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Wirtschaft

Thyssenkrupp-Chefin lobt Verkauf der Aufzugssparte

Thyssenkrupp ist finanziell angeschlagen und muss seinen größten Gewinnbringer verkaufen. Doch Vorstandschefin Martina Merz will angesichts des Abschieds von der Aufzugssparte keine Trübsal blasen. Jetzt schlage der Traditionskonzern ein neues Kapitel auf.



ThyssenKrupp-Zentrale
Die Konzernzentrale von ThyssenKrupp in Essen. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Aufzugssparte sieht sich der Konzern in der Lage, den Umbau des Unternehmens konsequent voranzutreiben.   Foto: Marcel Kusch/dpa

Nach der Entscheidung über den Milliarden-Verkauf der Aufzugssparte rückt bei Thyssenkrupp die defizitäre Stahlproduktion wieder mehr in den Mittelpunkt.

«Ich sehe Stahl als eine Säule dieses Unternehmens», sagte Konzernchefin Martina Merz am Freitag in einer Telefonkonferenz. Vorstand und Aufsichtsrat hatten am Vorabend beschlossen, das Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen für 17,2 Milliarden Euro an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven sowie die Essener RAG-Stiftung zu verkaufen.

Für eine Konzernchefin, die notgedrungen den wertvollsten Teil des Unternehmens abgeben muss, ist Merz bester Laune. Auf «gut schwäbisch» gesagt, habe Thyssenkrupp einen «Tipptopp-Deal» abgeschlossen, lobte die aus Baden-Württemberg stammende Managerin das Ergebnis des Preispokers. Allerdings bleibe «eine Träne im Auge», weil man sich von fast einem Drittel der 160.000 Mitarbeiter trennen müsse. Aber jetzt könne Thyssenkrupp «ein neues Buch aufschlagen».

Man habe einen «sehr guten Verkaufspreis» erzielt, sagte Merz. Noch Ende Januar hatte sie bei der Hauptversammlung einen möglichen Preis von rund 15 Milliarden Euro genannt. Ebenso wichtig wie der Preis ist für die Vorstandschefin auch eine hohe Sicherheit, dass der Deal tatsächlich zustande kommt. Denn Thyssenkrupp ist bei diesem Thema ein gebranntes Kind. Im vergangenen Jahr hatten die Wettbewerbshüter der EU die geplante Stahlfusion von Thyssenkrupp und Tata untersagt, und damit einen Teil der Probleme der Essener heraufbeschworen. Diesmal ist man sich bei Thyssenkrupp aber ziemlich sicher, dass es kein Veto aus Brüssel geben wird.

Thyssenkrupp kann das Geld aus dem Verkauf der Aufzugssparte gut gebrauchen: Im vergangenen Geschäftsjahr hat der MDax-Konzern einen Verlust von 260 Millionen Euro eingefahren. 2020 wird er nach Angaben des Managements deutlich höher ausfallen. Die Finanzschulden sind zudem auf mehr als sieben Milliarden Euro gestiegen.

Die Aktionäre werden nun nicht an den Milliardeneinnahmen aus dem Verkauf der Aufzugssparte beteiligt. «Wir schließen eine Sonderdividende kategorisch aus», sagte Merz. Sie ließ sich aber nicht in die Karten blicken, wie der Geldsegen genau verteilt wird. Es müsse eine «wertmaximierende Balance» zwischen Stärkung der Bilanz und sinnvollen Investitionen gefunden werden, sagte sie lediglich. Im Mai soll die Richtung klar sein.

Ganz aus dem Aufzugsgeschäft zieht sich Thyssenkrupp nicht zurück. Mit 1,25 Milliarden Euro aus dem Verkaufserlös wollen sich die Essener an dem verkauften Unternehmen beteiligen. Der Anteil von Thyssenkrupp dürfte sich dann in einer Größenordnung von 15 Prozent bewegen, sagte Finanzvorstand Johannes Dietsch. Der Sitz des neuen Unternehmens soll in Deutschland bleiben, der Name wird allerdings verschwinden. Die Käufer dürfen die Marke Thyssenkrupp Elevator nur für eine Übergangszeit nutzen.

Merz hat ihre neue Rolle als «Stahlbaronin» von der Ruhr angenommen. Der Stahl sei eine «sehr identitätsstiftende Säule» für das Unternehmen, betonte sie. Darauf sei man «sehr stolz». Und das bleibe auch so, denn den Werkstoff Stahl werde es «noch sehr, sehr lange geben». Man werde aber auch beim Stahl genau prüfen, «was wir selber machen können und was wir nicht selber machen können».

Merz, die bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt als Konzernchefin im vergangenen November eine lange Mängelliste vorgetragen hatte, sprühte am Freitag geradezu vor Optimismus. Trotz aller Herausforderungen sei sie von Thyssenkrupp nach wie vor begeistert, bekannte die Managerin.

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 02. 2020
13:59 Uhr

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28. 02. 2020
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