Lade Login-Box.
Topthemen: NP-FirmenlaufVideo: Slow Food OberfrankenHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Wissenschaft

Über Geschmack lässt sich streiten

Die Politik will weniger Salz, Zucker und Fett in unserem Fertigessen - aber schmeckt das noch? Die Ernährungsministerin wagte einen Test. Doch was ihr schmeckt, finden nicht alle gut.



Julia Klöckner
Julia Klöckner, Bundesernährungsministerin, stellt den Ernährungsreport 2019 "Deutschland, wie es isst" vor.   Foto: Britta Pedersen

Was schmeckt besser - eine handelsübliche Wurst oder eine mit 50 Prozent weniger Fett und stattdessen mit Kartoffel und Schwarzwurzel drin? Die Fleisch-Gemüse-Wurst - zumindest wenn es nach Ernährungsministerin Julia Klöckner geht.

Die CDU-Politikerin probierte am Dienstag gesündere Lebensmittel, an denen das Max Rubner-Institut in ihrem Auftrag forscht. Die Produkte mit weniger Zucker oder Salz oder mit weniger oder gesünderem Fett sollen der Nahrungsmittelindustrie Ideen geben, wie sie unser Essen gesünder machen könnte - ohne den Geschmack zu verschlechtern oder ungesunde Ersatzstoffe hinzuzufügen.

Klöckner will, dass sich die Branche freiwillig verpflichtet, künftig weniger Salz, Zucker und Fett in unser Fertigessen wie Pizza oder Müsli zu packen. Immerhin gelten laut Ministerium 15 Prozent der Kinder, 47 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer in Deutschland als übergewichtig. Und zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Die Ministerin probierte am Dienstag auch Brot mit mehr oder weniger Salz - und merkte gar keinen Unterschied. Typisch, sagen die Forscher. Tester reagierten verschieden, mal mögen sie die herzhaftere, mal die gesündere Variante lieber, mal beide gleich.

«Das Geschmacksempfinden ist sehr persönlich und anpassungsfähig», erklärt Konsumverhaltensforscherin Soyoung Park vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Aber warum mögen wir, was wir mögen? Wir lernen Geschmackspräferenzen hauptsächlich als Kinder - und behalten sie meist ein Leben lang bei, sagen Experten. Kinder lernen das zu mögen, was sie häufig essen. So könnten Eltern Kindern oft auch Gemüse schmackhaft machen, das diese zunächst eklig finden, wenn sie es ihnen nur oft genug vorsetzten - zur Abwechslung mal mit Essen vermischt, das sie lecker finden, rät Psychologin Kathrin Ohla vom Forschungszentrum Jülich. Trinken Familien nur Wasser oder ungesüßten Tee, gewöhnen sich Kinder ebenso daran. Gibt es hingegen immer Limo oder Saft, wollen die Kinder das auch später.

Angeboren ist jedoch, dass schon Babys gerne Süßes essen - weil auch die Muttermilch so schmeckt. «Da müssen Eltern halt früh gegensteuern, damit Kinder nicht zu viel davon essen», sagt Ohla. Salz lernen wir erst später zu mögen - das geht dann aber oft schnell. Denn salziges, süßes und fettiges Essen löst im Gehirn eine größere Befriedigung und Glückshormone aus, sagt sie. Werden die Stoffe kombiniert, sei das Glücksgefühl sogar noch stärker. Deshalb können viele nicht gleich aufhören, wenn sie Chips oder Pralinen naschen. Und das nutzt die Nahrungsmittelindustrie.

Einige Supermärkte oder Branchen haben bereits angegeben, dass sie künftig den Zucker-, Salz- und Fettgehalt in Fertigprodukte schrittweise verringern. Kritiker fordern jedoch verbindliche Vorgaben vom Staat, etwa Zuckersteuern, wie sie etliche Staaten wie Großbritannien und Mexiko eingeführt haben. Auch deshalb lehnte die Deutsche Diabetes Gesellschaft eine Teilnahme in einem begleitenden Expertengremium zu Klöckners Reduzierungsstrategie ab.

