Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Umwandeln statt abbauen: Neue Wege in Sachen Resturlaub

Resturlaub auf einem Konto für später aufheben statt wie üblich gleich abzubauen: Was nach Zukunftsmusik klingt, ist heute schon Praxis. Doch nur sehr wenige Unternehmen setzen darauf.



Resturlaub
In großen deutschen Unternehmen muss der komplette Resturlaub in der Regel noch vor Jahresende genommen werden.   Foto: Ina Fassbender

Wenige Wochen bis zum Jahreswechsel und das Urlaubskonto ist noch gefüllt? Schnell noch ein paar Tage abbauen, heißt da meistens die Devise. In großen deutschen Unternehmen muss der komplette Resturlaub in der Regel noch vor Jahresende genommen werden, wie eine dpa-Umfrage ergab.

In Ausnahmefällen ist auch noch bis Ende März oder länger Zeit. Doch nicht alle setzen allein auf diese Praxis. Innovativ in Sachen Resturlaub zeigt sich Adidas. Der fränkische Sportartikelhersteller hat 2011 für seine Mitarbeiter sogenannte «MyTime»-Konten eingerichtet. Auf diese Langzeitkonten können bis zu acht Urlaubstage pro Jahr übertragen werden, wie eine Sprecherin des Unternehmens mit Hauptsitz Herzogenaurach erklärt.

Die angesparte Zeit werde in Geld umgewandelt und könne für langfristige Freistellungen genutzt werden - etwa für eine Auszeit mit der Familie, Weiterbildung, Pflege von Angehörigen oder wenn man mit einem Sabbatical mal aussetzen will. Die Regelung gilt nur für die rund 7700 Adidas-Mitarbeiter in Deutschland.

Der Grund für das Angebot? «Karrieren verlaufen heute nicht mehr linear, sondern werden von unterschiedlichen Lebenssituationen und Prioritäten beeinflusst», sagt Adidas-Personalvorstand Karen Parkin. Das Ziel von «MyTime» sei, Mitarbeiter in den verschiedenen Lebensphasen zu unterstützen. Ihnen die Möglichkeit zu geben, Verantwortung für Arbeit und Privatleben zu übernehmen. Falls die Mitarbeiter die Firma vorher verlassen, könne das «MyTime»-Geld entsprechend mitgenommen werden.

Nicht nur der Sportartikelhersteller ist von der Idee eines Langzeitkontos überzeugt, auch die FDP plädiert dafür. Auf dem Konto solle man in einer arbeitsintensiven Phase nicht nur Resturlaub, sondern auch Überstunden und Boni ansammeln können - und es unabhängig vom Arbeitgeber in andere Betriebe mitnehmen können.

Eine gesetzliche Grundlage gibt es mit dem sogenannten Flexi-II-Gesetz dafür schon. Genutzt wird die Möglichkeit einem Forschungsbericht für den Bundestag aus dem Jahr 2016 zufolge aber von nur wenigen Unternehmen in Deutschland. Die meisten Betriebe sehen dabei vor allem organisatorische Schwierigkeiten.

Aber auch die Rückstellungen für nicht genommene Urlaubstage schrecken demnach ab. Diese sind nötig, um Arbeitnehmer etwa im Fall einer Kündigung die Tage ausbezahlen zu können. Das ist also Geld, das erstmal brach liegt und nicht für andere Dinge genutzt werden kann. Auch Adidas muss Rückstellungen für «MyTime» bilden - zumindest für ein Jahr, wie die Sprecherin erklärt. Erst im Folgejahr könne dann der entsprechende Betrag in das «MyTime»-Wertkonto übertragen werden.

In Deutschland regelt das Bundesurlaubsgesetz alles rund um das Thema Jahresurlaub. Es sieht vor, dass er tatsächlich im laufenden Kalenderjahr genommen wird. «Regelmäßiger Erholungsurlaub ist unerlässlich für Gesundheit der Beschäftigten und dient dazu, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten», erklärte Annelie Buntenbach aus dem Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). «Ansparen» von Urlaubszeiten über Jahre sei nicht sinnvoll und der Gesundheit nicht dienlich.

Der Mindesturlaub in Deutschland beträgt vier Wochen im Jahr. Den meisten Beschäftigten stehen aber mehr Urlaubstage zur Verfügung. Wie diese gehandhabt werden, ist nicht gesetzlich festgeschrieben. Das können Unternehmen selbst entscheiden.

Die FDP rührt immer wieder die Werbetrommel für die Langzeitkonten: «Die Lebensläufe der Menschen werden immer vielfältiger und bunter», sagt der Arbeitsmarkt-Experte der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel. Mehr Lebenslaufhoheit für die Beschäftigten, das wolle man erreichen. «Hier benötigen wir dringend eine Modernisierung.»

Veröffentlicht am:
15. 11. 2018
09:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Adidas AG Arbeitnehmer Arbeitsmarktexperten Deutscher Bundestag FDP Johannes Vogel Sportartikelhersteller
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Adidas

vor 11 Stunden

Adidas stellt prestigeträchtige Speed-Factorys ein

Es sollte der letzte Schrei auf dem Sportartikelmarkt sein: Mit schneller Robotertechnik bringt Adidas pünktlich zu Aufsehen erregenden Sportereignissen passende Schuhe auf den Markt. Und jetzt ist mit den Speed-Factorys... » mehr

Adolf Dassler 1924

17.08.2019

Vor 70 Jahren wurde Adidas gegründet

Im Jubiläumsjahr präsentiert sich der Sportartikelhersteller in glänzender Verfassung und beschenkt sich mit einer neuen Unternehmenszentrale am Stammsitz Herzogenaurach. Doch die Firmenchronik berichtet auch von existen... » mehr

Adidas

08.08.2019

Adidas auf Erfolgskurs

Vor 70 Jahren lässt Adi Dassler sein erstes Markenzeichen registrieren - heute geht es dem Unternehmen aus Herzogenaurach hervorragend. In der zweiten Jahreshälfte muss Adidas aber Tempo machen, um die angepeilten Wachst... » mehr

Adidas

08.08.2019

Gutes zweites Quartal von Adidas erwartet

Der Sportartikelhersteller Adidas legt heute (7.30 Uhr) Geschäftszahlen für das zweite Quartal vor. Das Unternehmen hatte im ersten Quartal Umsatz und Gewinn erneut gesteigert. Dabei schwächte sich das Wachstum im Vergle... » mehr

Puma

31.07.2019

Puma erhöht nach rasantem Wachstum Prognose

Puma hat mit einem guten Geschäftsjahr gerechnet und konnte die Erwartungen sogar übertreffen. Nach zwei erfolgreichen Quartalen erhöht der Sportartikelhersteller nun die eigene Prognose. » mehr

Ortlieb gegen Amazon

25.07.2019

Fahrradtaschen: Ortlieb gewinnt vor BGH gegen Amazon

Fahrradtaschen von Ortlieb gegoogelt - bei einer bunt gemischten Amazon-Liste gelandet. Dagegen wehrt sich der fränkische Mittelständler. Der BGH zieht eine klare Grenze für den Versandriesen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schwäne werden in die Freiheit entlassen

Schwäne werden in Freiheit entlassen | 11.11.2019 Ebersdorf
» 10 Bilder ansehen

30 Jahre Mauerfall

30 Jahre Mauerfall | 10.11.2019
» 13 Bilder ansehen

Faschingsauftakt in Gehülz

Faschingsauftakt in Gehülz | 10.11.2019 Gehülz
» 13 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
15. 11. 2018
09:24 Uhr



^