Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Wissenschaft

Forscher untersuchen mehr als 7000 Jahre alte Käsereste

Käse ist nahrhaft, haltbar und transportabel. Kein Wunder eigentlich, dass die Kunst der Käseherstellung die Menschheit nachträglich geprägt hat.



Fundstätte
Die archäologische Fundstätte von Pokrovnik während der Aushöhlung mit dem modernen Dorf (r).   Foto: Andrew M.T. Moore/PLOS

Im Mittelmeerraum haben Menschen anscheinend schon vor mehr als 7000 Jahren Käse hergestellt. Darauf weisen Rückstände auf Tonscherben hin, die Forscher um Sarah McClure von der Pennsylvania State University analysiert haben.

Möglicherweise habe die Verfügbarkeit von verarbeiteten Milchprodukten wie Käse zu einem Rückgang des Säuglingssterbens geführt, schreiben die Forscher im Fachmagazin «PLOS ONE».

Die Wissenschaftler haben Fettsäurereste an Tonscherben untersucht, die sie in zwei Ortschaften an der dalmatinischen Küste Kroatiens gefunden hatten. Radiokarbondatierungen hatten ergeben, dass der Ort Pokrovnik zwischen etwa 6000 und 5000 Jahren vor Christus durchgängig besiedelt war. In Danilo Bitinj lebten Menschen von etwa 5300 bis 4800 vor Christus. Die Tonscherben, die die Forscher untersuchten, stammten aus unterschiedlichen Zeiten, was unter anderem auch an unterschiedlichen Formen, Modellen, Verzierungstechniken und technischen Verfahren zu erkennen sei.

Bereits an 7700 Jahre alten Tonscherben wiesen die Forscher Milchreste nach. Spuren von Käse fanden sie erst an 7200 Jahre alten Gefäßen. Der Wandel der Technologie lasse gemeinsam mit den Ergebnissen der Fettsäuren-Analyse darauf schließen, dass Milch ab einem gewissen Zeitraum zu dem festen Milcherzeugnis, Käse, weiterverarbeitet wurde. Das Team um McClure vermutet, dass die damaligen Bewohner des untersuchten Gebietes für die Verarbeitung und Herstellung unterschiedlicher Speisen verschiedene Keramikgefäße verwendet haben, wobei die Überreste von Käse meist auf sogenannten Rhyta, einhenkligen Gefäßen, und siebähnlichen Keramiken nachgewiesen werden konnten.

Sie nehmen auch an, dass die Nutzung von Milch und Milchprodukten zu einem Rückgang der Säuglingssterblichkeit geführt hat. Die frühen Bauern seien genetischen Untersuchungen zufolge vermutlich Laktose intolerant gewesen, hätten also Milch nicht gut vertragen. Säuglinge haben dieses Problem hingegen nicht - Milch sei für sie eine stabile, kalorien- und nährstoffreiche Nahrungsquelle gewesen. Die Verarbeitung von Milch zu Joghurt und Käse reduziere den Laktose-Gehalt in den Lebensmitteln. Damit habe ein größerer Anteil der Bevölkerung von den Vorteilen des Nahrungsmittels profitieren können, schreiben die Forscher.

Die Verfügbarkeit von tierischer Milch habe es den Frauen auch ermöglicht, früher abzustillen und schneller erneut schwanger zu werden. Die höhere Überlebensrate der Kleinkinder gemeinsam mit der steigenden Geburtenrate könnte den demografischen Wandel begünstigt haben, der auch eine Ausbreitung in den kühleren Norden erlaubte.

Veröffentlicht am:
05. 09. 2018
22:21 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Jesus Christus Käse Milch Milchprodukte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ausgrabungsstätte Pompeji

25.10.2018

Flucht vor der Asche: Skelette in Pompeji gefunden

In Pompeji haben Archäologen erneut einen bedeutenden Fund gemacht. In der Ausgrabungsstätte südlich von Neapel wurden Skelette und Knochenreste von fünf Menschen gefunden, wie der Direktor Massimo Osanna der Nachrichten... » mehr

Inschrift in Pompeji

17.10.2018

Untergang von Pompeji womöglich später als gedacht

Für die Einwohner von Pompeji und Herculaneum war der Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 nach Christus eine Katastrophe. In unzähligen Büchern und Filmen wurde der Untergang der römischen Städte nachgezeichnet. Doch bei einem... » mehr

Korallenriff vor Italien

19.03.2019

Korallenriff im Mittelmeer vor Italien

Vor der schroffen Kalksteinküste Süditaliens nimmt das Meer im Sonnenschein die herrlichsten Blautöne an. Dort haben Forscher nun eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht. » mehr

«Sir Freddie»

17.03.2019

Wohl weltälteste Spermien schwängern Schafe nach 50 Jahren

Der eingefrorene Samen von Merinoschafböcken ist auch nach 50 Jahren noch nutzbar. Das fanden Forscher in Australien heraus, die 56 Merinoschafe mit Sperma aus dem Jahr 1968 besamten. » mehr

Großmodell des Jungferngrund am Rhein

15.03.2019

Forscher wollen Rheinschiffern helfen

Mancher Rheinfrachter rauscht den Fluss mit nur ein paar Zentimetern Wasser unterm Kiel hinunter. Auf einem besonders heiklen Flussabschnitt soll jetzt Abhilfe geschaffen werden. » mehr

Luftballons

13.03.2019

Niederländische Kommunen verbieten Luftballons

Immer mehr niederländische Kommunen verbieten es, Luftballons aufsteigen zu lassen. In 17 Prozent der Gemeinden gibt es ein Ballonverbot, wie aus einer Untersuchung der Umweltorganisation De Noordzee hervorgeht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Jugend spielt für Jugend

Jugend spielt für Jugend | 24.03.2019 Coburg
» 30 Bilder ansehen

Sportlerehrungen der Stadt Coburg

Sportlerehrungen der Stadt Coburg | 24.03.2019 Coburg
» 8 Bilder ansehen

Eintracht Hagen  – HSC 2000 Coburg 28:31

Eintracht Hagen – HSC 2000 Coburg 28:31 | 23.03.2019
» 253 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 09. 2018
22:21 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".