Lade Login-Box.
Topthemen: NP-FirmenlaufMordfall OttingerHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Wissenschaft

Schimpansen verlieren kulturelle Vielfalt

Schimpansen nutzen je nach Gruppe diverse Werkzeuge zur Jagd oder zum Graben nach Nahrung. Doch menschliche Einflüsse lassen die Verhaltensvielfalt der Tiere drastisch schrumpfen.



Schimpansen
Schimpansen haben eine ungewöhnlich große Verhaltensvielfalt.   Foto: Anna Preis/Tai Chimpanzee Project

Der Einfluss des Menschen lässt das Verhaltensrepertoire von Schimpansen deutlich schrumpfen.

Sind die Tiere etwa Siedlungen, Straßen, Landwirtschaft oder Bergbau ausgesetzt, leidet ihre Verhaltensvielfalt, wie ein internationales Forscherteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig in der Zeitschrift «Science» berichtet.

Schimpansen (Pan troglodytes) haben eine ungewöhnlich große Verhaltensvielfalt. Weil viele Gewohnheiten nur bestimmte Gruppen betreffen und dort von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden, sprechen Forscher von Schimpansenkulturen. Das Team untersuchte nun mehr als 30 Verhaltensweisen von 144 freilebenden Gruppen aus dem gesamten Verbreitungsgebiet in Afrika. Die Wissenschaftler schauten etwa, mit welchen Tricks die Tiere Ameisen, Algen, Nüsse und Honig sammeln, welche Werkzeuge sie zur Jagd oder beim Graben nach Knollen verwenden oder wie sie Tümpel und Höhlen nutzen. Die Vielfalt in den Gruppen glichen sie dann mit dem jeweiligen menschlichen Einfluss ab.

An Orten mit hoher Belastung durch den Menschen sei das Verhaltensrepertoire der Schimpansen deutlich geringer, bilanziert Studienleiterin Ammie Kalan vom Leipziger Max-Planck-Institut. «Im Durchschnitt ist die Verhaltensvielfalt der Schimpansen an Orten mit dem stärksten menschlichen Einfluss um 88 Prozent reduziert.»

Das erklären die Forscher unter anderem mit der sinkenden Zahl der Tiere. Schrumpfende Populationen haben demnach eine geringere Kapazität für unterschiedliche Gewohnheiten. Zudem könnten die Tiere mancherorts auffällige Verhaltensweisen wie etwa das Knacken von Nüssen vermeiden, um Jägern ihren Aufenthaltsort nicht preiszugeben.

Auch die Verschlechterung des Lebensraums könne die Weitergabe von Wissen und lokalen Traditionen von einer Generation zur nächsten beeinträchtigen, betont das Team. Ferner könnte der Klimawandel zu einer reduzierten Verhaltensdiversität beitragen, indem er die Produktion wichtiger Nahrungsmittel beeinflussen und deren Verfügbarkeit für die Tiere unvorhersehbar machen könnte.

«Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Strategien zur Erhaltung der Biodiversität auch auf den Schutz der Verhaltensdiversität von Tieren ausgedehnt werden sollten», sagt Erstautor Hjalmar Kühl. Er regt an, Orte mit außergewöhnlichen Verhaltensweisen als «Schimpansen-Kulturerbe» zu schützen. Zudem könnte dieses Konzept auf Orang-Utans, Kapuzineraffen oder Wale ausgedehnt werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 03. 2019
07:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Max-Planck-Gesellschaft Tiere und Tierwelt Verhaltensweisen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Lebensmittel

20.05.2019

Fertiggerichte verleiten zum Zugreifen und machen dick

Fertiggerichte schmecken vielen Menschen. Und ein Experiment zeigt: Man isst einfach mehr davon als von unverarbeiteter Nahrung. Die Forscher geben auch mögliche Erklärungen, warum das so ist. » mehr

Galaxie NGC 4993

02.05.2019

Astrophysiker empfangen neue Signale aus dem All

Mit noch empfindlicheren Geräten sind Astrophysiker in einer neuen Messphase den Vorgängen im Universum auf der Spur. Möglicherweise beobachteten sie im April zum ersten Mal die Kollision eines Neutronensterns mit einem ... » mehr

Ferninfrarot-Spektrometer GREAT

17.04.2019

Forscher weisen frühestes Molekül des Universums im All nach

Forscher haben das erste nach dem Urknall entstandene Molekül im All nachgewiesen. Zuvor hatten sie Jahrzehnte nach den Heliumhydrid-Ionen gesucht. » mehr

Forscher fordern Verzicht auf Schaffung von Designer-Babys

13.03.2019

Forscher gegen Schaffung von Designer-Babys

Biowissenschaftler und Ethiker aus sieben Ländern fordern einen weltweiten befristeten Verzicht auf die Schaffung von Designer-Babys mit gentechnischen Methoden wie der Genschere Crispr/Cas9. » mehr

Luftverschmutzung

12.03.2019

Schmutzige Luft fordert mehr Todesopfer als Rauchen

Wie viele vorzeitige Todesfälle gehen auf Luftverschmutzung zurück? Mainzer Forscher legen dazu eine neue Analyse vor. Demnach kosten Luftschadstoffe Europäer im Mittel rund zwei Jahre Lebenszeit. » mehr

Schimpansen

25.02.2019

Schimpansen nutzen ganzes «Werkzeugset»

Schimpansen nutzen zur Futtersuche einen ganzen «Werkzeugkoffer» und wenden dabei in unterschiedlichen Regionen zudem verschiedene Techniken an. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

TuS Ferndorf - HSC 2000 Coburg Ferndorf

TuS Ferndorf - HSC 2000 Coburg | 18.05.2019 Ferndorf
» 89 Bilder ansehen

Tag der offenen Tür Müllheizkraftwerk Coburg

Tag der offenen Tür im Müllheizkraftwerk | 18.05.2019 Coburg
» 8 Bilder ansehen

2019-05-16 Coburg

Prinz Albert in neuem Design | 16.05.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 03. 2019
07:14 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".