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Wirtschaft

Umbau in der Kraftwerksparte belastet Siemens-Geschäft

Konzernumbau, Krise im Kraftwerksgeschäft, Ringen um einen Milliardendeal im Irak - die Aufgaben für Siemens-Chef Joe Kaeser sind groß. Doch die aktuellen Geschäftszahlen stimmen den Konzernlenker zuversichtlich.



Joe Kaeser
Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, möchte die Struktur des Mischkonzerns schlanker gestalten, den einzelnen Geschäftsbereichen mehr Eigenverantwortung geben.   Foto: Sven Hoppe

Die Baustellen sind zahlreich, doch für Siemens-Chef Joe Kaeser gilt bei der Vorlage der Geschäftszahlen am Donnerstag vor allem eins: Gelassenheit ausstrahlen.

Krise im Kraftwerksgeschäft? Klar, aber die notwendigen Umstrukturierungen seien eingeleitet. Ringen um einen Milliarden-Auftrag im Irak? Abwarten, das eigene Angebot sei überzeugend. Noch fehlende EU-Zustimmung für die Bahnfusion mit Alstom? Wenn die Genehmigung ausbleibe, behalte der Konzern eben eine hochprofitable Bahnsparte.

Siemens befindet sich im Umbruch. Kaeser möchte die Struktur des Mischkonzerns schlanker gestalten, den einzelnen Geschäftsbereichen mehr Eigenverantwortung geben. Drei operative Gesellschaften bleiben im Unternehmen: Die angeschlagene Kraftwerkssparte, das Geschäft mit digitalen Industrie-Prozessen sowie mit Lösungen für eine künftige smarte Infrastruktur. Die Vorbereitungen für das Vision 2020+ genannte Vorhaben liefen nach Plan, sagte Kaeser.

Die neue Struktur bedeutet die Auslagerung von drei Geschäftsbereichen. Zwei davon - die Medizintechnik und das Windkraftgeschäft - sind bereits an der Börse und liefern überzeugende Zahlen. Demnächst soll die Bahntechnik mit dem französischen Konkurrenten Alstom fusioniert werden und dann folgen. Offen ist die Zustimmung der EU-Kartellwächter.

Kaeser gab sich zuversichtlich. Aber: «Für den Fall, dass das nicht gelingt, haben wir das beste Mobilitätsunternehmen der Welt», sagte er mit Blick auf einen Rekordumsatz der Bahntechniksparte von gut 2,3 Milliarden Euro im vierten Quartal. Auch mit den gesamten Zahlen dürften die Anleger zufrieden sein. Der Umsatz 2018 lag mit gut 83 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahr. Der Gewinn nach Steuern stieg leicht auf 6,12 Milliarden.

Sorgenkind bleibt die Kraftwerkssparte. Wegen Überkapazitäten bei Gasturbinen am Markt und des Trends zu erneuerbaren Energien mussten die Münchner Tausende Stellen streichen. Der Umbau kostet viel Geld und ließ den Gewinn im vierten Quartal um nahezu die Hälfte einbrechen. 681 Millionen Euro verdiente Siemens in den letzten drei Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres unterm Strich - nach 1,25 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Für etwas Entspannung könnte daher ein Milliardendeal im Irak sorgen. Um elf Gigawatt will Siemens dort die Stromerzeugungskapazitäten in dem krisengeschüttelten Land ausbauen - inklusive Ausbildungsprogramme und Jobs vor Ort. Eine Absichtserklärung hat Kaeser dort unterzeichnet, doch ob und in welcher Form Siemens zum Zug kommt, ist offen. Denn auch US-Konkurrent General Electric hat ein Angebot zum Ausbau vorgelegt - mit Unterstützung von US-Präsident Donald Trump, wie Medienberichte nahe legen.

«Wir verkaufen keine Kampfhubschrauber, wir schicken auch keine Truppen hin, wir wollen einfach nur Geschäfte machen und diese nachhaltig abwickeln, und genau das haben wir angeboten», sagte Kaeser und gibt sich auch hier gelassen: «Alles andere sind Dinge, die wir nehmen, wie sie kommen.»

Auch ein anderes Thema im Nahen Osten trieb den Siemens-Chef um: Vor wenigen Wochen hatte er eine Wirtschaftskonferenz im saudischen Riad abgesagt, weil dem Land die Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi vorgeworfen wird. Berichten zufolge hätte dort ein Deal mit einem Volumen von bis zu 20 Milliarden Euro abgeschlossen werden sollen. Kaeser bestätigte die Gerüchte am Donnerstag nicht, verteidigte aber seine Absage. Er habe den Eindruck gewonnen, dass Saudi Arabien als wichtiger Partner noch nicht soweit sei, mit solch schrecklichen Geschichten angemessen umzugehen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
08. 11. 2018
13:17 Uhr

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