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Wissenschaft

Gelingt China eine Landung auf dem Mars?

Es gilt als sehr riskant: Mit seiner ersten Landung auf dem «Roten Planeten» will China mit den USA gleichziehen und auch im All eine Großmacht werden. Doch viele Mars-Missionen sind schon gescheitert.



«Langer Marsch 5»
Die Trägerrakete vom Typ «Langer Marsch 5» hebt vom Raumfahrtbahnhof auf der südchinesischen Insel Hainan ab.   Foto: Cai Yang/XinHua/dpa » zu den Bildern

China hat erfolgreich ein Raumschiff zu seiner ersten Landung auf dem Mars gestartet. Die Rakete vom neuen, leistungsstarken Typ «Langer Marsch 5» hob am Donnerstag vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab.

Als erste Raumfahrtnation will China schon bei seiner ersten unabhängigen Mars-Mission auf dem «Roten Planeten» landen. Das fünf Tonnen schwere Raumschiff «Tianwen-1» besteht aus einem Orbiter, einem Landegerät und einem Gefährt von der Größe eines Golfplatzfahrzeugs.

Das Projekt gilt als einer der schwierigsten Raumflüge, die China jemals unternommen hat. Mit der Mars-Mission will China nach den USA die zweite Nation werden, die erfolgreich auf dem Mars landet und auch noch einen Rover betreibt. Eine Stunde nach dem Start berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf Chinas Raumfahrtprogramm, dass das Raumschiff seine vorbestimmte Bahn erreicht habe und erfolgreich auf dem Weg zum Mars sei.

«Keine planetarische Mission ist jemals so umgesetzt worden», schreiben die chinesischen Planer im Magazin «Nature» über ihr Vorhaben. «Ein Erfolg wäre ein großer technologischer Durchbruch.» Der Name «Tianwen-1» lässt sich mit «Fragen an den Himmel» übersetzen und stammt von einem Gedicht eines der größten chinesischen Poeten Qu Yuan, der etwa 340 bis 278 vor Christus gelebt hat.

«Ich denke, dass China das wie jeder andere schaffen kann, aber der Mars ist schon eine Herausforderung», sagte der australische Experte Morris Jones der Deutschen Presse-Agentur. Die Landung sei besonders riskant. «Der Mars hat eine sehr dünne Atmosphäre, was bedeutet, dass die Fallschirme nicht so viel bremsen, wie es nötig wäre», sagte Jones. «Einige Raumschiffe haben auf der Reise zum Mars gut funktioniert, aber sind dann an der Landung gescheitert.»

Von 18 Landeversuchen waren bisher nur 10 erfolgreich - allein neun durch die USA. Russland gelang zwar 1971 eine Landung, aber der Kontakt brach 20 Sekunden nach dem Aufsetzen ab. «China ist bereits eine der führenden Raumfahrtnationen», sagte Morris zum ehrgeizigen Raumfahrtprogramm der Chinesen, die auch den Bau einer Raumstation und weitere Landungen auf dem Mond planen. «Ein erfolgreicher Flug auf den Mars wird diese Position noch stärken.»

Die Chancen liegen aber gerade einmal bei 50 Prozent. «Das ist so, als wenn man ins Kasino geht und auf Rot oder Schwarz setzt», sagt Norbert Frischauf, Raumfahrtexperte der Beratungsfirma SpaceTec Capital Partners in München, der dpa. «Da hat bisher noch Jeder Lehrgeld bezahlt.» Schwerkraft und Atmosphäre seien verzwickt.

«Der Mars ist echt mies», sagt Frischauf. Es sei sehr schwer, mit Fallschirmen und Raketentriebwerken zu arbeiten. «Es ist gerade so, dass es dich richtig für einen Absturz prädestiniert.» Die Chinesen hätten dafür auch noch nicht ausreichend entwickelte Technologien. Selbst die Amerikaner seien dabei «schon oft auf die Nase gefallen».

Die Landung gilt in Nasa-Kreisen als die «sieben Minuten des Terrors». Das Landegerät muss seine Geschwindigkeit von 20 000 Kilometer pro Stunde praktisch komplett abbremsen. Da der Mars eine Atmosphäre besitzt, ist ein Hitzeschild notwendig. Das chinesische Landegerät soll mit Hilfe des Fallschirms und der Raketendüsen auch etwa 100 Meter über der Oberfläche schweben, zunächst den besten Landeort auskundschaften und dafür seine Position anpassen.

Chinas Mission ist eine von drei Flügen zum Mars in diesem Sommer. Im Juli und August ist der Mars der Erde am nächsten - eine Konstellation, die es nur alle zwei Jahre gibt. Am Montag haben die Vereinigten Arabischen Emirate mit Hilfe einer japanischen Rakete schon die erste arabische Mars-Sonde ins All geschickt. Sie soll aber nicht landen. In einer Woche folgen die USA, die den Rover «Perseverance» (Durchhaltevermögen) auf den Mars bringen wollen.

Alle drei Raumschiffe sollen im Februar beim Mars sein. China will die Landung erst zwei, drei Monate danach versuchen. Während der Orbiter den Mars umrundet, soll das Landegerät auf flacher Oberfläche in der Marsgegend Utopia Planita aufsetzen. Dort war 1976 bereits die amerikanische «Viking 2»-Sonde gelandet.

Der solarbetriebene 240 Kilogramm schwere Rover soll die Oberfläche etwas mehr als drei Monate erforschen. Er ist doppelt so schwer wie Chinas Mond-Rover «Yutu», aber nur ein Viertel des amerikanischen Gefährts «Perseverance», das die Größe eines Kleinwagens hat und als das bisher fortschrittlichste weltweit gilt.

Chinas Rover hat ein Radargerät an Bord, das unter der Oberfläche nach möglichen Spuren von Wasser und mikrobiologischen Kulturen suchen kann. Auch soll es Magnetfeld und Atmosphäre erforschen. Von den acht Planeten in unserem Sonnensystem ist der Mars der Erde am ähnlichsten.

«Der Mars ist der wahrscheinlichste Ort in unserem Sonnensystem, um Lebensformen außerhalb der Erde zu finden - oder den Beweis, dass sie einmal existiert haben», sagte Raumfahrtexperte Jones. «Es hätte tiefgehende Auswirkungen für die Wissenschaft und unsere Vorstellung vom Universum.»

In einer Entfernung von bis zu 400 Millionen Kilometer werden die Daten zur Erde gefunkt. Der Orbiter hilft bei der Kommunikation. In Miyuan vor den Toren Pekings wurde eine 70 Meter große Antennenschüssel ausgebaut, um die Signale zu empfangen. Auch in Kunming in Südwestchina gibt es eine.

China hatte 2011 schon mit Hilfe einer russischen Rakete eine Mars-Mission versucht. Das Vorhaben scheiterte aber kurz nach dem Start, als die Rakete mit dem Orbiter «Yinghuo-1 zur Erde zurückfiel. Der Start von «Tianwen-1» wurde auch deswegen mit Spannung verfolgt, weil die neue Rakete vom Typ «Langer Marsch 5» zum Einsatz kam, bei deren Entwicklung es einige Fehlschläge gegeben hatte.

© dpa-infocom, dpa:200723-99-893264/6

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23. 07. 2020
09:53 Uhr

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23. 07. 2020
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