Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Wissenschaft

Gefährliche Mückenarten breiten sich in Deutschland aus

Mit steigenden Temperaturen surren wieder vermehrt Mücken durch die Luft. Um sich vermehren zu können, brauchen die Tiere allerdings nicht nur Wärme.



Mücken werden erforscht
Präparierte heimische Stechmücken der Art Aedes cantans.   Foto: Patrick Pleul/Illustration

Das aktuelle milde Wetter hat bereits die ein oder andere Mücke ins Freie gelockt. Sie haben in Kellern oder auf Dachböden überwintert und schwärmen aus, sobald die Temperaturen steigen.

Explosionsartig werden die für den Menschen lästigen Insekten in absehbarer Zeit allerdings nicht auftreten. Dafür ist es derzeit zu trocken.

«Egal, wie viele oder wenige den Winter überleben - entscheidend sind die Witterungsverhältnisse im Frühling», sagt Mücken-Expertin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg (Brandenburg). Die blutsaugenden Insekten bräuchten feuchte Brutplätze, um ihre Eier ablegen zu können. Insofern gilt: Nasser Frühling, guter Start für die Mücken. Ist es hingegen eher trocken, verschiebt sich die Entwicklung in das spätere Jahr.

Die monatelange Trockenheit des vergangenen Sommers habe vor allem Mückenarten in ihrer Vermehrung ausgebremst, die ihre Eier auf Überflutungsflächen etwa entlang von Flüssen ablegen, sagt die Expertin. Allerdings: «Die abgelegten Eier können dort auch Jahre überdauern - bis zum nächsten Hochwasser. Dann schlüpfen die Larven», erklärt Walther. Den Hausmücken habe die Trockenheit nichts ausgemacht. «Sie brauchen Regentonnen im heimischen Garten oder auch Blumenvasen.» Die sogenannten invasiven, also nach Deutschland eingewanderten oder eingeschleppten Arten sind mit der Trockenheit des vergangenen Jahres laut der Mückenexpertin ebenfalls gut klar gekommen.

Während einheimische Arten tiefe Wasserflächen für die Eiablage brauchen, reichen Exoten kleine Gefäße mit äußerst geringem Wasserstand. Sie sind deshalb so gefährlich, weil sie prinzipiell Viren schwerer Tropen-Krankheiten wie West-Nil-, Chikungunya-, Dengue- oder auch Zika-Fieber auf den Menschen übertragen können. «Drei dieser Arten haben sich bereits in Deutschland etabliert.» Dazu gehöre die Asiatische Tigermücke, von der es in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und auch in Hessen Populationen gebe. Die Japanische Buschmücke habe bis auf Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und die nördlichen Bundesländer Deutschland bereits erobert. Hinzu kommt laut Walther die Art Aedes koreicus, für die es noch keine deutsche Bezeichnung gibt. Zunächst war sie im bayrischen Augsburg entdeckt worden, eine Population gibt es inzwischen in Wiesbaden (Hessen).

Ihre Erkenntnisse zieht Walther aus dem Mückenatlas, in dem seit 2012 die Verbreitung von Mücken erfasst und kartiert wird. Grundlage dafür sind Einsendungen von Bürgern. Sie fangen, was bei ihnen zu Hause herumschwirrt und schicken es an das ZALF, wo die Art bestimmt und in den virtuellen Atlas eingetragen wird. Im vergangenen Jahr waren das knapp 3 000 Einsendungen mit insgesamt fast 11 000 Mücken, darunter allein 34 Exemplare der Asiatischen Tigermücke, doppelt so viele wie noch 2017.

Bisher sei deutschlandweit noch kein Fall bekannt, bei dem eine schwere, lebensgefährliche Erkrankung auf einen Mückenstich zurückzuführen war, erklärt die Wissenschaftlerin. «Es hat noch nicht geknallt, aber die Wahrscheinlichkeit steigt. Je wärmer es in Deutschland wird, umso besser sind die Bedingungen dafür, dass sich die Viren in den Mücken vervielfältigen.» Sie bemängelt die mangelnden Präventivmaßnahmen gegen die gefährlichen Mückenarten.

