Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wissenschaft

Bevölkerungswachstum: UN-Konferenz will Frauenrechte stärken

Eine UN-Konferenz in Nairobi will das Problem des großen Weltbevölkerungswachstums in Angriff nehmen. Die Beteiligten aus aller Welt stellen dabei die Rechte von Frauen in den Mittelpunkt. Die Themen sind aber für viele kontrovers.



Frauenrechte
Frauen in Rio de Janeiro demonstrieren am Internationalen Frauentag im März für mehr Gleichberechtigung.   Foto: Silvia Izquierdo/AP/dpa

Um das Wachstum der Weltbevölkerung zu begrenzen, wollen bei einer UN-Konferenz in Nairobi die Beteiligten die Rechte von Frauen stärken.

«Den Zeitpunkt und die Zahl der Kinder zu bestimmen, ist ein Menschenrecht», sagte die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Mohammed bei der Eröffnung der dreitägigen UN-Weltbevölkerungskonferenz am Dienstag in Nairobi. Anwesende wie Dänemarks Kronprinzessin Mary forderten, dass das Tabu rund um sexuelle und Reproduktions-Gesundheit gebrochen werde. Allerdings war dies für einige Beteiligte und Beobachter kontrovers.

Aus deutscher Sicht sei das Bevölkerungswachstum «eine der zentralen Fragen, die wir in der Entwicklungspolitik zu betrachten haben», sagte Maria Flachsbarth, Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit leben 7,6 Milliarden Menschen auf der Welt, bis 2050 werden es nach einer UN-Prognose fast 10 Milliarden sein. In Afrika soll sich demnach die Bevölkerung bis dahin verdoppeln. «Das stellt letztendlich alle Ziele, alle Erfolge, die wir in unserer Entwicklungspolitik haben, infrage.»

Zwei Schlüssel, um die hohen Geburtenzahlen zu reduzieren, seien Zugang zu Bildung sowie zu Gesundheitssystemen und -betreuung, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im Deutschlandfunk. «Mit diesen zwei Faktoren sinkt die Kinderzahl pro Frau automatisch.» Das Entwicklungsministerium wird nach eigenen Angaben mit 100 Millionen Euro jährlich ein Projekt weiterführen, das in die Familienplanung und Gesundheitsversorgung für Mütter im Niger, in Kamerun und Malawi investiert.

Der Gipfel in Nairobi baut auf der UN-Weltbevölkerungskonferenz in Kairo vor 25 Jahren auf. Damals verabschiedeten 179 Staaten ein Aktionsprogramm, das das Recht von Frauen in den Mittelpunkt der Bevölkerungspolitik stellt. Dies sieht unter anderem vor, die Müttersterblichkeit zu reduzieren und den Zugang zu Familienplanung zu verbessern.

Allerdings sind die bei der Konferenz in Nairobi besprochenen Themen heikel. Der Vatikan etwa, der bei dem Gipfel 1994 dabei war, beschloss, nicht an dem Treffen in der kenianischen Hauptstadt teilzunehmen. Die Entscheidung der Organisatoren, «auf kontroverse und spaltende Themen zu fokussieren», sei bedauerlich, teilte das UN-Büro des Vatikans am Freitag mit. Die Kairoer Konferenz und das damals verabschiedete Aktionsprogramm sollten nicht auf «sogenannte sexuelle und reproduktiver Gesundheit und Rechte reduziert werden», hieß es. Reproduktive Gesundheit und Rechte bezeichnen meist das Recht darauf, die Zahl der Kinder selbst zu bestimmen, sowie den Zugang zu Informationen über Verhütung und medizinischer Behandlung während der Schwangerschaft und Geburt.

Die FDP kritisierte die Abwesenheit des Vatikans scharf. «Es ist bezeichnend, dass der Heilige Stuhl, der sich in der Entwicklungszusammenarbeit sonst stark engagiert, an dieser Konferenz nicht teilnimmt», sagte Gyde Jensen, menschenrechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion und Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte im Bundestag. Mit dieser Haltung werde die katholische Kirche auf der «falschen Seite der Geschichte» stehen.

«Es ist nicht leicht, sich mit sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten zu beschäftigen und darüber zu reden», sagte Dänemarks Kronprinzessin Mary. Dies seien für viele kontroverse und private Themen. «Doch sie müssen angesprochen werden», forderte sie.

