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Wirtschaft

Vorbereitungen für 5G-Netze laufen an

Es ist eine Art Startschuss für den Netzausbau: Vier Telekommunikationskonzerne haben sich bei einer Versteigerung wertvolles Spektrum gesichert, mit dem sie ultraschnelles mobiles Internet anbieten wollen. Doch es gibt Sorgenfalten.



Ende der 5G-Auktion
Die offizielle «Zuschlagsurkunde» wird dem Vertreter eines Mobilfunkunternehmens in den Räumen der Bundesnetzagentur übergeben. Foto: Boris Roessler   Foto: dpa » zu den Bildern

Nach dem Ende der 5G-Mobilfunkauktion ist der Weg frei für ultraschnelle Netze in Deutschland. Erste Masten wurden bereits testweise aktiviert, weitere werden dieses Jahr dazukommen. 2020 dürfte der Ausbau an Fahrt aufnehmen.

Einzelheiten wollten die Firmen noch nicht bekanntgeben. «Wir sind intensiv daran, den 5G-Netzstart vorzubereiten», sagte Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner in Bonn. Vor allem für die Industrie ist 5G wichtig, aus Sicht des Telekom-Managers wird es aber auch für Privatkunden an Bedeutung gewinnen - etwa für Anwendungen der virtuellen Realität und für Online-Spiele.

Am Mittwoch war die längste 5G-Frequenzauktion Deutschlands nach mehr als 12 Wochen zu Ende gegangen - die Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch müssen insgesamt rund 6,6 Milliarden Euro zahlen. Erwartet worden waren nur drei bis fünf Milliarden Euro.

Die Frequenzblöcke, die nun vergeben wurden, sind an strenge Auflagen geknüpft: Bis Ende 2022 müssen mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland mit mindestens 100 MBit pro Sekunde im Download versorgt werden, zudem ist schnelles mobiles Internet an größeren Straßen und Zugstrecken vorgesehen. Teilweise ist die Übertragung im 4G/LTE-Standard machbar. Klar ist dennoch, dass die Netzbetreiber ihren Ausbau deutlich forcieren müssen.

Noch gibt es kaum Smartphones auf dem Markt, die 5G-fähig sind. Wann der Ausbau so weit vorangeschritten ist, dass in Deutschland erste 5G-Handyverträge verkauft werden, ist noch unklar.

Das Ergebnis der Auktion sorgte keineswegs für Feierlaune in der Branche. Die Netzbetreiber monierten die hohen Kosten - nun fehle das Geld für den Ausbau. Nach Berechnung von Telekom und Vodafone könnte man mit dem Geld, das an den Bund gezahlt wird, circa 50.000 Mobilfunkstationen bauen. «Es ist gut, dass die Aktion vorbei ist und dass wir das Spektrum bekommen haben, was wir brauchen», sagte Telekom-Manager Wössner. «Aber es ist schlecht, dass es sehr teuer wurde.»

Vodafone äußerte sich ähnlich. Deutschlandchef Hannes Ametsreiter monierte die hohen Kosten - das Geld hätte lieber in den Netzausbau fließen sollen. Bei der Inbetriebnahme einer 5G-Station am späten Mittwochabend zu Testzwecken in Düsseldorf sagte Ametsreiter: «Vom Planen und Bieten geht es jetzt endlich ans Machen.» Zu Beginn werde Vodafone 5G vor allem in die Industrie bringen, sagte der Manager. Bis Ende 2021 will Vodafone den Standard für bis zu 20 Millionen Menschen verfügbar machen. Die Telekom hat ebenfalls ambitionierte Ziele - bis Ende 2022 sollen 99 Prozent der Bevölkerung mit einer Bandbreite von 100 MBit pro Sekunde versorgt werden können.

Mit Blick auf das anziehende Tempo beim Mobilfunk-Ausbau äußerte Telekom-Manager Wössner Bedenken. «Wir haben erhebliche Probleme, die passenden Standorte für 4G und 5G anzumieten und zu errichten», sagte er. Auf kommunaler Ebene gebe es erhebliche Widerstände - so würden vielerorts neue Antennen aus ästhetischen Gründen abgelehnt.

Behörden seien teilweise stark unterbesetzt, wodurch sich Genehmigungsverfahren für neue Masten in die Länge ziehen. In Mecklenburg-Vorpommern dauere es bis zum grünen Licht der Behörden im Schnitt 15 Monate - dort brauche es inklusive Vorbereitung und Bau mehr als zwei Jahre, bis eine neue Mobilfunkanlage steht. Der Deutschland-Schnitt liege hier bei 18 Monaten. «Das dauert viel zu lang, in Südkorea sind es nur drei Monate.» Solche Hemmnisse stünden im Widerspruch zu dem allseits akzeptierten Ziel, dass es keine Funklöcher mehr geben dürfe, sagte Wössner.

Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas monierte ebenfalls Hindernisse beim Netzausbau: «Mit Abschluss der 5G-Auktion müssen Politik und Bundesnetzagentur nun umgehend weitere Weichen für einen effizienten 4G- und 5G-Ausbau stellen und bestehende Investitionshemmnisse aus dem Weg räumen», erklärte er und forderte unter anderem ein staatliches Förderprogramm, um Funklöcher zu schließen. Eine ähnliche Forderung kam auch von Vodafone.

Mit Spannung war das Abschneiden der Firma Drillisch erwartet worden, die bisher Antennen der Konkurrenz nutzt. Das Unternehmen machte bis zum Ende der Auktion mit und wird nun tatsächlich der vierte Netzbetreiber in Deutschland. «Wir freuen uns über den Ausgang der Auktion», sagte Ralph Dommermuth, Chef des Drillisch-Mutterkonzerns United Internet. «Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen.»

Bisher ist vorgesehen, dass der Bund mit dem Geld den Glasfaserausbau auf dem Land fördert und schnelles Internet und moderne Technik in Schulen ermöglicht. Kritik aus der Opposition, wonach die Einnahmen im Bundeshaushalt zu «versickern» drohten, wies Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zurück: Er versicherte im «Deutschlandfunk», dass mit dem Geld keine Haushaltslöcher gestopft würden, sondern in die digitale Infrastruktur investiert werde. Sein für diesen Bereich zuständiger Kabinettskollege Andreas Scheuer (CSU) betonte ebenfalls, die Einnahmen würden komplett dafür verwendet.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) äußerte Sorgen. «Deutschland ist zwar Spitzenreiter bei Industrie 4.0, doch fehlt bislang der nötige Ehrgeiz, um auch im Netzausbau - die Basis von Industrieanwendungen der Zukunft - an der Weltspitze mitzuspielen», sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. Er gab zu bedenken, dass milliardenschwere Förderprogramme des Bundes wenig nützen, «wenn Bau und Planung der Netze durch das Planungs- und Baurecht zu einer immer größeren Herausforderung werden». Langwierige Antrags- und Genehmigungsverfahren müssten abgeschafft werden, forderte er.

Ein Teil des Spektrums wurde nicht versteigert, er soll auf Antrag Industriefirmen und anderen Unternehmen zugeteilt werden. Damit können die Firmen eigene Netze installieren, um selbst Herr über die in der vernetzten Wirtschaft immer wichtigeren Daten zu sein.

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dpa

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Veröffentlicht am:
13. 06. 2019
17:19 Uhr

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13. 06. 2019
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