In Südwest-Deutschland untersucht die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) seit mehr als 20 Jahren unter anderem das Auftreten der Asiatischen Tigermücke und hilft bei deren Bekämpfung mit. Als wirksam erwiesen haben sich Eiweiße des Bakteriums Bacillus thuringiensis israelensis (BTI). Sie töten Mückenlarven ab. «Die BTI-Eiweiße werden in Wasser angerührt, mit Handspritzen ausgebracht oder als Sprudeltabletten aufgelöst und verteilt. Sie sind bis zu einen Monat wirksam», erklärt Norbert Becker, wissenschaftlicher KABS-Direktor. Die Mittel würden von den Kommunen finanziert und in Kooperation mit Gesundheitsämtern und Ordnungsbehörden an die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten verteilt.

«In ganz Deutschland kann allerdings nicht auf diese Weise prophylaktisch vorgegangen werden. Durch aktives Monitoring muss das Auftreten von Tigermücken erfasst und dann die Population gezielt bekämpft werden», sagt Becker.

In diesem Jahr seien die Mücken früh dran, sagt die Biologin Walther. Als Startmonate gelten in der Regel März und April. Was jetzt herum schwirrt, kann auch schon stechen. «Die ausgehungerten Weibchen gehen auf die Jagd, um noch mal Blut nachzutanken.» Das Blut bräuchten sie für die Eiablage. Ein Mückenweibchen könne immerhin 300 Eier auf einen Schlag ablegen.

Veröffentlicht am:
25. 02. 2019
11:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Asiatische Tigermücke Bacillus thuringiensis Eier Einwanderung Insekten Mücken Norbert Becker Überschwemmungsgebiete
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Tigermücke

25.10.2019

Tigermücke hat sich in Deutschland kaum weiter ausgebreitet

Zika, Chikungunya, Dengue - alle drei Tropenkrankheiten wurden in Ländern Europas bereits von dort lebenden Mücken auf Menschen übertragen. Von Tigermücken, die es auch in Deutschland gibt. Wie war der Sommer für die ein... » mehr

Mücke

03.07.2019

Expertin sieht keine Mückenplage in Deutschland

Ob bei Grill-Partys oder am Badesee - Mücken können nerven. Manche Menschen sprechen schon von einer Mückenplage. Stimmt das? » mehr

Biene im Klatschmohn

20.08.2019

Fluginsekten liegen bei Zählaktion vorn

Admiral und Distelfalter wurden beim diesjährigen «Insektensommer» häufiger gesichtet als noch im Vorjahr. Die Wanderfalter seien die Gewinner der Zählaktion, mit der die Naturschutzorganisation Nabu auf die Bedeutung vo... » mehr

Veilchenohrkolibri-Küken

12.03.2019

Kolibriweibchen brüten fremden Nachwuchs aus

Zwei Kolibriweibchen haben im niedersächsischen Weltvogelpark Walsrode den Nachwuchs einer anderen Art ausgebrütet. » mehr

Riesenstabschrecke

02.04.2019

Riesige knallbunte Insekten auf Madagaskar gefunden

Die bizarren Tiere sehen aus wie Wesen aus einer fantastischen Welt: Forscher haben auf Madagaskar zwei neue Riesenstabschrecken identifiziert. Mit mehr als 20 Zentimetern Körperlänge zählen sie zu den größten Insekten d... » mehr

West-Nil-Virus

04.11.2018

West-Nil-Viren haben sich 2018 in Europa stark verbreitet

Viele Jahre brachten nur Fernreisende den Erreger nach Europa. Vor einiger Zeit schafften West-Nil-Viren aber den Sprung nach Südeuropa, wo sie schon zu Hunderten von Toten führten. 2018 wurden die Viren erstmals auch in... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
25. 02. 2019
11:45 Uhr



^