeigneten Funkfrequenzen sind knapp. Auch die Sicherheitsbehörden reklamieren das Spektrum für sich.



Strom
Energiewirtschaft und Automobilbranche fordern ein eigenständiges Funknetz für die Energiewende in Deutschland.   Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Keine nervigen Ablesetermine mehr und keine bösen Überraschungen durch Nachzahlungen auf der Stromrechnung. Dafür sollen die neuen intelligenten Stromzähler sorgen.

Lange hat es bis zum Startschuss für den Einbau der sogenannten Smart Meter gedauert. Die aufwendigen Sicherheitsprüfungen für die Kommunikationsmodule der digitalen Zähler hatten sich immer wieder verzögert. Ende Februar war es dann endlich so weit: Seitdem müssen die Stromversorger in Haushalten und Betrieben mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden einen solchen intelligenten Stromzähler installieren.

«So wie Bankkunden regelmäßig auf ihr Konto schauen, um Ein- und Ausgaben im Blick zu behalten, können Stromkunden künftig dank Smart Meter ihren Energieverbrauch so oft checken wie sie möchten. Das erleichtert das Stromsparen», wirbt das Bundeswirtschaftsministerium für die neuen Geräte.

Doch jetzt droht das nächste Hindernis. Die Stromversorger befürchten, dass sie die aus ihrer Sicht für das Ablesen der Zähler und die Steuerung der Stromnetze notwendigen Funkfrequenzen nicht erhalten. Denn um die Ende des Jahres frei werdende 450-Megahertz-Frequenz, die im Konzept der Strombranche eine zentrale Rolle spielt, gibt es innerhalb der Bundesregierung Streit.

Auf der einen Seite steht Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der die Frequenz für die Energiebranche sichern will. Die Frequenz sei «ganz entscheidend für den Erfolg von Energiewende und Verkehrswende», sagte eine Ministeriumssprecherin. Denn die Energieerzeugung werde immer dezentraler, eine wachsende Zahl von Elektroautos müsse mit Strom versorgt werden. Um dies zu steuern, brauche der Energiesektor sein eigenes Kommunikationsnetz.

Hinzu kommt: Das Spektrum von 450 MHz, in dem früher das analoge C-Mobilfunknetz funkte, ist besonders gut für die Smart Meter geeignet. Die Zähler befinden sich oft in einem Keller, wo andere Frequenzen kaum zu empfangen sind.

Stünde das 450-Megahertz-Netz der Energiewirtschaft nur zum Teil zur Verfügung, wäre für die Smart-Meter-Gateways ein neues Hard- und Softwarekonzept erforderlich, warnte Wirtschaftsstaatssekretär Ulrich Nußbaum. «Mehrjährige Verzögerungen und erhebliche Mehrkosten wären die Konsequenz», heißt es in seiner Antwort auf eine Frage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Ingrid Nestle.

Altmaiers Kontrahent ist Innenminister Horst Seehofer (CSU). Er will die begehrten Frequenzen dem sogenannten Blaulichtbereich zuschlagen. Ein sicheres Breitbandnetz sei «für Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte und die Bundeswehr unabdingbar», hatte Seehofer erklärt. Denkbare Einsatzmöglichkeiten: Fahndungsfotos von unterwegs senden, Informationen in Datenbanken abfragen oder Ferndiagnosen in den Rettungswagen senden.

Um den Konflikt zu lösen, hat die Energiebranche vorgeschlagen, die Blaulicht-Organisationen mit bis zu 15 Prozent am 450-Megahertz-Funknetz zu beteiligen. Denn die Blaulichtorganisationen verfügten, anders als die Versorger, im 700-MHz-Frequenzband über Funkkapazitäten, heißt es in einem Papier der Branchenverbände BDEW und VKU.

Auf ihrer Seite haben die Stromversorger auch die Bundesnetzagentur. Die Versorger bräuchten ein verlässliches Kommunikationsnetz, um nach einem großflächigen Stromausfall die Versorgung schnell wieder sicherstellen zu können, argumentiert die Behörde. Das sei «eine wesentliche Grundlage für das Funktionieren der modernen Gesellschaft». Deshalb sollte der Frequenzbereich «vorrangig für Anwendungen kritischer Infrastrukturen bereitgestellt werden».

Das Bundesinnenministerium hat bislang zurückhaltend auf den Vorstoß der Energiebranche für eine Mitnutzung reagiert. «Der Sachstand zur Frequenzzuteilung ist innerhalb der Bundesregierung noch nicht abschließend geklärt», teilte ein Ministeriumssprecher mit. Die Abstimmungen zwischen den Ressorts liefen. «Eine zeitnahe Entscheidung und Zuteilung der Frequenzen liegt allerdings im Interesse aller Beteiligten.»

Der Einbau eines Smart Meters ist nur für den kleineren Teil der Haushalte in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Durchschnittshaushalte mit einem Jahresstromverbrauch von unter 6000 Kilowattstunden müssten «in der Regel nicht damit rechnen, schon in den kommenden Wochen und Monaten betroffen zu sein». Bei ihnen entscheide der Messstellenbetreiber, ob er einen intelligenten Zähler einbaue und entsprechend höhere Preise verlange.

Gegen den Einbau eines intelligenten Zählers wehren könnten sich Wohnungsbesitzer und Mieter nicht, betonen die Verbraucherschützer. Ein Vier-Personen-Haushalt mit 3600 Kilowattstunden Verbrauch könne in diesem Fall mit 40 Euro pro Jahr zur Kasse gebeten werden. Für einen alten analogen Zähler lägen die Kosten in NRW dagegen nur bei etwa 8 bis 14 Euro brutto im Jahr. Bei einer Umfrage der Bundesnetzagentur haben allerdings nur 57 Unternehmen angegeben, einen Einbau bei Durchschnittverbrauchern zu planen. Mit «Nein» hätten 372 Messstellenbetreiber geantwortet, 399 Unternehmen seien noch unentschlossen gewesen, heißt es im Monitoringbericht der Behörde.

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 03. 2020
07:14 Uhr

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