Lade Login-Box.
Corona Ticker zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wirtschaft

Thyssenkrupp verkauft Aufzugssparte an Finanzinvestoren

Seit Jahren steckt Thyssenkrupp in der Krise. Jetzt ist die Finanznot so groß, dass der Konzern sein Tafelsilber verkaufen muss. Für die Aufzugssparte gibt es einen «sehr guten Preis», betont die Konzernchefin.



Thyssenkrupp
Die Aufzugssparte ist derzeit der einzige nennenswerte Gewinnbringer des hoch verschuldeten Konzerns.   Foto: Marcel Kusch/dpa

Thyssenkrupp trennt sich für 17,2 Milliarden Euro von seinem wertvollsten Unternehmensbereich. Der angeschlagene Stahl- und Industriekonzern verkauft seine hoch profitable Aufzugssparte an ein Konsortium um die internationalen Finanzinvestoren Advent und Cinven sowie die RAG-Stiftung.

Mit dem Geld wollen die Essener Schulden abbauen, ihre Pensionsverpflichtungen decken und den Umbau der verblieben Konzernteile finanzieren. Mit dem Verkauf könne Thyssenkrupp «wieder Fahrt aufnehmen», sagte die Vorstandsvorsitzende Martina Merz laut Mitteilung. «Wir haben nicht nur einen sehr guten Preis erzielt, sondern werden die Transaktion auch zügig abschließen können.»

Die Krupp-Stiftung, der größte Aktionär des Konzerns, nannte den Verkauf «richtig». Thyssenkrupp müsse wieder wettbewerbs- und dividendenfähig werden. Das sei auch im Sinne aller Beschäftigten.

Zufrieden äußerte sich auch die IG Metall. Mit den künftigen Eigentümern sei eine Standort- und Beschäftigungssicherung vereinbart worden. Sie laufe mindestens bis zum 31. März 2027. Während dieser siebenjährigen Laufzeit seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, alle bestehenden Standorte in Deutschland blieben mit ihren wesentlichen Funktionen erhalten und sollten gestärkt werden.

Zu den Käufern gehört auch die milliardenschwere RAG-Stiftung aus Essen. Sie ist für die Finanzierung der dauerhaften Folgekosten des Steinkohlenbergbaus zuständig und dazu auf sichere Erträge ihres Kapitals angewiesen.

Die Aufzugssparte ist derzeit der einzige nennenswerte Gewinnbringer bei Thyssenkrupp. Während der Stahl tief in den roten Zahlen steckt, erzielte Thyssenkrupp mit dem Verkauf und der Wartung von Aufzügen und Rolltreppen verlässliche Gewinne. Allein im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres waren es operativ 228 Millionen Euro. Weltweit beschäftigt Thyssenkrupp Elevator rund 53 000 Mitarbeiter, fast ein Drittel aller Beschäftigten des Konzerns.

Den Vollzug des Verkaufs erwartet Thyssenkrupp bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres am 30. September. Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher Genehmigungen, man erwarte aber keine Bedenken der zuständigen Behörden, heißt es in der Mitteilung. Für einen Teil des Verkaufspreises in Höhe von 1,25 Milliarden Euro will Thyssenkrupp wieder Anteile am verkauften Aufzugsgeschäft erwerben.

Wie wertvoll die Aufzugssparte ist, zeigt ein Blick auf den Börsenkurs der aus dem Dax abgestiegenen Industrieikone. Nach einem monatelangen Absturz des Börsenkurses brachte Thyssenkrupp am Donnerstag nur noch eine Marktkapitalisierung von rund 5,7 Milliarden Euro auf die Waage. Die Aufzugssparte ist aus Sicht der Investoren also drei Mal so wertvoll wie der gesamte Konzern.