Der Präsident der Gesellschaft, Dirk Müller-Wieland, bemängelte, dass Forscher bei den Reduktionszielen zu wenig mitreden könnten: «Bisher bleiben diese weit hinter dem zurück, was aus wissenschaftlicher Sicht notwendig wäre, um den Anstieg von Übergewicht und Diabetes in Deutschland zu stoppen.» Klöckner bedauerte die Absage. Sie wolle machbare Lösungen und alle Beteiligten an einem Tisch.

Wissenschaftler sagen, auch weniger süße Schokolade, weniger salzige Fische und fettärmere Würste können wir lecken finden. Es dauert nur etwas. «Es ist wie beim Sport, man muss sich zuerst etwas zwingen gesünder zu essen», sagt Ohla. «Aber wenn man ein Produkt eine Zeit lang immer wieder isst, mag man es oft.» Einfacher wird die Umstellung laut Park jedoch, wenn die Fertigprodukte insgesamt gesünder werden. Dann brauche man schließlich keine Selbstkontrolle. Bis dahin kann man zumindest beim Selberkochen und -backen versuchen, immer einen Löffel weniger Zucker oder Salz reinzutun - um sich daran zu gewöhnen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 02. 2019
17:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
CDU Diabetes Essen Julia Klöckner Kaufland Kinder und Jugendliche Lebensmittelwirtschaft Lidl Schwarzwurzeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zucker
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Currywurst mit Pommes

03.02.2019

Wissenschaftler kritisieren Kindergerichte

In deutschen Restaurants servierte Kindergerichte sind Forschern zufolge überwiegend ungesund. » mehr

Max-Rubner-Institut in Karlsruhe

08.02.2019

Fehlernährung von Schwangeren erhöht Risiko für Nachwuchs

Wenn eine werdende Mutter schon zu Beginn der Schwangerschaft stark übergewichtig ist, steigen die gesundheitlichen Risiken für das Kind. Wie lassen sich ernährungsbedingte Krankheiten bei Kindern möglichst vermeiden? Da... » mehr

Blutzuckertest

07.02.2019

Starker Anstieg bei Typ-2-Diabetes prognostiziert

Die Zahl der an Diabetes Typ 2 erkrankten Menschen in Deutschland wird nach neuen Berechnungen viel stärker ansteigen als bisher prognostiziert. » mehr

Zuckersüß

21.09.2018

Foodwatch: Kaum Zuckerreduzierung bei Erfrischungsgetränken

Beim Kampf gegen Übergewicht stehen auch süße Drinks im Visier - nicht nur für Kinder. Aus Sicht von Verbraucherschützern und Ärzten tut sich bei neuen Rezepturen zur gesünderen Ernährung noch zu wenig. » mehr

Fettleibigkeit

10.01.2019

Schädigt Übergewicht das Gehirn?

Übergewicht schädigt die Gesundheit. Es begünstigt etwa Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Forscher gingen nun der Frage nach, ob auch das Gehirn von den Extra-Pfunden in Mitleidenschaft gezogen wird. » mehr

Künstliche Befruchtung

08.02.2019

Kein erhöhtes Krebsrisiko nach künstlicher Befruchtung

Kinderkriegen klappt nicht immer auf natürlichem Weg. Manchmal hilft eine künstliche Befruchtung. Steigert dieses Vorgehen das Krebsrisiko? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schiefermuseum-Jubiläum Ludwigsstadt

Schiefermuseum feiert Jubiläum | 19.04.2019 Ludwigsstadt
» 15 Bilder ansehen

Postkarten-Sammlung Kronach

Postkarten-Sammlung aus Kronach und Teuschnitz | 19.04.2019 Kronach
» 10 Bilder ansehen

Kulturabend in Reichenbach

Kulturabend in Reichenbach | 14.04.2019 Reichenbach
» 11 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 02. 2019
17:33 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".