Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerGlobe-TheaterStromtrasseHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

USA drohen EU mit Strafzöllen auf Oliven, Käse und Whisky

Strafzölle auf Oliven, Whisky oder Gusseisenrohre: Die USA nehmen sich nach China nun wieder die EU vor. Hintergrund ist ein alter Konflikt um illegale Staatshilfen beim Flugzeugbau.



Olivenproduktion in Spanien
Olivenverarbeitung im südspanischen Andalusien.   Foto: Daniel Gonzalez Acuna » zu den Bildern

Die USA gießen erneut Öl ins Feuer: Nach dem Burgfrieden im Handelsstreit mit China nimmt die Regierung unter Präsident Donald Trump nun wieder Europa ins Visier.

Washington droht der Europäischen Union (EU) wegen verbotener Flugzeugsubventionen mit weiteren milliardenschweren Sonderzöllen.

Für etliche europäische Exporte - von Lebensmitteln wie Oliven, Fleisch und Käse über Whisky bis hin zu Gusseisenrohren - könnten die Einfuhrschranken erhöht werden.

Schon jetzt bremst Washingtons Handelspolitik die Geschäfte exportorientierter deutsche Unternehmen. Industrieverbände korrigierten ihre Prognosen am Dienstag nach unten.

Das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer stellte am Montagabend (Ortszeit) in Washington eine Liste mit EU-Gütern im Wert von rund 4 Milliarden Dollar (3,5 Mrd Euro) vor, auf die Vergeltungszölle für illegale Staatshilfen beim Flugzeugbau verhängt werden könnten.

Diese Zölle kämen zu einer bereits veröffentlichten Liste mit EU-Produkten im Wert von 21 Milliarden Dollar hinzu, hieß es in der Mitteilung des Handelsbeauftragten.

Nach Einschätzung des Ökonomen Marcel Fratzscher hat US-Präsident Trump «mit der Europäischen Union nun seinen nächsten Gegner im globalen Handelskrieg gefunden».

Er erwarte, dass der Konflikt für die kommenden 18 Monate andauern werde, «solange Trump um sein politisches Überleben kämpft und sich Stimmen bei seinen Wählerinnen und Wählern kaufen will», sagte der Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

In einem bei der Welthandelsorganisation WTO ausgetragenen Streit über illegale Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus hatten die USA im April zunächst eine vorläufige Liste mit EU-Gütern im Wert von rund 11 Milliarden Dollar veröffentlicht.

Die EU reagierte umgehend mit einer Liste von US-Gütern, die im Gegenzug mit Vergeltungszöllen belegt werden könnten. In Frage kämen Sonderabgaben auf Produkte wie Tomatenketchup, Wein, Reisekoffer und Spielekonsolen. Hintergrund der gegenseitigen Drohungen ist ein seit 15 Jahren laufender WTO-Streit, in dem sich die USA und EU jeweils illegale Bezuschussungen für ihre rivalisierenden Luftfahrtriesen Boeing und Airbus vorwerfen.

Der Handelsstreit zwischen Brüssel und Washington könnte durch diesen Konflikt weiter eskalieren. Damit würde ein neuer Krisenherd in den Vordergrund rücken, nachdem die USA und China am Wochenende auf dem G20-Gipfel einen «Waffenstillstand» und neue Verhandlungen zur vereinbart hatten. Die USA und die EU haben bereits Strafzölle auf eine Reihe von Gütern gegeneinander verhängt. Trump droht zudem seit Monaten mit höheren Zöllen auf Autos.

Die ständigen handelspolitischen Konflikte verunsichern bereits Investoren. Kunden deutscher Unternehmen halten sich mit Bestellungen zurück. Deutschlands Maschinenbauer erwarten in diesem Jahr daher kein Wachstum mehr - im Gegenteil.

«Wir rechnen für 2019 nun mit einem realen Minus der Produktion von 2 Prozent», sagte Carl Martin Welcker, Präsident des Branchenverbandes VDMA in Frankfurt. Die Branche kappte damit zum zweiten Mal ihre Wachstumserwartungen. «Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft», sagte Welcker.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schraubte seine Exporterwartungen deutlich herunter. Erwartet wird nun nur noch ein Wachstum der deutschen Ausfuhren in diesem Jahr von 1 Prozent. Im Herbst 2018 hatte der DIHK noch ein Plus von 2,5 Prozent für 2019 prognostiziert. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sprach in Berlin von einem «Schlag ins Kontor».