Thyssenkrupp hatte zunächst einen Börsengang der Aufzugssparte vorbereitet, der mit dem Verkauf an die Finanzinvestoren abgesagt wird. Interesse hatten auch Konkurrenten wie der finnische Kone-Konzern. Die Finnen zogen sich aber aus dem Bieterrennen zurück. Zuletzt hatten auch noch die Investoren Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan gemeinsam für die Aufzugssparte geboten.

Bei Thyssenkrupp hat sich in den vergangenen Monaten die Lage immer mehr zugespitzt. Die lange vorbereitete Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkonzern Tata war von der EU-Kommission untersagt worden. Eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften wurde darauf abgesagt. Vorstandschef Guido Kerkhoff musste nach nur gut einem Jahr im Amt seinen Hut nehmen. Im Oktober wechselte dann die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz als Interimschef an die Spitze des Vorstands.

Nach dem Verkauf der Aufzugssparte soll der traditionsreiche Stahl wieder zum Kerngeschäft von Thyssenkrupp werden. Dort laufen die Geschäfte aktuell aber schlecht. Die Stahlsparte lieferte im ersten Quartal einen operativen Verlust von 164 Millionen Euro ab. Zunächst sollen bei Stahl 2000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Mittelfristig könnten weitere 800 Jobs wegfallen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
27. 02. 2020
20:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktionäre Arbeitsstellen Börsengänge Deutscher Aktien Index Eisen- und Stahlbranche Europäische Kommission Finanznöte IG Metall Krisen Personalabbau Stahl Stahlunternehmen Thyssenkrupp AG
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
ThyssenKrupp

13.02.2020

Thyssenkrupp in der Krise: Hohe Verluste, miese Aussichten

Thyssenkrupp setzt alle Hoffnungen auf seine Aufzüge. Ein Verkauf oder Börsengang muss Geld in die Kassen bringen, um den kriselnden Konzern zu stabilisieren. Denn beim Stahl sieht düster aus. » mehr

Martina Merz

31.01.2020

Thyssenkrupp: Aktionäre schimpfen über Führungschaos

Seit Jahren steckt Thyssenkrupp in der Krise. Jetzt versucht die neue Vorstandschefin Martina Merz, den Traditionskonzern auf Kurs zu bringen - und gibt sich dafür nur ein Jahr Zeit. » mehr

Thyssenkrupp

25.03.2020

Thyssenkrupp streicht im Stahlgeschäft 3000 Stellen

Vom Stellenabbau sind 2000 Mitarbeiter in der Produktion und 1000 in der Verwaltung betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden. » mehr

Stahlkocher

25.05.2020

Stahlproduktion in Deutschland eingebrochen

2,6 Millionen Tonnen Stahl sind im April in Deutschland produziert worden - deutlich weniger als im Vorjahresmonat. Grund dürfte der Stillstand in einer wichtigen anderen Branche sein. » mehr

Thyssenkrupp

25.03.2020

Thyssenkrupp streicht im Stahlgeschäft 3000 Stellen

Bei dem Industriekonzern steht der Rahmen für die Sanierung des Stahlbereichs. Insgesamt 3000 Stellen werden in den nächsten sechs Jahren gestrichen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. » mehr

Demonstrierende Stahlarbeiter

03.12.2019

Thyssenkrupp-Stahlkocher fordern sichere Jobs

Bei Thyssenkrupp wächst die Unruhe. Die Stahlarbeiter fühlen sich als «Schmuddelkinder» des Konzerns behandelt. Jahrelang sei nicht in moderne Anlagen investiert worden. Das räche sich jetzt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bauerndemo in Coburg

Bauerndemo in Coburg | 28.05.2020 Coburg
» 4 Bilder ansehen

Frontal-Crash mit Oldtimer Dippach

Frontal-Crash mit Oldtimer | 22.05.2020 Dippach
» 10 Bilder ansehen

Jan Gorr wird HSC-Geschäftsführer

Jan Gorr wird Geschäftsführer | 22.05.2020 Coburg
» 15 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
27. 02. 2020
20:23 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.