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Wirtschaft

US-Händler Sears zieht die Notbremse

Bis in die 1990er Jahren ist Sears größter US-Einzelhändler. In den Folgejahren scheitern immer neue Rettungsversuche, seit 2011 fallen unter steigendem Druck der Online-Konkurrenten Verluste an. Jetzt versucht der Traditionskonzern aus der Pleite heraus einen Neustart.



US-Handelshaus Sears
Sears-Geschäft kurz in Overland Park im US-Bundestaat Kansas vor der Schließung: Das vor 125 Jahren als Versandhändler gegründete Unternehmen war zeitweise der größte Handelskonzern der USA.   Foto: Charlie Riedel/AP

Nach Jahren vergeblicher Umbauarbeiten versucht der hoch verschuldete US-Einzelhändler Sears den Befreiungsschlag. Der traditionsreiche Konzern hat beim zuständigen Gericht in New York einen Insolvenzantrag gestellt.

Wie Sears am Montag am Konzernsitz in Hoffman Estates im US-Bundesstaat Illinois mitteilte, will das Unternehmen künftig mit einer deutlich kleineren Organisation wieder profitabel werden. Dafür sollen Unternehmensteile verkauft werden. Ob die Rettung gelingt, hängt nun von den Geldgebern ab. Diese müssen bereit sein, die Schulden umzustrukturieren.

Während des Gläubigerschutzverfahrens soll das operative Geschäft normal weiterlaufen: Vor der wichtigen Weihnachtssaison blieben die Filialen und das Online-Geschäft weiter geöffnet, versicherte der bisherige Konzernlenker Eddie Lampert. Auch die Gehälter an die Angestellten würden wie bisher gezahlt. Lampert, der auch ein großes Aktienpaket an Sears besitzt, kündigte seinen Rücktritt als Sears-Chef an. Er bleibt aber Vorsitzender des Verwaltungsrates.

Für die künftige Neuaufstellung verhandelt Sears nun mit seinen Kreditgebern über die Finanzierung. Zusagen von den Gläubigern über eine Kreditlinie von 300 Millionen Dollar hat der Konzern bereits erhalten. Mit Lamperts Hedgefonds ESL Investments liefen zudem Gespräche über eine ebenso große Summe. ESL ist mit bislang rund 2,5 Milliarden Dollar Schulden bereits größter Kreditgeber von Sears.

Das 1886 als Versandhändler für Uhren gegründete Unternehmen, das lange unter dem Namen seiner Gründungsväter Sears, Roebuck & Co firmierte, hatte in den USA einen kometenhaften Aufstieg. 1925 wurden die ersten Filialen gegründet. Mit der wachsenden Mittelklasse boomte das Geschäft nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch bereits in den 1980er-Jahren verlor das Unternehmen mit der Expansion in weitere Geschäftsfelder wie etwa das Bank- und Hypothekengeschäft an Boden. In den 1990er-Jahren wurde Sears von Walmart als größter US-Einzelhändler abgelöst.

Nach dem Zusammengehen mit Kmart im Jahr 2005 scheiterten zahlreiche Versuche von Eddie Lampert, das Unternehmen zu retten. Verlustreiche Filialen wurden geschlossen, Ausgaben drastisch gestrichen und unter anderem die Marke Lands' End verkauft. Mit dem Vormarsch von Amazon & Co blieben jedoch immer mehr Kunden weg, seit 2011 schrieb der Konzern jedes Jahr Verluste.

Der Abschwung spiegelte sich auch an der Börse wider: 2007 erreichte der Aktienkurs einen Rekord von mehr als 120 Dollar, heute ist das Papier weniger als einen halben Dollar wert. Die Marktkapitalisierung von Sears sank von damals 27 Milliarden auf rund 44 Millionen Dollar.

Lamperts neue Pläne für Sears sehen nun vor, die Filialen auf jene einzudampfen, die zumindest operativ schwarze Zahlen schreiben. Sears hatte zuletzt bereits angekündigt, 46 unrentable Filialen bis November 2018 schließen zu wollen. Weitere 142 Geschäfte sollen nach den neuesten Plänen nun kurz vor Jahresende ihre Pforten dicht machen.

Er hoffe, mit einer erfolgreichen Umstrukturierung das Unternehmen und zehntausende Jobs retten zu können, so Lampert. Sein Investmentvehikel ESL könnte nun einen großen Teil des Filialgeschäfts übernehmen, das aktuell unter den beiden Marken Sears und Kmart geführt wird. Die entsprechenden Gespräche hierüber laufen noch.

Dem jetzigen Insolvenzantrag in den USA war bereits ein entsprechender Antrag auf Gläubigerschutz in Kanada im vergangenen Jahr vorausgegangen. Die kanadische Gesellschaft wurde letztlich komplett abgewickelt, rund 12 000 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit.

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dpa

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2018
12:09 Uhr

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15. 10. 2018
12:09 Uhr



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