Lade Login-Box.
Topthemen: Autonomes Fahren in OberfrankenDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Thyssenkrupp-Chef wirbt für Aufspaltung

Aus einem Thyssenkrupp sollen zwei Thyssenkrupp werden. Mit dieser Radikalkur will der neue Konzernchef Guido Kerkhoff den kriselnden Konzern wieder in die Erfolgsspur bringen. Nicht alle Aktionäre sind überzeugt.



Thyssenkrupp - Hauptversammlung
Guido Kerkhoff, Vorstandsvorsitzender von Thyssenkrupp, steht bei der Hauptversammlung auf dem Podium.   Foto: Rolf Vennenbernd

Der neue Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat nachdrücklich für die geplante Aufspaltung des kriselnden Industrieriesen geworben. «Getrennt sind wir stärker», sagte er am Freitag bei der Hauptversammlung in Bochum.

Die Aktionäre versuchte Kerkhoff bei seiner Premiere als Vorstandschef auf einer Hauptversammlung mit einer Art «Reiner-Tisch-Rede» von seinem Konzept zu überzeugen. Bei den Aufzügen - die Wettbewerber «deutlich profitabler». Im Automobilbereich - «Qualitätsprobleme». Der Anlagenbau - «teuer und langsam». Die vom Unternehmenschef vorgetragene Mängelliste war lang.

Kerkhoff, immerhin schon seit 2011 als Finanzchef im Thyssenkrupp-Vorstand dabei, nahm sich selbst von der Kritik nicht aus. Beim Anlagenbau «haben wir die Dinge zu lange laufen lassen», räumte er ein. Beim operativen Ergebnis müsse Thyssenkrupp «viel besser werden».

Mit der Abspaltung des Industriegütergeschäfts vom Werkstoffbereich mit dem Stahl, will Kerkhoff den Forderungen von Investoren entgegenkommen, die immer wieder die schlechten Zahlen des unübersichtlichen Konzerns kritisiert hatten. Nur noch 60 Millionen Gewinn waren im vergangenen Geschäftsjahr von mehr als 40 Milliarden Euro Umsatz übrig geblieben. Nach der Aufspaltung sollten «wieder höhere Dividenden möglich sein», umgarnte er die Aktionäre, die sich in diesem Jahr mit 15 Cent je Aktie begnügen müssen. Traditionalisten versicherte Kerkhoff: «Wir bleiben Thyssenkrupp. Und zwar beide Unternehmen.» Einen Kunstnamen werde es nicht geben.

Bei Aktionärsvertretern erntete Kerkhoff ein unterschiedliches Echo. «Das war ein starker erster Aufschlag», lobte Thomas Hechtfischer von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Es sei «wesentlich dem neuen Vorstand zu verdanken, dass die Chaos-Tage bei Thyssenkrupp beendet werden konnten». Kerkhoff war im vergangenen Sommer Vorstandschef geworden, nachdem sein Vorgänger Heinrich Hiesinger überraschend das Handtuch geworfen hatte. Auch Aufsichtsratschef Ulrich Lehner war nach Streit mit Investoren zurückgetreten.

Daniel Vos von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger war deutlich kritischer. Die Aufspaltung sei «keine langfristige Strategie, sondern aus der Not geboren». Die Aktionäre gingen vor allem mit dem Aufsichtsrat hart ins Gericht. Vos warf den Kontrolleuren vor, mit Indiskretionen ihre eigene Politik auf dem Rücken des Unternehmens auszutragen. Andere Aktionäre fühlten sich angesichts der Querelen im Aufsichtsrat an eine «Daily Soap» erinnert.

Thyssenkrupp ist noch immer ein Koloss mit mehr als 161 000 Mitarbeitern und Standorten in 78 Ländern. Die Beteiligungsliste umfasst 498 Positionen. Dieses Geflecht auseinanderzunehmen, ist teuer. Geschätzte 800 Millionen Euro bis eine Milliarde Euro werde die Aufspaltung kosten, hielt Hechtfischer dem Vorstand vor: «Wann rechnet sich das, und wieso rechnet sich das?»