Deutliche Spuren hinterlässt die schwächelnden Nachfrage aus dem Ausland auch bei der deutschen Autoindustrie. Im ersten Halbjahr wurden nach Angaben des Branchenverbandes VDA knapp 1,9 Millionen Autos exportiert und damit rund 15 Prozent weniger als Vorjahreszeitraum. Die Produktion lag mit 2,5 Millionen Autos bis Juni rund 12 Prozent unter dem Vorjahresniveau lag. Rund drei Viertel aller Pkw in Deutschland werden für den Export produziert.

Sollten die USA ihre jüngsten Zolldrohungen gegenüber Europa wahr machen, dürfte die Unsicherheit weiter wachsen - auch in anderen Ländern der Europäischen Gemeinschaft.

Nach Angaben des italienischen Agrarverbandes Coldiretti wären etwa 50 Prozent der Lebensmittel und Getränke betroffen, die in Italien hergestellt und in die Vereinigten Staaten exportiert werden. Das am meisten verkaufte italienische Lebensmittelprodukt in den USA war 2018 Wein - von Prosecco bis Marsala - im Exportwert von fast 1,5 Milliarden Euro.

Die EU-Kommission gab sich zurückhaltend. Die jüngste Ankündigung sei Teil eines internen US-Verfahrens, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. Die EU bleibe für Diskussionen mit den USA offen, vorausgesetzt, diese würden ohne Vorbedingungen geführt und zielten auf ein «faires» Ergebnis.

Inmitten der schwierigen Beziehungen reist Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in die USA. Auf dem Programm des Besuchs vom 8. Juli bis 12. Juli stehen nach Angaben des Ministeriums Gespräche im Silicon Valley sowie in Washington.

Altmaier will außerdem in Alabama das Mercedes-Werk besuchen. «Die Reise hat das Ziel zu verdeutlichen, wie wichtig konfliktfreie Wirtschaftsbeziehungen für beide Seiten sind», sagte Altmaier in Berlin. «Deutsche Unternehmen investieren und schaffen Arbeitsplätze, steigern Exporte aus den USA.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 07. 2019
15:43 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Airbus GmbH Außenhandelspolitik Boeing Bundeswirtschaftsminister CDU Deutsche Autoindustrie Deutsche Presseagentur Deutscher Industrie- und Handelskammertag Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Donald Trump Europäische Gemeinschaft Europäische Kommission Europäische Union Firmen und Firmengruppen in Deutschland Flugzeugbau Handelskonflikte Handelskriege Industrieverbände Peter Altmaier Strafzölle US-Regierung Welthandelsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Auto-Export

06.07.2019

Wirtschaft sieht Handelsbeziehungen zu den USA unter Druck

Wirtschaftsminister Altmaier reist in die USA, die Liste der Probleme ist lang. Vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU verunsichert die Unternehmen. » mehr

Kräne

14.08.2019

«Weckruf» für Deutschland - Wirtschaft geschrumpft

Flaute statt Frühjahrsaufschwung: Internationale Handelskonflikte haben die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal ausgebremst. Bleibt es bei einer Delle? » mehr

Donald Trump

02.08.2019

Handelskrieg verschärft Sorge vor globaler Rezession

Trump heizt den Konflikt mit China an, und Peking kündigt prompt Vergeltung an. Nicht nur die deutsche Industrie ist alarmiert. Versöhnliche Töne kommen aus Washington derweil wegen Rinderexporten in die EU. » mehr

Altmaier in Washington

11.07.2019

Altmaier will Bewegung in US-Handelskonfliktbringen

Wie ein Damoklesschwert hängt die Drohung mit höheren US-Zöllen über der deutschen Autobranche. Das würde vor allem deutsche Hersteller treffen. Der Bundeswirtschaftsminister ist auf schwieriger Mission. » mehr

Altmaier in Peking

19.06.2019

Altmaier fordert mehr Marktzugang in China

Deutschland teilt die Kritik der USA an unfairen Marktbedingungen in China, sieht den Handelskrieg aber nicht als Lösung. Im Gegenteil. Altmaier redet dafür Klartext in Peking. Bringt es auch etwas? » mehr

Handelskonflikt China-USA

14.08.2019

USA sehen keine Einigung im Handelskrieg mit China

Die Atempause im Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften währte nur kurz. In Washington heißt die Verhandlungsstrategie wieder: alles oder nichts. Eine Entwarnung ist nicht in Sicht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kutschunfall in Weisbrunn

Kutschunfall in Weisbrunn | 21.08.2019 Weisbrunn
» 13 Bilder ansehen

Fränkische Weinkönigin besucht die Haßberge

Fränkische Weinkönigin besucht die Haßberge | 21.08.2019 Haßberge
» 8 Bilder ansehen

Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"

Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie" | 21.08.2019 Trun/Ebern
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 07. 2019
15:43 Uhr



^