Die Organisatoren des Gipfels - der UN-Bevölkerungsfond (UNFPA) und die Regierungen Kenias und Dänemarks - fordern von den Beteiligten, sich für die Umsetzung des 1994 verabschiedeten Programms einzusetzen. So ist die Müttersterblichkeitsrate seit 1990 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge zwar um etwa 45 Prozent gesunken. Allerdings sterben demnach noch immer etwa 800 Frauen pro Tag wegen Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt.

Die Konferenz hat vor allem das Ziel, bis 2030 Müttersterblichkeit und Gewalt gegen Frauen zu eliminieren und allen Menschen Zugang zu Verhütungsmitteln zu geben. Um dies zu erreichen, werden nach Angaben der UNFPA in den kommenden zehn Jahren weltweit 264 Milliarden Dollar (etwa 239 Milliarden Euro) benötigt. Diese Zahl sei gering im Vergleich zu dem, was an Geldern zur Verfügung stünde und wie viel die Menschen von der Investition profitieren würde, sagte die UNFPA-Exekutivdirektorin Natalia Kanem.

An der Konferenz in Kenias Hauptstadt nehmen mehr als 11.000 Menschen aus mehr als 165 Länder teil. Dies ist allerdings keine offizielle UN-Konferenz, die Beteiligung der Staaten war freiwillig und die finale Erklärung der Konferenz ist nicht bindend.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 11. 2019
16:37 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bevölkerungspolitik CSU Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Deutschlandfunk FDP FDP-Fraktion Frauen Frauenrechte Geburtenrate Gerd Müller Gewalt gegen Frauen Katholische Kirche Kinder und Jugendliche Maria Flachsbarth Schwangerschaft und Geburt Staatssekretäre Weltbevölkerung Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Hochschwanger

21.11.2019

Studie warnt vor später Geburtseinleitung

Schwedische Forscher weisen auf die Vorteile einer Geburtseinleitung nach 41 statt nach 42 Schwangerschaftswochen hin. Ihre Studie findet wegen trauriger Zwischenfälle ein vorzeitiges Ende. » mehr

Schwangerschaft

02.12.2019

Studie: Hitze verkürzt Schwangerschaften

Gerade zum Ende einer Schwangerschaft können heiße Tage für Frauen sehr belastend sein. Forscher haben errechnet, dass Hitze zudem für frühere Geburten sorgt. Drohen mit dem Klimawandel mehr gesundheitliche Probleme bei ... » mehr

Impfung

05.12.2019

Zahl der Todesopfer durch Masern deutlich gestiegen

Die Masern breiten sich vielerorts gefährlich aus. Vor allem in Afrika infizieren sich viele Menschen mit der hochansteckenden Krankheit. Die Zahl der Todesfälle steigt - und Besserung ist nicht in Sicht. » mehr

Sauberes Trinkwasser?

18.06.2019

Milliarden Menschen noch ohne sauberes Trinkwasser

Zwar haben heute mehr Menschen sauberes Trinkwasser und Toiletten als vor 20 Jahren, aber die Qualität lässt oft zu wünschen übrig, stellen die UN fest. Viel zu viele Menschen sterben deshalb weiter an vermeidbaren Krank... » mehr

Computerspieler

21.05.2019

Online-Spielsucht kommt in Katalog der Krankheiten

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat die Anstrengungen mehrerer Länder gelobt, der Bevölkerung eine bezahlbare Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. » mehr

«Solar Guerrilla» in Tel Aviv

18.07.2019

Ausstellung zeigt kreative Antworten auf Klimawandel

Bei den Demonstrationen «Fridays for Future» fordern Jugendliche seit Monaten einen engagierteren Kampf gegen den Klimawandel. Das Kunstmuseum Tel Aviv präsentiert nun Lösungen aus der Praxis. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Küpser Markt-Weihnacht

Küpser Markt-Weihnacht | 09.12.2019 Küps
» 20 Bilder ansehen

Kunstvolle Weihnacht Kronach

Kunstvolle Weihnacht in Kronach | 08.12.2019 Kronach
» 18 Bilder ansehen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen | 08.12.2019 Coburg
» 15 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 11. 2019
16:37 Uhr



^