Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

Vor 70 Jahren wurde Adidas gegründet

Im Jubiläumsjahr präsentiert sich der Sportartikelhersteller in glänzender Verfassung und beschenkt sich mit einer neuen Unternehmenszentrale am Stammsitz Herzogenaurach. Doch die Firmenchronik berichtet auch von existenziellen Krisen.



Adidas wird 70
Der Hashtag "#ADIDAS70" steht beim Sportartikelhersteller in Herzogenaurach auf dem Boden. Am 18. August 1949 ließ Adolf «Adi» Dassler die Firma ins Handelsregister eintragen.   Foto: Daniel Karmann » zu den Bildern

Das größte Geburtstagsgeschenk hat sich Adidas selbst gemacht. Pünktlich zu seinem 70-jährigen Bestehen präsentiert sich der Sportartikelhersteller in seiner auf 67 schrägen Stelzen stehenden neuen Konzernzentrale, der «Arena».

Das einem Fußballstadion gleichende Bauwerk ist das größte und letzte auf dem Unternehmenscampus in Herzogenaurach, das Adidas die «World of Sports» nennt. 1949 teilten die zerstrittenen Brüder Adolf und Rudolf Dassler ihre 1924 gegründete «Gebrüder Dassler Sportschuhfabrik».

Adolf, mit Spitznamen «Adi», gab seinem Unternehmen zuerst den Namen «Adolf Dassler - Spezialsportschuhfabrik addas». Als er die Firma am 18. August 1949 ins Handelsregister eintragen ließ, fügte er im Formular handschriftlich ein i ein. Denn seine Initialen addas hatten zu große Ähnlichkeit mit einer bereits bestehenden Firma für Kinderschuhe. 47 Mitarbeiter aus der Vorgängerfabrik blieben damals bei Adi, 13 entschieden sich für Rudolf, der Puma gründete. Seither gibt es in der kleinen mittelfränkischen Stadt zwei Sportartikelriesen, die es zu Weltruhm gebracht haben. In Herzogenaurach ist man überzeugt, dass erst die Konkurrenz am selben Ort den Erfolg der beiden Global Player möglich gemacht hat.

Bereits ein Jahr zuvor hatte Adi einen Fußballschuh entwickelt, der seitlich drei parallel angebrachte Riemen zeigte. Was eigentlich zur Stabilisierung von Schuh und Fuß beitragen sollte, brachte zusätzlich einen einprägsamen Wiedererkennungseffekt und machte die drei Streifen zum genialen Markensymbol. Von der Waschküche der Mutter, in der Adi Dassler, der erst Bäcker und dann Schuster lernte, seine ersten Schuhe nähte, bis zum größten Sportartikelproduzenten hat die Marke mit den drei Streifen zahlreiche Innovationen hervorgebracht: von den «Rennschuhen» mit Spikes über die auswechselbaren Schraubstollen, mit denen die Fußballweltmeisterelf von 1954 den Titel gewann, und den nach dem Satelliten Telstar benannten legendären Fußball-WM-Ball von 1970 bis zu Schuhen mit Obermaterial aus recycelten Plastikflaschen.

Aber 70 Jahre Unternehmensgeschichte sind nicht nur geprägt von Erfolgen und neuen Produktgenerationen - Schuhen, Kleidung, Taschen, Bällen - die im Adidas-Archiv bei konstant 18 Grad Celsius und 55 Prozent Luftfeuchtigkeit für die Nachwelt konserviert werden. Vor allem in den 80er Jahren durchlebte Adidas schwierige Zeiten und stand sogar kurz vor dem Aus, wie die Adi und Käthe Dassler Gedächtnisstiftung in ihrer Unternehmenschronik dokumentiert.

Als der 1900 geborene Firmenpatriarch Adi Dassler 1978 starb, übernahm seine Frau Käthe die Geschäfte. Sie erlag an Silvester 1984 einem Herzleiden. Drei Jahre später starb überraschend auch Sohn Horst Dassler mit erst 51 Jahren, der Nachfolger seiner Mutter. Die vier Töchter von Adi und Käthe übergaben die operative Leitung des Unternehmens an ein Management. Unter der neuen Führung geriet Adidas in eine existenzielle Krise. Der Markt für Sportschuhe war gesättigt und die Konkurrenz stärker geworden. Neben Dauerrivale Puma drängten nun auch die US-Konkurrenten Nike und Reebok nach Europa. 1989 schrieb Adidas einen Verlust im hohen zweistelligen Millionenbereich.

Um das Unternehmen zu retten, entschlossen sich die Töchter zum Verkauf. Der französische Unternehmer Bernard Tapie wurde mit 80 Prozent Anteil Haupteigentümer. Aber auch er vermochte die Wende nicht herbeizuführen. Erst Robert Louis-Dreyfus, der 1993 zum Eigentümer sowie Vorstandsvorsitzenden wurde und das Unternehmen 1995 an die Börse führte, brachte Adidas in die Erfolgsspur zurück.

Wie wenige andere Hersteller hat es Adidas geschafft, Produkte hervorzubringen, die den Zeitgeist ganzer Generationen mitprägten - nicht nur von Sportlern. Die Queen-Musiker um Freddie Mercury trugen beim legendären Band-Aid-Konzert in London Wrestling-Schuhe mit den drei Streifen. Madonna trat in Adidas-Stiefeln auf. Schuhe wie der «Handball Spezial» oder der auf der Retro-Welle wiedergeborene «Stan Smith» sprengten die Grenzen der ihnen eigentlich zugedachten Sportarten. Stan Smith, in den 70er Jahren einst Nummer eins der Tennis-Welt und mit Firmengründer Adi Dassler noch persönlich bekannt, ist aktuellen Generationen nurmehr über den gleichnamigen Sportschuh ein Begriff. Sein Buch trägt den Titel «Some People Think I am a Shoe» («Manche Leute glauben, ich bin ein Schuh»).

