Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

VW packt Batteriezellfertigung an

Erst vor wenigen Wochen hatte Volkswagen die Pläne für einen Lkw-Börsengang auf Eis gelegt - wegen des Marktumfelds. Jetzt wird es konkreter. Und auch bei der Fertigung von Batteriezellen für E-Autos überrascht der Konzern.



VW-Logo
VW strebt einen Börsengang der Lkw-Tochter Traton noch vor der Sommerpause 2019 an.   Foto: Christophe Gateau

Paukenschlag bei Volkswagen: Kurz vor der Hauptversammlung bastelt Konzernchef Herbert Diess an einem großen Wurf.

Die Arbeitnehmer bekommen die lange geforderte Batteriezellfertigung, in Salzgitter will der Konzern dafür knapp eine Milliarde Euro investieren, wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte. Zudem macht VW beim lange angepeilten Börsengang der Lkw-Sparte Traton nun doch ernst und will diesen vor der Sommerpause in trockene Tücher bringen - wenn die Bedingungen am Finanzmarkt stimmen.

Die Marktbedingungen hatten Diess und Lkw-Chef Renschler erst vor rund zwei Monaten einen Strich durch die Rechnung gemacht - Investoren waren enttäuscht, dass es nun doch wieder nicht klappen sollte. VW könnte früheren Medienberichten zufolge bis zu einem Viertel von Traton an die Börse bringen und damit rund 6 Milliarden Euro erlösen können.

Nun setzt Diess noch einen obendrauf: Die ebenfalls lange angedachte Überprüfung von Randbereichen im großen VW-Konzern scheint erste Früchte zu tragen. Beim Anlagenbauer Renk und dem Großmotoren- und Turbinenbauer MAN Energy Solutions sollen Optionen geprüft werden, Partnerschaften, Gemeinschaftsunternehmen - oder auch der Verkauf. «Die Automobilindustrie befindet sich in einem grundlegenden Wandel, den wir auch bei Volkswagen mit Vehemenz voranbringen», sagte Diess.

Investoren hatten sich lange gewünscht, dass Diess das Thema Randgeschäfte verstärkt anpackt, des Öfteren waren Bestrebungen in dieser Hinsicht an Widerständen im Konzern gescheitert.

«Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat begrüßen die Entscheidungen und unterstützen sie ausdrücklich», sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. «Es handelt sich um Weichenstellungen, mit denen wir sowohl Beschäftigungssicherung als auch Wirtschaftlichkeit nachhaltig weiterentwickeln können.»

Volkswagen ist der erste deutsche Autobauer, der in die Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos einsteigt. In Salzgitter erforscht der Konzern bereits die Zellfertigung in einer Pilotlinie, nun soll es allerdings mit einem bis dato noch unbekannten Partner auch eine Serienfertigung werden.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann erklärte, Volkswagen habe damit eine «wichtige und richtige strategische Entscheidung» getroffen. Die IG Metall fordere seit Jahren den Bau einer Batteriezellenfabrik in Deutschland. Die Batteriezelle sei die zentrale Leistungskomponente im Elektrofahrzeug, hieran entscheide sich der Wettbewerb. «Die eigene Produktion sichert Knowhow über wichtige Teile der Wertschöpfung und vermeidet Abhängigkeit von asiatischen Herstellern», sagte Hofmann. Für die Innovationskraft der deutschen Automobilindustrie sei das wesentlich: «Die Politik muss solche Entscheidungen der Unternehmen befördern und erleichtern.»

Die Batteriezellfertigung gilt als teures Unterfangen, das mit hohen Investitionskosten verbunden ist. Die Arbeitnehmerseite hatte den Einstieg lange gefordert, auch um damit den Bedeutungsverlust der herkömmlichen Verbrennerproduktion aufzufangen. In Salzgitter baut VW derzeit vor allem Verbrennungsmotoren.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, hatte die Batteriezellfertigung für Elektroautos als «ganz und gar unverzichtbar» am Standort Deutschland bezeichnet. Der große Bedarf für eine solche Produktion stehe fest, auch stehe fest, dass damit Tausende Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, hatte der SPD-Politiker kürzlich gesagt. Niedersachsen ist ein großer Anteilseigner von VW und hat großes Stimmgewicht.

