Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Volksbank und Sparkasse: Noch 2019 erste gemeinsame Filialen

In Hessen entsteht Deutschlands erste «Volks-Sparkasse» in großem Stil: Mit gemeinsamen Filialen reagieren Frankfurter Volksbank und Taunus Sparkasse auf den Kostendruck. Ein Modell für die gesamte Branche?



Filialen der Volksbank und der Sparkasse
Filialen der Volksbank und der Sparkasse.   Foto: Peter Endig/Archivbild

Die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse drücken bei ihrer bundesweit einmaligen flächendeckenden Zusammenarbeit aufs Tempo. Noch in diesem Jahr wollen die Partner in Hessen zehn gemeinsame Filialen eröffnen.

Weitere 16 solcher «Finanzpunkte» im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis sollen bis spätestens Ende 2021 folgen, wie die beiden Institute am Dienstag mitteilten.

«Erstmalig haben mit unseren beiden Instituten eine Sparkasse und eine Volksbank eine flächendeckende Kooperation vereinbart - über alle Grenzen der tradierten Säulen des Bankwesens hinweg», sagte die Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten Volksbank Deutschlands, Eva Wunsch-Weber, bei der Vorstellung des Konzepts am Dienstag in Sulzbach im Taunus. «Wir nutzen gemeinsame Räumlichkeiten, bleiben dabei aber selbstverständlich Wettbewerber.»

An 17 der 26 Standorte wollen die beiden Institute künftig an jeweils unterschiedlichen, aber festen Tagen in der Woche Service- und Beratungsleistungen anbieten. Im Regelfall sollen an zwei Tagen Volksbank-Mitarbeiter und an zwei anderen Tagen Sparkassen-Mitarbeiter in der Filiale sein. Die Kunden sollen anhand unterschiedlicher Beleuchtung - mal rot für die Sparkasse, mal blau für die Volksbank - erkennen können, welches Institut gerade vertreten ist. An neun Standorten sind gemeinsame Selbstbedienungsstellen geplant.

Dass Geldhäuser aus unterschiedlichen Lagern in so großem Stil so eng zusammenarbeiten, ist ein Novum. Kleinere Kooperationen gibt es bereits: So teilen sich in ländlichen Regionen Institute mitunter einen Geldautomaten, um die Bargeldversorgung sicherzustellen.

«Wir haben einen klaren Kundenauftrag», begründete der Vorstandsvorsitzende der Taunus Sparkasse, Oliver Klink, die Initiative. «Viele Stammkunden kommen regelmäßig in die Filiale. Aber ein immer größerer Anteil unserer Kunden kommt nicht so oft in die Filiale, sagt uns aber: Wir wollen, dass Ihr da seid, wenn ich Euch brauche.»

Klink betonte: «Wir werden auch weiterhin zusehen, dass wir an den gemeinsamen Standorten unser jeweiliges Geschäft nach vorne bringen. Wir stärken aber das Prinzip der Geschäftsstelle. Das wollten wir auch im 21. Jahrhundert nicht kampflos aufgeben und deshalb gehen wir diesen unorthodoxen Weg.»

Ist das nun der erste Schritt in Richtung eines Zusammenschlusses? Nein, betonen die beiden Vorstandsvorsitzenden - und verweisen unter anderem auf hohe rechtlichen Hürden. «Wir fühlen uns wohl in den jeweiligen Verbünden. Diese Kooperation ist in keiner Form ein Testlauf für eine Fusion», sagte Klink.

In den kommenden drei Jahren wollen die beiden Geldhäuser zu gleichen Teilen insgesamt fünf Millionen Euro in das Projekt investieren. Im Gegenzug sparen die Institute jeweils jährlich Kosten in einstelliger Millionenhöhe.

Die beiden Vorstandschefs versicherten jedoch, es handele sich nicht um ein Sparprogramm. «Wir bauen im Zuge dieser Kooperation kein Personal ab», sagte Wunsch-Weber. «Natürlich benötigen wir in den gemeinsamen Filialen weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als vorher. Die übrigen Kolleginnen und Kollegen werden dauerhaft in anderen Zweigstellen in der Region eingesetzt.» Auch das Filialnetz werde nicht ausgedünnt - im Gegenteil: «Jeder Partner wird künftig an vier zusätzlichen Standorten vertreten sein», sagte Wunsch-Weber.

