Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Wirtschaft

«Wirtschaftsweise»: Gute Chancen für Konjunkturaufschwung

Die Corona-Krise zwingt die deutsche Wirtschaft in die Knie. Nach einem herben Absturz erwarten die «Wirtschaftsweisen» 2021 die Rückkehr des Wachstums - auch weil die Regierung viel Geld in die Hand nimmt.



Trübe Aussichten
Der Konjunkturabsturz im Corona-Jahr wird heftiger als zunächst angenommen.   Foto: Axel Heimken/dpa

Die Corona-Einbußen für die Wirtschaft sind gewaltig - die Hilfspakete auch. Doch retten die Steuermilliarden Europas größte Volkswirtschaft aus der tiefsten Rezession der deutschen Nachkriegsgeschichte?

«Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen», hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Anfang Juni nach der Einigung der Koalition auf ein milliardenschweres Konjunkturpaket verkündet. Die «Wirtschaftsweisen» drücken es in ihrer aktuellen Konjunkturprognose etwas nüchterner aus: Nach ihrer Einschätzung «dürften sich die Stützungsmaßnahmen und beschlossenen wirtschaftspolitischen Konjunkturimpulse positiv auswirken».

Allerdings sei das Gremium «vorsichtig, was den «Wumms» angeht», sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Lars P. Feld, am Dienstag. So könnte zwar der Konsum durch die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer angeregt werden - womöglich ziehen Verbraucher aber Anschaffungen nur auf dieses Jahr vor und kaufen dann 2021 weniger ein.

Schätzungen verschiedener Institutionen, etwa der Bundesbank, kommen zu dem Ergebnis, dass der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2020 wegen der milliardenschweren Hilfen um etwa einen Prozentpunkt geringer ausfallen dürfte. Auch 2021 erwarten Volkswirte positive Impulse des 130-Milliarden-Euro-Pakets.

Dennoch: Der Absturz der Wirtschaft hat historische Ausmaße. «Die Corona-Pandemie wird voraussichtlich den stärksten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik verursachen», sagte Feld. Der Sachverständigenrat rechnet nun mit einem Minus der Wirtschaftsleistung von 6,5 Prozent im laufenden Jahr.

Die düstere Prognose reiht sich ein in die Vorhersagen anderer Ökonomen, Institute und Verbände. Die Bundesregierung erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt 2020 um 6,3 Prozent schrumpfen wird, die Bundesbank rechnet mit einem Rückgang um 7,1 Prozent und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ging Mitte Mai gar von einem Minus von «mindestens zehn Prozent» aus. Zum Vergleich: In der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 war das deutsche BIP um 5,7 Prozent zurückgegangen.

Die gute Nachricht: Schon in der zweiten Jahreshälfte 2020 könnten Betriebe wieder Fuß fassen und der Konsum - auch dank der Mehrwertsteuersenkung - anspringen. «Wir erwarten, dass (...) ab dem Sommer eine Erholung einsetzt», sagte Feld.

Auch das Berliner DIW zeigte sich kürzlich überzeugt: «Das jüngst beschlossene Konjunkturpaket der Bundesregierung stützt die Konjunktur spürbar.» Union und SPD haben sich verständigt, für ein halbes Jahr den Mehrwertsteuersatz zu senken: ab 1. Juli von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise von 7 auf 5 Prozent. Zudem gibt es eine höhere Kaufprämie für Elektroautos und Finanzspritzen für Familien.

Das Paket gehe «in die richtige Richtung», konstatierte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Dennoch werde es lange dauern, bis die deutsche Wirtschaft die Verluste infolge der Corona-Krise ausgeglichen haben werde. «Wir können nur hoffen, dass sich die Absatzmärkte für Produkte «Made in Germany» schnell erholen», sagte Michelsen. «Danach sieht es aber augenblicklich nicht aus. Deutschland muss sich auf eine längere Durststrecke einstellen.»

Auch was die Wirkung von Konjunkturpaketen angeht, gibt es bei einigen Beobachtern Zweifel. Die aktuelle Wirtschaftskrise sei kein Nachfrageschock, sondern in erster Linie ein Angebotsschock, erklären Volkswirte der Deutschen Bank in einer Mitte Mai in englischer Sprache veröffentlichten Aufsatzsammlung. Einfacher ausgedrückt: «Die Verbraucher blieben den Geschäften und Restaurants nicht deshalb fern, weil sie sich Sorgen über ihre wirtschaftliche Zukunft machten, sondern weil es ihnen von den Regierungen befohlen wurde.» Urlaube wurden gestrichen, weil die Grenzen zeitweise dicht waren.