VW hatte kürzlich bekannt gegeben, die Forschung zu Batteriezellen gemeinsam mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt voranbringen zu wollen. Das von Volkswagen und Northvolt geführte Konsortium will sich auch an der von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ausgelobten Förderung der industriellen Fertigung von Batterien beteiligen.

Diess forciert aktuell den Richtungswechsel des Konzerns hin zur Elektromobilität, auch gegen Widerstände in der Branche. In reinen Elektroantrieben sieht der Manager auf absehbare Zeit die größte Chance, Autoabgase nennenswert zu reduzieren und damit verschärfte Emissionsregeln in Europa und Quotenvorgaben in China einzuhalten.

Volkswagen will in den kommenden zehn Jahren auf der eigenen Produktionsplattform 22 Millionen Elektroautos bauen. Bis 2028 stehen knapp 70 neue Elektromodelle auf dem Plan. Dafür braucht VW auch die Versorgungssicherheit bei den Batterien. Auch der US-Elektroautopionier und VW-Rivale Tesla stellt seine Batterien inklusive den Zellen selbst in eigenen Fabriken her.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 05. 2019
22:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autobranche Autofirmen Batterien Bernd Osterloh Bundeswirtschaftsminister CDU Deutsche Autoindustrie Elektroautos Herbert Diess IG Metall Jörg Hofmann MAN AG Niedersächsische Ministerpräsidenten Peter Altmaier Politikerinnen und Politiker der SPD Produktionsunternehmen und Zulieferer SPD Scania Stephan Weil Tesla Motors VW Volkswagen AG Wertpapierbörse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Volkswagen

06.09.2019

Batterieprojekt VW/Northvolt steht

Ein Durchbruch der E-Mobilität in Europa dürfte ohne eigene Batteriezellproduktion kaum gelingen. VW hat nun einen schwedischen Partner - auch in anderen EU-Ländern nimmt das Thema Fahrt auf. » mehr

VW-Hauptversammlung

14.05.2019

VW-Aktionäre nehmen sich Konzern vor

VW-Chef Herbert Diess ist seit gut einem Jahr im Amt - auch er konnte den Dieselskandal bislang aber nicht abschütteln. Zur Hauptversammlung tritt der Manager die Flucht nach vorn an und will Anleger und interne Kritiker... » mehr

Volkswagen

25.09.2019

VW-Betriebsversammlung: Manager-Anklage und Ausblick

Die Anklage gegen die eigene Führungsspitze mache «betroffen» und «verunsichere», schreibt der VW-Vorstand an die Belegschaft. Bei einer Versammlung am Stammsitz bekamen die Mitarbeiter nun weitere Informationen - bei vi... » mehr

Angela Merkel

12.09.2019

Merkel gibt auf der IAA die E-Kanzlerin

Zuspruch statt Kritik: Kanzlerin Merkel sucht auf der umstrittenen Autoschau IAA die Nähe der Industrie. An der Spitze des mächtigen Branchenverbandes VDA wird dabei bald ein anderer Ansprechpartner stehen. » mehr

Traton-Börsengang

28.06.2019

Durchwachsener Börsenstart der VW-Lastwagensparte Traton

Nach einer Verzögerung wegen des schwierigen Marktes hat Volkswagen nun seine Tochter Traton an die Börse gebracht. In Frankfurt und Stockholm werden die Papiere der Lastwagensparte gehandelt. Die ersten Zahlen hätten au... » mehr

Stephan Weil

30.07.2019

VW-Aufsichtsrat Weil äußert sich zu Werk in Südosteuropa

Wer bekommt den Milliarden-Zuschlag für das neue VW-Werk - die Türkei oder doch Bulgarien? Als politisch will Aufsichtsrat Stephan Weil die Frage nicht verstanden wissen. Die Entscheidungsfindung dürfte sich noch Monate ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Oktobermarkt in Ebern

Oktobermarkt in Ebern | 14.10.2019 Ebern
» 12 Bilder ansehen

Schauübung der Kronacher Feuerwehr

Schauübung der Kronacher Feuerwehr | 14.10.2019 Kronach
» 13 Bilder ansehen

BBC Coburg - Elchingen 63:78

BBC Coburg - Elchingen 63:78 | 13.10.2019 Coburg
» 37 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 05. 2019
22:19 Uhr



^