Lade Login-Box.
Topthemen: Autonomes Fahren in OberfrankenDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Wissenschaft

Krankheit und Klimawandel bedrohen Sonnenblumen-Seesterne

Die Sonnenblumen-Seesterne sind aus Teilen ihres Lebensraums fast komplett verschwunden. Die Folgen für das Ökosystem sind weitreichend.



Gesunder Sonnenblumen-Seestern
Ein gesunder Sonnenblumen-Seestern. Bis 2014 konnten Taucher vor der Westküste der USA und Kanadas bei einem einzigen Tauchgang oft noch Dutzende Exemplare von einem der größten und schnellsten Seesterne der Welt beobachten. Dann setzte ein Massensterben ein.   Foto: Ed Gullekson

Bis 2014 konnten Taucher vor der Westküste der USA und Kanadas bei einem einzigen Tauchgang oft noch Dutzende Exemplare von einem der größten und schnellsten Seesterne der Welt beobachten: vom gelben bis lilafarbenen Sonnenblumen-Seestern (Pycnopodia helianthoides).

Dann setzte ein Massensterben ein. Heute ist der vielarmige Seestern aus den Gewässern fast verschwunden. Die Gründe dafür seien eine Seesternseuche und ungewöhnlich warme Wassertemperaturen infolge des Klimawandels, schreiben US-Forscher im Fachmagazin «Science Advances».

«Früher reichlich vorhanden in den küstennahen Gewässern, werden Sonnenblumen-Seesterne heute vor der kalifornischen Küste gar nicht mehr und vor Alaska nur noch selten gefunden», sagt Mitautorin Drew Harvell von der Cornell University (Ithaca/USA). Das Team wertete Daten aus dem Zeitraum zwischen 2004 und 2017 zum Seesternaufkommen in flachen sowie in tieferen Gewässern vor der Küste Kaliforniens bis hinauf nach British Columbia aus - und fand überall einen dramatischen Rückgang der Bestände. «Die Anzahl der Sonnenblumen-Seesterne ist in den letzten drei Jahren so niedrig geblieben, dass wir sie im südlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets für gefährdet halten - für Nordalaska haben wir keine Daten.»

Der Sonnenblumen-Seestern hat bis zu 24 Arme, er misst im Durchmesser etwa 80 Zentimeter. Das etwa fünf Kilogramm schwere Tier ist eines der schnellsten Seesterne. Mit einer für Seesterne bemerkenswerten Geschwindigkeit von etwa einem Meter pro Minute holt er seine Beute wie Seeigel, Seesterne, Seegurken, Muscheln, Schnecken und Krebse ein. Und die riesigen Raser haben einen enormen Appetit: Wie ein Roboterstaubsauger bewegen sie sich über den Meeresboden und fressen alles, was ihren Weg kreuzt.

Doch die Population des Sonnenblumen-Seesterns schwindet. Seit 2013 grassiert unter ihnen und unter mehr als 20 weiteren Seesternarten von Mexiko bis Alaska die sogenannte «sea star wasting disease». Diese vermutlich von einem Virus hervorgerufene Krankheit führt bei den Tieren zu Wunden auf der Haut, die Arme zersetzen sich und fallen ab, nach wenigen Tagen sind die Seesterne tot. Während sich einzelne Arten inzwischen erholten, verschwindet der Sonnenblumen-Seestern selbst aus den tieferen Gewässern. Vermutlich gäben Arten, die den Erreger besser tolerierten, die Krankheit an die Sonnenblumen-Seesterne weiter.

Die Forscher schließen aus ihren Analysen, dass die globale Erwärmung eine große Rolle bei der Ausbreitung der Epidemie spielt. «Es ist eine tödliche Krankheit, und wenn eine erhöhte Wassertemperatur hinzukommt, tötet sie schneller und verursacht größeren Schaden», sagt Harvell. Die Reef Environmental Education Foundation hat seit 2014 an mehreren Standorten im Nordostpazifik eine Erhöhung der Wassertemperatur um bis zu vier Grad Celsius gemessen.

Das Massensterben hat weitreichende Auswirkungen auf das ozeanische Ökosystem: Mit dem Verschwinden der Sonnenblumen-Seesterne kam es zu einer Explosion des Seeigel-Bestands, einem wesentlichen Beutetier der Seesterne. Die Seeigel wiederum ernähren sich von Seetang, der für Fische und ein gesundes Ökosystem wichtig ist - und damit auch für den Menschen. «Ohne die Sonnenblumen-Seesterne vergrößern sich Seeigel-Populationen, was die Seetangwälder und die Artenvielfalt bedroht. Diese stufenweisen Veränderungen haben große Auswirkungen», sagt Mitautor Joseph Gaydos von der University of California, Davis.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 02. 2019
10:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Klimaveränderung Universität Kalifornien Ökosysteme
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Sonnenuntergang am Kraftwerk

04.12.2019

Umwelt-Bericht: Europa vor beispiellosen Herausforderungen

Europa muss etwa tun. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Diesen deutlichen Aufruf zu mehr Klima- und Umweltschutz liefert ein neuer Bericht. Es handle sich um die «entscheidende Herausforderung dieses Jahrhunderts». Hoffnu... » mehr

Bäume können das Klima retten

05.07.2019

Studie: Bäume können das Klima retten

Emissionen senken, Kohle- und Ölnutzung verringern - das sind wichtige Bausteine im Kampf gegen den Klimawandel. Die effizienteste Maßnahme zur Klimarettung bietet nach einer Studie aber die Natur. » mehr

Hitze

15.01.2020

2019 zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen

Die weltweite Erderwärmung hält an: 2019 war nach Angaben mehrerer Wetterorganisationen das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen - nur ganz knapp hinter dem bisherigen Rekordhalter. » mehr

Schwangerschaft

02.12.2019

Studie: Hitze verkürzt Schwangerschaften

Gerade zum Ende einer Schwangerschaft können heiße Tage für Frauen sehr belastend sein. Forscher haben errechnet, dass Hitze zudem für frühere Geburten sorgt. Drohen mit dem Klimawandel mehr gesundheitliche Probleme bei ... » mehr

Waldbrände in Bolivien

02.12.2019

Brandstifter in Bolivien gefährden einzigartiges Ökosystem

Angesichts der verheerenden Waldbrände im Osten von Bolivien schlagen Forscher Alarm: Die häufig von Brandstiftern gelegten Feuer im Chiquitano-Wald gefährdeten ein einzigartiges Ökosystem, hieß es von der Humboldt-Unive... » mehr

Gletscher in Island

05.11.2019

Mehr als 11.000 Wissenschaftler erklären «Klima-Notfall»

Mehr als 11.000 Wissenschaftler aus 153 Ländern, darunter 871 Forscher deutscher Universitäten und Institute, warnen in einer gemeinsamen Erklärung vor einem weltweiten «Klima-Notfall». » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Joseph Hannesschläger

Diese Prominenten sind 2020 schon gestorben |
» 7 Bilder ansehen

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft | 20.01.2020 Ralf Naumann
» 12 Bilder ansehen

Büttenabend Wallenfels

Büttenabend in Wallenfels | 20.01.2020 Wallenfels
» 30 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 02. 2019
10:39 Uhr



^