Angesichts dieser Zusammenhänge, so die Deutsche-Bank-Analyse, könne man lernen, «dass massive Konjunkturprogramme nicht die richtige Antwort» seien: Die Regierung verteile Geld, aber man könne es nirgends ausgeben. «Die Versuche der Regierungen, die Haushaltseinkommen zu stabilisieren [...) sind gut gemeint. Im Ergebnis jagt man mit mehr Geld nach erheblich weniger Waren und Dienstleistungen. Die Folge davon ist Inflation.»

Der Sachverständigenrat weist in seiner Prognose darauf hin, die konjunkturelle Wirkung der von der Regierung als «Herzstück» des Konjunkturpakets bezeichneten Mehrwertsteuersenkung hänge zu einem großen Teil davon ab, in welchem Ausmaß die Steuersenkung an die Verbraucher weitergegeben wird und so deren Realeinkommen steigert.

«Man kann schon damit rechnen, dass die Mehrwertsteuersenkung nicht voll den Verbrauchern zugutekommt», sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest kürzlich in einem Interview im Bayerischen Rundfunk (B5). Insgesamt seien die Maßnahmen der Bundesregierung richtig, aber man dürfe nicht zu viel davon erwarten, sagte Fuest: «Hier wird viel für die Konjunktur getan. Trotzdem müssen wir sehen, dass diese Krise noch lange nicht vorbei ist und dass das, was die Regierung machen kann, begrenzt ist.»

© dpa-infocom, dpa:200623-99-526671/5

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 06. 2020
15:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
BDI Bayerischer Rundfunk Bruttoinlandsprodukt Bundesfinanzminister Bundesministerium für Wirtschaft Deutsche Bank Deutsche Bundesbank Deutsche Industrie Deutscher Industrie- und Handelskammertag Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Inflation Konjunkturprogramme Lars Feld Olaf Scholz Peter Altmaier Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Sachverständigenräte der Bundesrepublik Deutschland Statistisches Bundesamt Steuersenkungen Wirtschaftswissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wirtschaft erholt sich 2021 wieder

05.06.2020

Bundesbank: Nach Konjunktureinbruch deutliche Erholung

Der Absturz 2020 wird heftig. Volkswirte trauen der deutschen Wirtschaft jedoch eine rasche Erholung zu. Allerdings waren Prognosen selten so unsicher wie in der Corona-Krise. » mehr

Containerbrücken

25.05.2020

Konjunktur bricht ein: «Eigentliches Drama steht noch bevor»

Die Corona-Krise stürzt Europas größte Volkswirtschaft in eine Rezession. Zwar gibt es inzwischen erste Lichtblicke. Ökonomen rechnen jedoch mit einem langen Weg zurück in Richtung Normalität. » mehr

Dieter Kempf

06.08.2020

Überraschend erholt: Industrieaufträge steigen

Die deutsche Industrie kann sich über einen überraschend starken Anstieg der Aufträge freuen. Ökonomen sprachen von einer Aufholjagd. Der Industrieverband BDI zweifelt aber an einer schnellen Erholung. » mehr

Schatten eines Arbeiters

30.07.2020

Historischer Konjunktureinbruch in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie stürzt die deutsche Wirtschaft in eine tiefe Rezession. Der Absturz ist noch heftiger als in der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Dennoch gibt es erste Lichtblicke. » mehr

Michael Hüther

30.06.2020

Wirtschaft müht sich aus Corona-Krise - Ruf nach mehr Staat

Die Pandemie hat die Konjunktur ausgebremst. Ab dem dritten Quartal soll es wieder aufwärts gehen. Doch nicht alle Branchen werden sich rasch erholen. » mehr

Hamburger Hafen

16.05.2020

Corona-Krise trifft Deutschland mit Wucht

Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte bringen das Wirtschaftsleben weitgehend zum Erliegen. Die Folgen für die Konjunktur sind heftig. Und es könnte noch schlimmer kommen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Muggendorfer Gebirgslauf

Muggendorfer Gebirgslauf | 05.08.2020
» 24 Bilder ansehen

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 06. 2020
15:26 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.