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Wirtschaft

VW-Betriebsversammlung: Manager-Anklage und Ausblick

Die Anklage gegen die eigene Führungsspitze mache «betroffen» und «verunsichere», schreibt der VW-Vorstand an die Belegschaft. Bei einer Versammlung am Stammsitz bekamen die Mitarbeiter nun weitere Informationen - bei vielen geht der Blick auch nach vorn.



Volkswagen
Der Vorwurf der Marktmanipulation unter anderem gegen Konzernchef Herbert Diess war eines der Themen der Betriebsversammlung am VW-Stammsitz in Wolfsburg.   Foto: Sina Schuldt

Nach der Anklage gegen die Volkswagen-Spitze haben Vorstand, Betriebsrat und Berater des Aufsichtsrats die Führung des Wolfsburger Autobauers verteidigt.

Die Vorwürfe der Braunschweiger Staatsanwaltschaft waren eines der Themen einer Betriebsversammlung am VW-Stammsitz, auf der die Mitarbeiter über die Lage informiert wurden. Die Strafverfolger hatten Konzernchef Herbert Diess, Chefaufseher Hans Dieter Pötsch und Ex-Konzernchef Martin Winterkorn wegen Marktmanipulation im Dieselskandal angeklagt.

Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen bewertete der Jurist Michael Arnold von der Kanzlei Gleiss Lutz, die den VW-Aufsichtsrat berät, die Ermittlungsergebnisse.

Er betonte vor den Beschäftigten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, dass es vor dem öffentlichen Bekanntwerden der Abgastricks in den USA im September 2015 zu keinem Zeitpunkt eine Situation gegeben habe, in der der Vorstand eine sofortige Mitteilung hätte herausgeben müssen. Es komme nur darauf an, was der Vorstand damals gewusst habe, erklärte Arnold demnach - nicht darauf, was heute inzwischen bekannt sei.

Der Vorstand hatte sich zuvor in einem Brief an die Belegschaft gewandt. «Wir können nachvollziehen, dass diese Nachricht viele von Ihnen verunsichert und betroffen macht», heißt es in dem Schreiben der Vorstände Gunnar Kilian (Personal) und Hiltrud Werner (Integrität und Recht). Mit der Anklage werde deutlich, dass die Bewältigung der Dieselkrise - trotz aller Fortschritte - noch immer nicht abgeschlossen sei. «Es hat für uns oberste Priorität, dass Hintergründe und Verantwortlichkeiten aufgeklärt werden.»

Anleger verlangen von Volkswagen Schadenersatz, weil das Management sie im Herbst 2015 zu spät über die finanziellen Risiken der Dieselkrise informiert habe. Die Staatsanwälte schlossen sich dieser Sicht an. Auf Basis dessen, was dem Vorstand damals bekannt gewesen sei, geht Gleiss Lutz allerdings von «unbegründeten Vorwürfen» aus.

Die Anklage gegen Diess, Pötsch und Winterkorn ging am Mittwoch beim Landgericht Braunschweig ein. Zuständig ist dort nun die 16. Wirtschaftsstrafkammer - sie muss prüfen, ob die Anklageschrift zugelassen wird und es zu einem Strafprozess kommt. Dazu muss zunächst geklärt werden, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht.

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats hatte erklärt, man halte die Vorwürfe für nicht nachvollziehbar. An Diess und Pötsch werde das Unternehmen daher festhalten, es sei weiterhin keine vorsätzlich unterlassene Information des Kapitalmarkts zu erkennen. Kilian bekräftigte dies auf der Versammlung: Der Vorstand sei fest davon überzeugt, dass das Unternehmen und die Verantwortlichen alle kapitalmarktrechtlichen Informationspflichten erfüllt hätten.

Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, er stehe hinter der Erklärung des Präsidiums. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) - auch er Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums - verteidigte die Haltung, an Diess und Pötsch festzuhalten. Er habe «großen Respekt» vor der Arbeit der Staatsanwaltschaft. «Aber eine Anklage ist kein Urteil», betonte Weil. «Sie wiegt schwer, aber in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung. Wir haben uns im Präsidium mit den Vorwürfen intensiv auseinandergesetzt und wissen, was wir tun.»

Weitere Themen bei der Betriebsversammlung mit mehr als 10 000 Beschäftigten waren die Geschäftslage und ein Ausblick auf neue Modelle. «Die Entwicklung von Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr in Konzern und Marke sind sehr solide», sagte Kilian. «Wir halten dementsprechend an unseren Zielen für das Gesamtjahr 2019 fest.»

VW-Kernmarken-Geschäftsführer Ralf Brandstätter stellte das neue Elektroauto ID.3 vor, das kürzlich auf der Automesse IAA erstmals zu sehen war. Einen Monat vor der Premiere bekamen die Mitarbeiter zudem einen Eindruck vom demnächst startenden Golf 8. Das Volumenmodell ist neben der ID-Familie der wichtigste aktuelle Schwerpunkt von VW.

Im Anschluss an die Betriebsversammlung war für Mittwochnachmittag noch eine Sondersitzung des VW-Aufsichtsrats in Wolfsburg geplant.

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
23:31 Uhr

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25. 09. 2019
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