Weitere Sparkassen oder Volksbanken als Partner können sich die beiden Vorstandsvorsitzenden gut vorstellen. In der Tat könnte das Modell Schule machen. Denn die gesamte Branche müht sich, den Spagat zwischen digitalen Angeboten und der Präsenz in der Fläche zu schaffen. Viele Kunden erledigen Bankgeschäfte fast nur noch zu Hause am Computer oder per App auf dem Smartphone. Seit Jahren schrumpft die Zahl der Filialen, denn das dichte Netz kostet die Institute eine Menge Geld. Das Zinstief erhöht den Kostendruck.

Wunsch-Weber und Klink versicherten, durch die strikt getrennte zeitliche Präsenz der Bankberater in den gemeinsamen Filialen sei sichergestellt, dass Bankgeheimnis und Datenschutz gewährleistet werden. Zudem sorge eine «komplett getrennte IT-Infrastruktur» für den Schutz von Kundendaten.

Das Geschäftsgebiet der Frankfurter Volksbank erstreckt sich fast auf die gesamte Region um Frankfurt. Das Institut mit etwa 600 000 Privatkunden hat 94 Präsenzfilialen und 69 Selbstbedienungs-Standorte (SB), künftig werden es 95 Präsenzfilialen und 72 SB-Standorte sein. Die Taunus-Sparkasse mit 166 000 Kunden betreibt aktuell 45 Filialen und 25 SB-Stellen. Sie bietet künftig in 43 Zweigstellen mit Personal ihre Dienste an und betreibt zudem 31 SB-Standorte.

Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
12:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bankberater Banken Bankgeheimnis Bankgeschäfte Computer Datenschutz Deutsche Bundesbank Deutscher Sparkassen- und Giroverband Frankfurter Volksbank Genossenschaftsbanken Kunden Kundenaufträge Sparkassen Taunus Sparkasse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Sparkasse in Frankfurt

30.08.2019

Gemeinsame Bank-Filialen als Antwort auf den Spardruck

Not macht erfinderisch: Erstmals legen eine Volksbank und eine Sparkasse in großem Stil Filialen zusammen. Die regionale Kooperation könnte in Zeiten des Spardrucks in der Branche Schule machen. » mehr

Überweisung

20.08.2019

Anruf beim Kundenberater könnte bald teuer werden

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

Girokarte

20.08.2019

Onlinekonten am günstigsten - 22 Modelle gratis

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

Online-Banking

17.09.2019

Kaum größere Probleme bei neuen Regeln für Online-Zahlungen

Großes Chaos oder kleinere Startschwierigkeiten? Seit wenigen Tagen gelten neue Regeln fürs Online-Banking und das Bezahlen im Internet. Nicht in jedem Fall lief die Umstellung reibungslos. » mehr

Sparschwein

23.09.2019

Zinstief setzt Banken weiter zu

Die niedrigen Zinsen werden Banken und Sparkassen in Deutschland noch auf Jahre hinaus belasten. Die Gewinne schrumpfen weiter. Das könnte auch für die Kunden der Institute teuer werden. » mehr

Urteil zu Bankgebühren

18.06.2019

Geldabheben am Bankschalter darf extra kosten

Unter dem Druck der niedrigen Zinsen lassen sich Banken und Sparkassen einzelne Services extra bezahlen. Damit müssen sich Kunden nach einem Urteil aus Karlsruhe grundsätzlich abfinden. Trotzdem lohnt ein genauer Blick i... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Oktobermarkt in Ebern

Oktobermarkt in Ebern | 14.10.2019 Ebern
» 12 Bilder ansehen

Schauübung der Kronacher Feuerwehr

Schauübung der Kronacher Feuerwehr | 14.10.2019 Kronach
» 13 Bilder ansehen

BBC Coburg - Elchingen 63:78

BBC Coburg - Elchingen 63:78 | 13.10.2019 Coburg
» 37 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
12:05 Uhr



^