Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Wissenschaft

Oxford-Forscherin: Gefahr trotz Corona-App nicht vorbei

Wissenschaftler in Oxford haben untersucht, wie viele Menschen eine Corona-Warn-App einsetzen müssen, damit sie einen Effekt hat. Eine Forscherin aus dem Team lobt die App aus Deutschland, warnt aber vor Nachlässigkeiten im Kampf gegen die Pandemie.



Corona-Warn-App
Die offizielle Corona-Warn-App auf einem Smartphone.   Foto: Oliver Berg/dpa

Die Menschen in Deutschland sollten trotz des erfolgreichen Starts der Corona-Warn-App bei ihren Vorsichtsmaßnahmen gegen nicht nachlassen - darauf hat die renommierte Immunologin Lucie Abeler-Dörner vom Nuffield Department of Medicine der Universität Oxford hingewiesen.

«Die Ausbrüche in Gütersloh und Göttingen zeigen, dass die Gefahr noch nicht vorbei ist, und dass es wichtig ist, Ausbrüche so schnell wie möglich zu erkennen.» Abeler-Dörner hatte zusammen mit anderen Forscherinnen und Forschern in einer Studie simuliert, wie eine Kontaktverfolgungs-App gegen die Ausbreitung des Coronavirus helfen kann. Dabei kamen sie zum Schluss, dass eine Tracing-Anwendung dann anfängt zu wirken, sobald mindestens 15 Prozent der Bevölkerung mitmachen. Dann könnten Infektionsketten unterbrochen und Ansteckungen verhindert werden. Ohne jede weitere Schutzmaßnahme wie Atemschutzmasken oder Sicherheitsabstand wären 60 Prozent notwendig, um einen signifikanten Effekt zu zeigen.

Die Zahl der Downloads der deutschen Corona-Warn-App stieg am Freitag auf 13,3 Millionen an, das entspricht 16 Prozent der Bevölkerung.

Vor dem Hintergrund des Streits in Großbritannien um ein geeignetes Konzept einer Tracing-App sagte die Forscherin, unabhängig vom verwendeten System hänge der Erfolg einer App vor allem davon ab, wie viele Leute in einer Region mitmachen. «Die deutsche App hatte einen wirklich guten Start. Ich hoffe, dass mit jedem neuen Nutzer ein weiterer Nutzer dazu inspiriert wird, die App herunterzuladen und seine Freunde und Familie zu schützen.» Die deutsche App sei auf dem besten Weg, bei der Erkennung der Ausbrüche einen Beitrag zu leisten.

In Großbritannien hatte die Regierung vor gut einer Woche einen Testlauf des nationalen Gesundheitsdienstes NHS gestoppt, eine eigene Tracing-App zu entwickeln. Die NHS-App setzte nicht auf dem technischen Fundament von Apple und Google auf. Das machte sie vor allem auf dem iPhone von Apple quasi unbrauchbar, weil die App dort nicht im Hintergrund laufen darf, um Bluetooth-Signale auszutauschen.

Die NHS-App sendete alle 20 Sekunden Signale aus, während die Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts nur alle zweieinhalb bis fünf Minuten funkt. Bei dem britischen Testlauf konnte deshalb die Dauer eines Kontaktes vergleichsweise genau bestimmt werden. Gleichzeitig belastete die NHS-Anwendung den Akku der Smartphones viel stärker als die deutsche App.

Am Dienstag hatten sich deswegen Premier Boris Johnson und der Labour-Vorsitzende Keir Starmer im britischen Unterhaus einen verbalen Schlagabtausch geliefert: Johnson fragte den Oppositionsführer ob er «ein einziges Land» nennen könne, dass über eine «zweckmäßige Kontakt-Nachverfolgungs-App» verfüge. Der Labour-Chef antwortete spontan: «Deutschland!»

Der deutsche Botschafter in London, Andreas Michaelis, teilte am Freitag auf Twitter mit, er habe sich mit dem britischen Gesundheitsminister Matt Hancock getroffen, um über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen. «Die Experten haben ihre Kontakte intensiviert und wollen gemeinsam vorankommen», heißt es in seinem Tweet.

© dpa-infocom, dpa:200626-99-576732/2

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
14:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Apple Boris Johnson Gesundheitsminister Google Immunologinnen und Immunologen Mobile Apps Premierminister Robert-Koch-Institut Smartphones Twitter Universität Oxford Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler iPhone
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Pandemie und die Psyche

08.06.2020

Wohl mehr schwere depressive Symptome in Corona-Pandemie

Mehrere Studien beschäftigen sich derzeit mit dem psychischen Wohlbefinden in der Corona-Krise. Nach ersten Ergebnissen eines Projektes der Privaten Hochschule Göttingen sind vor allem junge Menschen stark belastet. » mehr

Aerosole

01.06.2020

Die große Corona-Unbekannte: Welche Rolle spielen Aerosole?

Der große Tropfen Schnodder sinkt schnell zu Boden, so viel ist klar. Doch das Coronavirus ist winzig und kann in Mini-Tröpfchen auch länger in der Luft stehenbleiben. Diese Aerosole rücken immer mehr in den Fokus der Fo... » mehr

Impfung

14.06.2020

Bieten zugelassene Lebendimpfstoffe Schutz vor Covid-19?

Bis zur Zulassung eines Corona-Impfstoffs werden noch viele Monate vergehen. Derweil könnten bereits zugelassene Lebendimpfstoffe das Covid-19-Risiko senken, vermuten Forscher. Doch welche Vakzine böte sich an? » mehr

Remdesivir

30.04.2020

Erste Studienergebnisse zu Corona-Wirkstoff Remdesivir

Remdesivir gilt als Hoffnungsträger bei der Suche nach Mitteln zur Behandlung von Covid-19, schon früh starteten Studien zur Wirksamkeit der Substanz. Nun liegen erste Ergebnisse vor. » mehr

Elon Musk

29.04.2020

Studie: Corona-Fehlinformationen durch Promis gefährlich

Unternehmer Elon Musk und US-Präsident Donald Trump sinnierten öffentlich über die möglicherweise hilfreiche Wirkung von Malariamitteln bei einer Infektionen mit dem Coronavirus. Das hatte Folgen. » mehr

Stonehenge

22.06.2020

Weitere Kreisstruktur nahe Stonehenge entdeckt

Wissenschaftler haben in der Nähe des steinzeitlichen Monuments Stonehenge in England eine weitere kreisförmige Anlage entdeckt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
14:26 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.