Die Erträge aus der Trennung würden die Kosten «ganz erheblich» übertreffen, ist sich Kerkhoff sicher. Ganz schnell dürfte es dazu aber nicht kommen. So werde es beim Anlagenbau «einige Zeit dauern», bis sich die Aufräumarbeiten auszahlten, warb der Vorstandschef um Geduld. In der Autosparte, in die Thyssenkrupp in den vergangenen Jahren viel Geld investiert hat, gibt es große Konjunkturrisiken. Und die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Prüfung durch die EU-Wettbewerbshüter dauert an.

Abgestimmt über die Aufspaltung wurde auf der Hauptversammlung noch nicht. Das ist erst in einem Jahr geplant.

Die Unternehmensberaterin Martina Merz (55) wurde zur neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Kontrollgremiums. Die frühere Bosch-Managerin ist unter anderem Aufsichtsrätin bei Lufthansa. Sie war im November in den Thyssenkrupp-Aufsichtsrat berufen worden. Merz löst Bernhard Pellens ab, der den Aufsichtsrat nach dem Rücktritt von Lehner geleitet hatte.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 02. 2019
18:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktionäre Anlagenbau Aufsichtsräte Autobranche Deutsche Lufthansa AG Finanzinvestoren und Anleger Hauptversammlungen Heinrich Konzernchefs Konzerne Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger Tata-Gruppe Vorstandsvorsitzende
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Guido Kerkhoff

30.09.2019

Thyssenkrupp trennt sich von Vorstandschef Kerkhoff

Beim schlingernden Industriekonzern Thyssenkrupp wechselt Aufsichtsratschefin Martina Merz auf den Posten der Vorstandsvorsitzenden. Sie übernimmt eine schwierige Mission mit zeitlicher Begrenzung. » mehr

Guido Kerkhoff

30.09.2018

Neuer Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff aus alter Führungsriege

Zunächst war der Widerstand groß gegen einen neuen Thyssenkrupp-Chef aus der alten Mannschaft des zurückgetretenen Konzernchefs Hiesinger. Nun steht künftig aber doch ein Alteingesessener an der Spitze des Konzerns. » mehr

Daniel Kretinsky

21.01.2020

Metro-Gründer bauen Einfluss beim Konzern aus

Beisheim und Meridian sichern sich eine faktische Sperrminorität beim Düsseldorfer Handelsriesen. Das stärkt ihre Position gegenüber dem tschechischen Milliardär Kretinsky, dem größten Metro-Aktionär. » mehr

Oliver Zipse

19.07.2019

Neuer BMW-Chef für klare Ansagen in stürmischen Zeiten

Ist BMW Nachzügler bei der E-Mobilität - oder Vorreiter? Die Wahrheit könnte in der Mitte liegen. Und so sind auch die Erwartungen an den neuen Konzernchef in München ganz verschieden: Neue Tonart - oder neuer Kurs? » mehr

Daimler Hauptversammlung

22.05.2019

Daimler stellt Weichen für die Zukunft

Ein kleines bisschen Wehmut und dann viele trockene Details. Beim Autobauer Daimler endet mit dem Abschied von Dieter Zetsche eine Ära. Und Nachfolger Ola Källenius steht gleich vor einem Megaprojekt. » mehr

Thyssenkrupp

04.07.2019

Thyssenkrupp auf der Suche nach der Zukunft

Thyssenkrupp hat turbulente Zeiten hinter sich. Vor einem Jahr warf Vorstandschef Hiesinger das Handtuch. Seitdem sorgen Strategiewechsel bei dem Stahl- und Industriekonzern für Unruhe. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Joseph Hannesschläger

Diese Prominenten sind 2020 schon gestorben |
» 7 Bilder ansehen

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft | 20.01.2020 Ralf Naumann
» 12 Bilder ansehen

Büttenabend Wallenfels

Büttenabend in Wallenfels | 20.01.2020 Wallenfels
» 30 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 02. 2019
18:45 Uhr



^