Aber der aktuelle Firmenchef Kasper Rorsted weiß, dass Nostalgie nur ein nettes Zubrot ist. Mit dem neuen Hauptquartier in Herzogenaurach für satte 350 Millionen Euro will er zeigen, wie zukunftsorientiert Adidas ist. Adi Dasslers Devise, den Athleten das möglichst beste Werkzeug an die Hand geben, versucht er weiterzuentwickeln. Dassler hat auf einem überfrorenen Tennisplatz mit Schuhsohlen experimentiert - heute sind es Roboter, die den möglichst besten Grip und die günstigste Flugbahn eines Fußballs garantieren sollen.

Rorsted will Adidas als Global Player mit festen Wurzeln in der Heimat präsentieren. «Wir sind ein deutsches Unternehmen. Es ist extrem wichtig, dass wir die Wurzeln behalten, um ein deutsches Unternehmen zu sein», sagt der Däne an der Spitze eines Konzerns, dessen Alltagssprache inzwischen Englisch ist und auf dessen Campus sich die 5600 Mitarbeiter aus 140 Nationen zusammensetzen.

Nur noch knapp fünf Prozent seines Umsatzes von rund 22 Milliarden Euro erzielt der Weltkonzern in Deutschland. Insgesamt haben rund 90 Prozent der weltweit 57.000 Adidas-Mitarbeiter keinen deutschen Pass. Verschiedenartige Teams bereichern das Arbeitsumfeld und erhöhen die Produktivität, ist man bei Adidas überzeugt.

Die Kunden sollen nicht nur mit immer ausgefeilteren Produkten ihre sportlichen Ziele erreichen, die Produkte sollen auch immer nachhaltiger hergestellt werden. Ein zu 100 Prozent recycelter Schuh soll 2021 auf den Markt kommen. Die Vision: Ausgediente Schuhe gehen künftig an Adidas zurück, werden eingeschmolzen und aus der Masse wird das Garn für den neuen Sneaker gesponnen. So soll im Idealfall ein ewiger Kreislauf der Schuhe entstehen. Adi Dassler, der Hunderte von Patenten und Gebrauchsmustern anmeldete, hätte an dieser technischen Errungenschaft bestimmt seine Freude.

Veröffentlicht am:
17. 08. 2019
09:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Adidas AG Adolf Dassler Bernard Tapie Französische Unternehmer Freddie Mercury Fußballstadien Konkurrenz Konzernzentralen Memorial Nike Schuhe Sportartikelhersteller Sportschuhe Unternehmen Unternehmensgeschichte Weltkonzerne
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Adidas

11.03.2020

Adidas kämpft nach Rekordjahr mit dem Coronavirus

Eigentlich müssten sie auf dem stadionähnlichen Adidas-Campus in Herzogenaurach laut jubeln: Das zweitgrößte Sportartikel-Unternehmen der Welt brach 2019 alle Geschäftsrekorde. Doch das Coronavirus bereitet den Managern ... » mehr

Adidas-Chef Kasper Rorsted

06.08.2020

Adidas erwartet nach Verlusten wieder bessere Zeiten

Kein Fußball, kein Handball, Fitnessstudios und Läden zu: Adidas hat schwere Monate hinter sich. Das Schlimmste hält der Hersteller mit den drei Streifen für überwunden. Jetzt soll es wieder Gewinne geben. » mehr

Sportartikelhersteller Puma SE

07.05.2020

Gewinneinbruch bei Puma wegen Corona

Der Sportartikelhersteller Puma startete in das Jahr 2020 vielversprechend: Die Umsätze gingen um 13 Prozent nach oben - drei Wochen lang. Dann kam Corona und das China-Geschäft brach weg. Es sollte noch schlimmer kommen... » mehr

Puma

03.04.2020

Puma will Dividende aussetzen und frisches Geld besorgen

Die Läden sind zu, die Kassen leer - Sportartikelhersteller wie Puma brauchen Geld, um die Kosten zu decken. Sparen heißt die Devise auf der Ausgabenseite - auch für die Aktionäre. Andererseits braucht das Unternehmen au... » mehr

Adidas - Kasper Rorsted

01.07.2020

Adidas-Personalchefin tritt nach Rassismus-Vorwürfen zurück

Adidas verliert in der Rassismus-Debatte seine Personalchefin. Die Britin Karen Parkin hatte sich im vergangenen Jahr eine Äußerung geleistet, die ihr nun das Amt kostete. Der fränkische Konzern muss nun Imagepflege betr... » mehr

Adidas

11.11.2019

Adidas stellt prestigeträchtige Speed-Factorys ein

Es sollte der letzte Schrei auf dem Sportartikelmarkt sein: Mit schneller Robotertechnik bringt Adidas pünktlich zu Aufsehen erregenden Sportereignissen passende Schuhe auf den Markt. Und jetzt ist mit den Speed-Factorys... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Muggendorfer Gebirgslauf

Muggendorfer Gebirgslauf | 05.08.2020
» 24 Bilder ansehen

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 08. 2019
09:35 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.