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VW-Betriebsrat fordert EU-Quote für E-Ladestationen

Der Wandel hin zu digital vernetzten Elektroautos stellt die deutsche Autoindustrie vor große Hürden. Damit die E-Autos aber auch gekauft werden, müssen schnell mehr Ladestellen her, sagt VW-Betriebsratschef Osterloh - und zieht einen Vergleich zum Verbrenner.



VW-Betriebsrat fordert EU-Quote für E-Ladestationen
Der Betriebsrat des Autokonzerns Volkswagen hat sich für eine europaweite Quote zum Aufbau von Ladestationen für Elektroautos ausgesprochen.   Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Der Betriebsrat des Autokonzerns Volkswagen hat sich für eine europaweite Quote zum Aufbau von Ladestationen für Elektroautos ausgesprochen. «Ich erwarte mir schon von der Europäischen Union, dass man für die einzelnen Länder (...) eine Verpflichtung zum Aufbau so einer Infrastruktur vorgibt mit einer Quote», sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh am Freitag in Wolfsburg. Nur wenn es genügend Ladestellen gebe, würden die Kunden genügend E-Autos kaufen, um die politischen Klimaziele zu erreichen.

Die Verantwortung für den Ausbau des Ladenetzes liege nicht bei den Autobauern, sagte Osterloh. «Jetzt von den Fahrzeugherstellern zu verlangen, baut noch mal schnell die Ladeinfrastruktur auf, das finde ich dann auch schon spannend.» Die Tankstellenbetreiber Aral, BP und Shell gehörten schließlich auch nicht den Fahrzeugherstellern.

Dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung zufolge soll es in Deutschland bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte geben. Bisher gibt es Zahlen des Energieverbandes BDEW zufolge erst rund

24 000. Dem VW-Betriebsrat zufolge liegt Deutschland bei der Zahl der E-Ladestellen pro 100 000 Einwohner in Europa auf Rang zehn.

In der EU gilt von kommendem Jahr an für die Autohersteller beim durchschnittlichen CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer eine Grenze von 95 Gramm, ansonsten drohen Strafzahlungen. Diese Vorgabe hat dazu beigetragen, dass die Branche viel Geld in die E-Mobilität investiert. Allein VW hat bei der Investitionsplanung für 2020 bis 2024 rund 33 Milliarden Euro für die E-Mobilität vorgesehen.

Volkswagen will mit seiner E-Offensive rund um das neue Modell ID.3 sein Image aufpolieren und umweltfreundlicher werden. Gleichzeitig ist die Umstellung auf die Elektromobilität wirtschaftlich wichtig für die Autoindustrie und die Zulieferer.

Der VW-Betriebsrat geht anhand einer Erhebung der Gewerkschaft IG Metall davon aus, dass rund 108 000 Jobs in Deutschland ohne Alternative vom Verbrenner abhängig sind, bei weiteren 101 000 seien Alternativen erst in der Planung. Berücksichtigt wurden dabei Betriebe, deren Umsatz mindestens zur Hälfte von der Verbrennertechnologie abhängt. Rechnet man auch Betriebe mit geringerem Anteil hinzu, wären es 182 000 Beschäftigte ohne Alternative und 123 000 mit geplanter Alternative.

Ein noch drastischeres Szenario hatte kürzlich die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission Nationale Plattform Zukunft der Mobilität veröffentlicht: Im Extremfall wären demnach bis zu

410 000 Arbeitsplätze in Gefahr, wenn die deutsche Industrie bei der Produktion von Elektroautos den Anschluss verpassen und bei Batteriezellen abhängig von Zulieferern aus dem Ausland würde.

VW-Chef Herbert Diess warnte die Manager seines Konzerns angesichts des Umbruchs mit E-Antrieb und Digitalisierung zuletzt davor, sich auf den noch guten Zahlen auszuruhen. «Der Sturm geht jetzt erst los», sagte Diess vergangene Woche. «Wenn wir in unserem jetzigen Tempo weitermachen, wird es sogar sehr eng.» Teile der Belegschaft von VW fühlten sich dadurch allerdings so hingestellt, «als wenn hier nichts gemacht wird», kritisierte Betriebsratschef Osterloh.

Mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen über einen neuen Haustarifvertrag bei VW gab sich die Vizechefin des Betriebsrats, Daniela Cavallo, noch zurückhaltend. Einerseits sei VW aktuell erfolgreich, andererseits müsse auch die Situation in der Branche berücksichtigt werden. Die Forderungen sollen im Februar beschlossen werden, die Verhandlungen spätestens Anfang April beginnen.

Die IG Metall kündigte parallel dazu an, in der anstehenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie auf eine konkrete Lohnforderung zu verzichten. Stattdessen solle mit den Arbeitgebern ein «Zukunftspaket» ausgehandelt werden, um Arbeitsplätze zu sichern. Unter anderem soll es mehr Angebote zur Weiterbildung geben.

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dpa

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Veröffentlicht am:
24. 01. 2020
15:02 Uhr

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