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Wirtschaft

Viele Händler bleiben beim Verkauf offline

Ein paar Klicks und schon hat man das Produkt bestellt - Einkaufen im Internet ist angesagt in Deutschland. Doch viele Händler wollen von dem digitalen Vertriebsweg wenig wissen.



Juwelier
Juweliere verzichten meist aus Versicherungsgründen auf den Versand.   Foto: Frank Rumpenhorst

Zwei von drei Einzelhändlern in Deutschland verzichten noch immer auf den Verkauf ihrer Produkte im Internet.

Es handele sich um kleinere und mittlere Unternehmen, die ihren Weg in den Online-Vertrieb noch nicht richtig gefunden hätten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, in Düsseldorf. Dabei bezog er sich auf eine Branchenumfrage unter 850 Einzelhändlern in Deutschland - 65 Prozent von ihnen gaben an, nicht über das Internet zu verkaufen. Bei den Offline-Verkäufern geht es den Angaben zufolge unter anderem um Lebensmittelhändler, Klamottenläden und Spezialisten wie Juweliere, die aus Versicherungsgründen auf den Versand verzichten.

Der hohe Offline-Wert liegt zum Teil daran, dass der Lebensmittelhandel, auf den grob gesagt ein Drittel des gesamten Einzelhandelsumsatzes entfällt, generell noch hinten dran ist in Sachen Internetvertrieb, unter anderem wegen der recht teuren Logistik bei frischen Lebensmitteln. Doch auch andere Firmen sind bei der fortschreitender Digitalisierung noch außen vor. Händler scheuten Investitionen, da ihnen Anforderungen zur Datensicherheit und zur schnellen Abwicklung und Zustellung sehr hoch erschienen, sagte Genth. «Der Kunde ist heute nicht bereit, eine Woche darauf zu warten - das Zeitfenster muss passen.»

Der Verbandsvertreter betonte, dass man Händler nicht generell in den Online-Vertrieb drängen sollte, vielmehr hänge es vom Standort und vom Geschäft einer Firma ab. Der Offline-Anteil bei den deutschen Einzelhändlern ist seit einigen Jahren etwa gleich geblieben. HDE-Hauptgeschäftsführer Genth rechnet aber mit einer baldigen Veränderung. «Ich bin sicher, dass die Quote der Unternehmen, die heute noch nicht digital unterwegs sind, deutlich sinken wird», sagte er. Wenn ein Firmenchef altersbedingt aufhört und ein jüngerer übernimmt, werde häufig ein Digitalkurs eingeschlagen. «In fünf Jahren wird es wahrscheinlich ein völlig anderes Bild sein.»

Wie wichtig der Online-Verkauf für die Handelsbranche ist, verdeutlichen andere Zahlen aus der Umfrage. Die machen die zwei Geschwindigkeiten beim Wachstum der Branche deutlich: Bei Ladengeschäften ist insgesamt - wenn überhaupt - Schneckentempo zu sehen, zum Beispiel weil Innenstädte weniger Käufer anziehen als zuvor. Der Online-Handel hingegen boomt.

So rechnet der HDE dieses Jahr im stationären Handel preisbereinigt nur mit einem «Nullsummenspiel», wie Genth es nannte. Zwar dürfte der Umsatz in Ladengeschäften um 1,3 Prozent auf rund 480 Milliarden Euro anziehen. Zieht man allerdings die Inflation ab, landet man wohl bei etwa null Prozent - im Vorjahr war die Entwicklung ähnlich. Der Boom im Online-Handel geht hingegen weiter, er dürfte um 8,5 Prozent klettern auf rund 58 Milliarden Euro. Preisbereinigt wären das noch satte sieben Prozent plus.

Die wirtschaftliche Situation habe sich im Einzelhandel gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert, sagte Genth. Aber: «Der Aufwärtstrend der letzten Jahre geht am mittelständischen Einzelhandel in vielen Fällen vorbei.» Kleinere Firmen hätten Schwierigkeiten, die Digitalisierung zu meistern. Er monierte, dass strenge Datenschutzregeln besonders für Mittelständler abschreckend seien und appellierte gen Brüssel: «Die neue EU-Kommission muss die Regelungen praxisnah gestalten und nicht weier verkomplizieren.» In Deutschlands Einzelhandel arbeiten den Angaben zufolge rund drei Millionen Menschen in 300.000 Firmen.

Circa 50 Kilometer rheinaufwärts war der Online-Handel am Dienstagmorgen ebenfalls ein Thema, und zwar in Köln bei einer Pressekonferenz zur Lebensmittelmesse Anuga. Allzu große Begeisterung hierzu kam dabei nicht auf. Der Onlinehandel macht laut dem Bundesverband der Deutschen Lebensmittelhändler (BVLH) nur etwa ein bis zwei Prozent des Gesamtumsatzes aus. Zwar gebe es große Zuwachsraten im Onlineverkauf von Lebensmitteln, das Umfeld sei aber schwierig, erklärte BVLH-Hauptgeschäftsführer Franz-Martin Rausch. Die Menschen haben recht viele Supermärkte in ihrer Nähe, daher lohne sich dieses Online-Shopping für sie nicht unbedingt. Die Kosten hierbei seien für Lebensmittelhändler recht hoch.

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 09. 2019
15:27 Uhr

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dpa

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10. 09. 2019
15:27 Uhr



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