Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wirtschaft

Zinstief setzt Banken weiter zu

Die niedrigen Zinsen werden Banken und Sparkassen in Deutschland noch auf Jahre hinaus belasten. Die Gewinne schrumpfen weiter. Das könnte auch für die Kunden der Institute teuer werden.



Sparschwein
Sparen, sparen, aber nichts bekommen. Sowohl die Banken als auch ihre Kunden leiden derzeit stark unter den niedrigen Zinsen.   Foto: Fredrik von Erichsen

Immer mehr Geldhäuser schließen angesichts der Dauerbelastung durch das Zinstief Minuszinsen für Kunden nicht mehr aus.

Mehr als 40 Prozent der kleinen und mittleren Institute in Deutschland planen einer Umfrage von Bafin und Bundesbank zufolge mittelfristig die Weitergabe von negativen Zinsen.

Bei der letzten Erhebung vor zwei Jahren waren es erst 24 Prozent. Nach derzeitigen Planungen würden 9 Prozent auch Einlagen von Privatkunden nicht verschonen.

«Die grundsätzliche Bereitschaft ist da, und das ist auch nicht verwunderlich», sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling am Montag in Frankfurt. Noch seien die Ergebnisse der meisten Institute solide, aber der ungünstige Mix aus schwächelnder Konjunktur und anhaltender Niedrigzinsphase erhöht den Handlungsdruck für die Branche.

«Die Banken waren Ende 2018 eigentlich der Auffassung, sie sind durch das Tal durch und dachten, jetzt wird es wieder besser», sagte Wuermeling. Doch die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) machten alle Hoffnung zunichte.

Geschäftsbanken müssen nun 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Obwohl die Notenbank einen Teil über Freibeträge verschont, bleibt das eine Milliardenbelastung. Die Branche spricht von einer «Art Strafsteuer». Die Wende hin zu steigenden Zinsen hat die EZB auf unbestimmte Zeit verschoben.

Einzelne Institute geben die Negativzinsen der EZB seit einiger Zeit an Unternehmen oder große Investoren wie Fonds weiter. In manchem Haus werden auch vermögende Privatkunden zur Kasse gebeten. Nach Wuermelings Angaben nehmen die Institute in Deutschland zusammengenommen unter dem Strich etwas mehr an Negativzinsen von ihren Kunden ein, als sie Positivzinsen an ihre Kunden zahlen. «Es wird ein kleiner Überschuss erwirtschaftet, aber nicht substanziell.»

Insgesamt sei ein weiterer Rückgang der Gewinne in den nächsten Jahren «sehr wahrscheinlich», stellten die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Bundesbank fest. Die Bankenaufseher befragten von April bis Anfang Juni 1412 Banken und Sparkassen zu Ertragskraft und Widerstandsfähigkeit im Niedrigzinsumfeld - all jene, die direkt von Bafin und Bundesbank beaufsichtigt werden. Das sind 89 Prozent der heimischen Institute und gemessen an der Bilanzsumme 38 Prozent des deutschen Marktes.

Die Geldhäuser mussten auf Basis ihrer Zahlen zum Jahresende 2018 beantworten, wie ihre Pläne und Prognosen auf fünf Zinsszenarien für den Zeitraum 2019 bis 2023 reagieren würden. In einem Stresstest simulierten sie zudem ihre Ertragslage für 2019 bis 2021 - unter anderem im Falle eines schweren wirtschaftlichen Abschwungs.

Im Durchschnitt seien die Institute «auch im Stressfall - und das gilt auch für die ganz überwiegende Anzahl der Institute - solide kapitalisiert», sagte der oberste Bankenaufseher der Bafin, Raimund Röseler. Allerdings konnte eine «mittlere zweistellige Anzahl von Banken» nach seinen Angaben im harten Stressszenario die Kapitalanforderungen nicht erfüllen.

«Irgendwann leben die Institute nur noch von der Substanz und das schaffen sie unterschiedlich lange», sagte Röseler. Er rechne daher mit einer «Bereinigung» des Marktes und weiteren Fusionen, insbesondere in den Verbünden - also bei Sparkassen und Volksbanken. Eine «Flut von Bankpleiten» in den kommenden Jahren erwarte er nicht.

Um ihre Ergebnisse zu verbessern, sind Banken und Sparkassen nach Erkenntnissen der Aufseher auch bereit, mehr Risiken einzugehen. Bei der Finanzierung von Wohnimmobilien seien Standards in den vergangenen Jahren lockerer geworden. Die Deutsche Kreditwirtschaft versicherte, auch künftig sei nicht mit einer «Erosion» der «hohen Vergabestandards» zu rechnen. Wuermeling sagte, noch seien die Kriterien für die Ausgabe von Krediten «nicht in einem kritischen Bereich». Er betonte: «Eine weitere Lockerung wäre aber bedenklich.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 09. 2019
14:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Banken Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bundesbank-Vorstand Deutsche Bundesbank Europäische Zentralbank Kreditwirtschaft Kunden Leitzinsen Sparkassen Sparkassen in Deutschland Statistisches Bundesamt Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Weltspartag im Zinstief

29.10.2019

Anachronismus oder Appell? Weltspartag im Zinstief

Steigende Gebühren, Negativzinsen, gekündigte Prämienverträge - Banken und Sparkassen locken ihre Kunden derzeit nicht unbedingt. Fürs Sparen wird dennoch tapfer geworben - aus guter Tradition. » mehr

Sabine Lautenschläger

26.09.2019

Draghi-Kritikerin Sabine Lautenschläger verlässt EZB-Spitze

Die Entscheidung war umstritten wie selten: Mitte September hat die EZB ihre seit Jahren ultralockere Geldpolitik noch einmal verschärft. Nun zieht eine Kritikerin des Draghi-Kurses die Konsequenzen. » mehr

Mario Draghi

11.09.2019

EZB vor weiterer Verschärfung ihres geldpolitischen Kurses

Die Europäische Zentralbank legt nochmal nach. So viel scheint sicher. Die Frage ist: Wie umfangreich fällt das Paket aus, dass EZB-Präsident Draghi an diesem Donnerstag präsentiert? » mehr

Überweisung

20.08.2019

Anruf beim Kundenberater könnte bald teuer werden

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

Girokarte

20.08.2019

Onlinekonten am günstigsten - 22 Modelle gratis

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

Sparkasse in Frankfurt

30.08.2019

Gemeinsame Bank-Filialen als Antwort auf den Spardruck

Not macht erfinderisch: Erstmals legen eine Volksbank und eine Sparkasse in großem Stil Filialen zusammen. Die regionale Kooperation könnte in Zeiten des Spardrucks in der Branche Schule machen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Rathaussturm Coburg Coburg

Rathaussturm in Coburg | 16.11.2019 Coburg
» 41 Bilder ansehen

Viva Voce in Coburg

Viva Voce in Coburg | 15.11.2019 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Schwerer Unfall bei Ebensfeld Ebensfeld

Schwerer Unfall in Ebensfeld | 14.11.2019 Ebensfeld
» 9 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 09. 2019
14:28 Uhr



^