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Wissenschaft

Immuntherapien gegen Krebs: «Die Entwicklung ist rasant»

Eine neue Immuntherapie gegen Krebs hilft in Deutschland ersten Patienten. Die Behandlung ist allerdings nicht einfach und die langfristigen Erfolge sind noch nicht abschließend geklärt.



Neue Immuntherapie
Eine neuartige Gentherapie verspricht bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Knochenmarkkrebs.   Foto: Daniel Peter/Uniklinikum Würzburg

Mehrere Chemotherapien hatte Peter Jacob schon hinter sich, aber der Krebs ging nicht weg.

Vor zwei Jahren bekam der heute 70-Jährige aus der Nähe von Schweinfurt in Unterfranken die Diagnose Multiples Myelom, eine aggressive Form von Knochenmarkkrebs. Die anschließenden Therapien brachten langfristig nichts. «Heute fühle mich gesund und habe kaum Einschränkungen in der Lebensqualität», sagte Jacob auf einer Pressekonferenz der Universität und Uniklinik Würzburg. Jacob wurde Mitte Dezember mit der sogenannten CAR-T-Zelltherapie behandelt.

Laut den Würzburger Forschern ist Jacob der erste erfolgreich therapierte Patient mit dieser Krebsart in Deutschland. Bei einem gleichzeitig behandelten Patienten habe die Therapie nicht so gut angeschlagen.

Bei der CAR-T-Zelltherapie wird dem Patienten Blut entnommen und ein Teil der weißen Blutkörperchen, die T-Zellen, genetisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und zerstören. Danach bekommt der Patient die Zellen wieder verabreicht.

Die Therapie wird schon länger erforscht, wurde aber in Europa erstmals im August 2018 zugelassen. Auch in anderen Städten, wie Köln, Heidelberg, München, Frankfurt und Regensburg wird sie untersucht und teilweise angewendet. Die Zahl der laufenden Studien steigt. «Die Entwicklung ist momentan rasant», sagt Michael Hudecek, Leiter des CAR-T-Zell-Programms in Würzburg.

Laut Hudecek wurden schon etwa 100 Patienten in Deutschland behandelt, alleine in Würzburg gut 20, davon über die Hälfte erfolgreich. Wie viele Patienten genau die Therapie in Deutschland bereits erhalten haben, ist laut Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg schwer zu sagen.

Bisher wird die Therapie vor allem bei verschiedenen Formen von Blut- und Lymphknotenkrebs angewendet. Auf feste Tumore wie Brust-, Darm- und Hautkrebs lässt sie sich bislang nicht gut übertragen. Zudem sind die Nebenwirkungen der Therapie noch nicht bis ins Letzte verstanden. Eine bekannte Nebenwirkung sind Fieberschübe. Auch Peter Jacob hatte sie. «Die haben sich aber schnell gegeben», sagt Jacob. Die Fieberschübe sind gleichzeitig Zeichen, dass die Therapie anschlägt.

Im Verlauf der Behandlung kann es auch zu neurotoxischen Reaktionen kommen, etwa Entzündungen im Gehirn oder zu sogenannten Zytokinstürmen, einer Art Überschwemmung des Körpers mit bestimmten Botenstoffen. Auch Todesfälle gab es schon. «Es ist keine einfache Therapie und starke Nebenwirkungen sind möglich», sagt Stefan Eichmüller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. «Aber sie ist momentan das Effektivste, das wir haben.»

Die Therapie erhalten in Deutschland momentan nur als austherapiert geltende Patienten. In den USA und China wird die CAR-T-Zell-Therapie schon länger angewendet. «Es ist sehr wichtig, dass wir hier den Anschluss nicht verlieren», sagte der Würzburger Onkologe Hermann Einsele am Donnerstag.

Die weltweit bekannteste CAR-T-Zell-Patientin ist das Mädchen Emily Whitehead aus den USA. Sie wurde 2012 als erster Mensch mit der neuen Immuntherapie behandelt. Heute ist Emily ein Teenager und nach Angaben der Emily-Whitehead-Foundation seit Ende der Behandlung krebsfrei. Im Jahr 2017 wurde sie vom wissenschaftlichen Fachmagazin «Nature» zu den zehn Menschen gezählt, die eine entscheidende Rolle in der Wissenschaft gespielt haben.

Ob Peter Jacob wirklich geheilt ist, muss sich noch zeigen. Krebs kann grundsätzlich wieder kommen. Aber es ist ein besonderer Vorteil der T-Zell-Therapie, dass die «Medikamente» im Körper bleiben: Die einmal aktivierten CAR-T-Zellen sollten dann auch eventuell folgende Krebszellen bekämpfen.

Veröffentlicht am:
21. 03. 2019
16:36 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
21. 03. 2019
16:36 Uhr



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