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Wissenschaft

Schlechte Noten für Deutschlands Landwirtschaft

Gesunde Ökosysteme nennt die Umweltministerin «Lebensversicherung». Aber vor allem in Deutschlands Agrarregionen ist es damit nicht weit her. Immerhin: Der Naturschutz hat auch Erfolge vorzuweisen - vom Steinbock bis zur Mopsfledermaus.



Bericht zur Lage der Natur
Die intensive Landwirtschaft in Deutschland nimmt immer mehr Tieren den Lebensraum.   Foto: Uli Deck/dpa

Zu viel Dünger, zu viele Pestizide, riesige Felder mit wenig Abwechslung: Die intensive Landwirtschaft in Deutschland nimmt immer mehr Tieren den Lebensraum.

Das Verschwinden artenreicher Wiesen und Weiden stehe am Anfang einer Kette, sagte Umweltministerin Svenja Schulze in Berlin, wo sie einen umfangreichen Bericht zur Lage der Natur vorstellte. «Besonders kritisch ist die Lage bei Schmetterlingen, Käfern, Libellen.» Während im Wald und auch in Städten die Zahl der Vögel wachse, nehme sie in der Agrarlandschaft ab. «Wir haben heute nur noch ein Zehntel der Rebhühner und Kiebitze, die wir vor 25 Jahren hatten.»

Der Bericht fasst Daten von Behörden und ehrenamtlichen Naturschützern aus den vergangenen sechs Jahren zusammen. In Wäldern, aber teils auch in Dörfern und Städten und bei der Renaturierung von Flüssen verzeichnen Experten aber auch Erfolge für den Naturschutz. Gut geht es demnach etwa der Kegelrobbe an der Nordsee und dem Steinbock in den Alpen.

Dass in vielen Buchenwäldern mehr ältere Bäume stehen und totes Holz liegenbleiben darf, nützt demnach etwa der Mopsfledermaus. Auch die Bestände der Bechsteinfledermaus - derentwegen Richter die Rodung des umkämpften Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen vorläufig gestoppt hatten - entwickeln sich demnach positiv. Der Erhaltungszustand des Wolfs wird dagegen weiterhin als «schlecht» bewertet, obwohl die Tiere sich seit Jahren in Deutschland ausbreiten.

Ministerin Schulze sprach von einem «gemischten Bild», insgesamt gehe es der Natur nicht gut genug. Zwar gehe es in dem Bericht nur um einen Bruchteil der mehr als 50.000 Arten, die in Deutschland lebten, er sei aber repräsentativ genug, um Rückschlüsse zu ziehen. Der Treiber hinter den Verlusten im sogenannten Offenland sei «ganz eindeutig» die intensive Landwirtschaft, da brauche es «dringend eine Trendwende». Die SPD-Politikerin mahnte an, das kürzlich verschärfte Düngerecht nun konsequent umzusetzen, und bekräftigte, dass noch in diesem Jahr ein Insektenschutz-Gesetz kommen solle.

Der Bauernverband zog den Befund selbst nicht in Zweifel, wehrte sich aber gegen Schuldzuweisungen. «Viele Landwirte sind bereit, mehr im Vertragsnaturschutz zu tun, aber es bestehen bürokratische Hemmnisse und mangelnde Anreize», sagte der stellvertretende Generalsekretär Udo Hemmerling. Die Naturschutzpolitik setze viel zu stark auf staatliche Auflagen. «Die Landwirte bleiben viel zu oft auf den Kosten des Naturschutzes sitzen, das muss sich ändern.» Schulze forderte, die EU-Agrarsubventionen so umzubauen, dass öffentliche Leistung - zu der auch Naturschutz gehöre - belohnt werde.

Dem Bericht zufolge sind 63 Prozent der Tiere und Pflanzen sowie 69 Prozent der Lebensraum-Typen, die in der EU von der sogenannten FFH-Richtlinie erfasst sind, in unzureichendem oder schlechtem Erhaltungszustand - betroffen sind vor allem Grünland, Seen, Feuchtgebiete, Meere und Küsten. Die FFH-Richtlinie schützt Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Für Vögel gibt es eine eigene Richtlinie.

Der Bericht, der nur alle sechs Jahre erscheint, dient dazu, der EU-Kommission über die Umsetzung beider Richtlinien Rechenschaft abzulegen. Gegen Deutschland läuft ein EU-Verfahren, weil bestimmte wichtige Gebiete - genannt Natura-2000-Gebiete - nicht ausreichend geschützt werden. Schulze verwies dazu auf die Bundesländer, die für die Umsetzung zuständig seien. Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel, kritisierte, dass zum Beispiel Verstöße von Landwirten nicht geahndet würden, die Wiesen oder Weiden unerlaubt zu Äckern umwandelten.

Veröffentlicht am:
19. 05. 2020
13:01 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
19. 05. 2020
13:01 Uhr



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