Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

Volkswirte glauben nicht an baldige Konjunkturbelebung

Auch wenn der Arbeitsmarkt noch glimpflich davon kommt: Die erhoffte Konjunkturbelebung in Deutschland scheint auszubleiben. Vor allem in der Industrie sieht es nicht besonders rosig aus.



Konjunktur
«Die zunehmende Eintrübung vorliegender Frühindikatoren deutet darauf hin, dass die derzeitige konjunkturelle Schwächephase keine Einjahresfliege ist», heißt es bei der Allianz.   Foto: Julian Stratenschulte

Die Konjunkturwolken über Deutschland verdunkeln sich nach Ansicht von Volkswirten im Herbst weiter.

Von einer Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt könne keine Rede sein, die Situation vor allem in der Industrie sei schwierig, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Volkswirten führender Institute. Die Probleme der Autoindustrie, die Flaute beim Export und politische Risiken wie Welthandel und Brexit drücken auf die Stimmung.

Auf den Arbeitsmarkt schlagen die Probleme vorläufig noch nicht maßgeblich durch. Die Experten sehen für das Jahr 2019 noch sinkende Arbeitslosenzahlen, wenngleich längst nicht mehr in dem Tempo, wie dies noch im vergangenen Jahr und in den ersten Monaten 2019 zu beobachten war.

«Der Konjunkturabschwung macht dem Arbeitsmarkt zwar zu schaffen, aber der hält sich nach wie vor gut», sagte Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen beim Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Der Stellenindex BA-X sank im September leicht. Die Bundesagentur stellt an diesem Montag ihre Statistik für den Monat September vor.

«Mit einer großen Portion Glück ist die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2019 zwar vermutlich noch knapp an einer Rezession vorbeigeschlittert», sagte Katharina Utermöhl von der Allianz. «Doch die zunehmende Eintrübung vorliegender Frühindikatoren deutet darauf hin, dass die derzeitige konjunkturelle Schwächephase keine Einjahresfliege ist.»

Die Allianz rechne für Deutschland im laufenden und im nächsten Jahr mit einem Plus von 0,6 Prozent bei der Wirtschaftsleistung. Dies bedeute, dass Deutschland nur halb so schnell wachse wie der Rest der Eurozone. «Deutschland ist von einem Zugpferd zu einem Land geworden, das hinterherhinkt», sagte Utermöhl.

Es sei aktuell noch kein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erwarten, auch weil die Unternehmen ihre Fachkräfte nicht vorschnell preisgeben wollen. Ende 2020 werde jedoch im Vergleich zu Ende 2018 ein Anstieg um 90.000 erwartet.

Marc Schattenberg von der Deutschen Bank sieht die Lage noch etwas schwieriger und geht von einer technischen Rezession bereits im dritten Quartal 2019 aus. Von einer technischen Rezession wird gesprochen, wenn die Wirtschaftsleistung in mindestens zwei Quartalen in Folge schrumpft. «Wir sehen kein Licht am Ende des Tunnels», sagte Schattenberg.

Konjunktur und Arbeitsmarkt würden gegenwärtig noch vom beschäftigungsintensiven Baugewerbe und vom Dienstleistungssektor gestützt. Es sei aber zu erwarten, dass die Schwäche der bereits in der Rezession befindlichen Industrie irgendwann übergreife. Die Hoffnung auf eine Belebung am Jahresende werde sich nicht erfüllen - zumal mit den Risiken aus den internationalen Handelskonflikten und dem Brexit große Unwägbarkeiten noch immer nicht ausgeräumt sind. Die Chance auf einen Brexit ohne Abkommen mit dann unvorhersehbaren Folgen für die Wirtschaft taxiert Schattenberg derzeit auf 50 Prozent.

Wenig Grund zum Optimismus sieht auch Martin Müller von der Bankengruppe KfW. «Der leichte Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal wird sich in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich fortsetzen. Die Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung sehen deutlich schlechter aus als noch im Frühjahr», betonte er.

Verantwortlich dafür seien der Handelskonflikt zwischen den USA und China und der noch immer mögliche «No Deal»-Brexit. «Ich rechne dennoch mit einem weiteren Anstieg der Erwerbstätigkeit. Nach unserer Prognose dürfte die Zahl der Erwerbstätigen für das Gesamtjahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 380.000 von 45,2 Millionen steigen. Das ist ein neuer Rekordstand», sagte Müller. Die Arbeitslosigkeit dürfte in der zweiten Jahreshälfte weiterhin moderat zunehmen. «Für das Gesamtjahr dürfte die Arbeitslosenquote mit 5,2 Prozent aber noch auf dem Stand des Vorjahres bleiben.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
16:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitslosenquote Arbeitslosigkeit Arbeitsmarkt Bruttoinlandsprodukt Bundesagentur für Arbeit Deutsche Bank Deutsche Presseagentur Erwerbstätige Fachkräfte Handelskonflikte Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung KfW Bankengruppe Martin Müller Volkswirte Wirtschaftsbranche Services und Dienstleistungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Container Terminal Altenwerder

25.07.2020

Volkswirte: Konjunktur in Deutschland auf Erholungskurs

Die deutsche Wirtschaft könnte sich schneller vom Corona-Schock erholen, als viele dachten. Aufgrund vielversprechender Frühindikatoren sind Volkswirte optimistisch. Sie warnen aber vor vorschnellem Jubel. » mehr

Arbeitsmarkt

30.05.2020

Volkswirte befürchten schwere Zeiten für den Arbeitsmarkt

Die Corona-Krise schlägt auf den Arbeitsmarkt durch. Experten gehen davon aus, dass mühsam Erreichtes weggewischt wird. Auch die Zahl der Firmenpleiten könnte nach oben gehen. » mehr

Ladenkasse

26.10.2019

Volkswirte befürchten schwächeren Konsum

Fast täglich kommen aus der deutschen Industrie Hiobsbotschaften. Die Nachrichten über Personalabbau werden häufiger. » mehr

Agentur für Arbeit

01.07.2020

Bundesagentur stellt Arbeitsmarktstatistik für Juni vor

Die Corona-Krise trifft weiter den deutschen Arbeitsmarkt: Wenn die Bundesagentur ihre Juni-Zahlen vorlegt, werden noch einmal mehr Arbeitslose erwartet als im Mai. Schon damals war jeder fünfte Arbeitslose der Pandemie ... » mehr

Hamburger Hafen

16.05.2020

Corona-Krise trifft Deutschland mit Wucht

Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte bringen das Wirtschaftsleben weitgehend zum Erliegen. Die Folgen für die Konjunktur sind heftig. Und es könnte noch schlimmer kommen. » mehr

BA-Logo

03.01.2020

Mehr Arbeitslose als vor einem Jahr

Die Arbeitslosigkeit ist zum Jahresende so stark gestiegen wie seit Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsflaute schlägt auf den Arbeitsmarkt durch. Doch mehr Sorgen macht Experten der Fachkräftemangel. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Muggendorfer Gebirgslauf

Muggendorfer Gebirgslauf | 05.08.2020
» 24 Bilder ansehen

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
16:28 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.