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Wissenschaft

Zucker in Süßgetränken: Wie kann der Konsum gesenkt werden?

Zuckerhaltige Getränke fördern Übergewicht - und sind vermutlich gefährlicher, als Zucker in fester Form. Aber warum? Und was kann und will die Politik dagegen tun?



Zuckerhaltige Getränke
In vielen Getränken steckt eine Menge Zucker.   Foto: Monika Skolimowska

Zuckerhaltige Getränke gelten als wichtiger Faktor für das Übergewicht vieler Menschen. Also was tun, um den Konsum zu verringern? Eine Übersichtsstudie des internationalen Cochrane-Netzwerkes hat funktionierende Maßnahmen ermittelt.

Die Ergebnisse basieren auf 58 Studien aus 19 verschiedenen Ländern. Vorne mit dabei sind Etiketten wie die Lebensmittelampel, die auf einfache Weise Aufschluss über den enthaltenen Zucker geben. Dies könne auch in Deutschland relativ gut und zu vertretbaren Kosten umgesetzt werden, sagte der Hauptautor der Studie, Peter von Philipsborn von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität am Mittwoch. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten (DANK) und die Verbraucherorganisation Foodwatch unterstützen eine Einführung für die Bundesrepublik.

Die große Koalition will in diesem Jahr ein Modell für eine klarere Nährwert-Kennzeichnung vorschlagen. Die SPD macht sich für das französische Nutri-Score-System stark - es bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer Skala von dunkelgrün bis rot. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) plant aber noch weitere Klärungen, da alle bestehenden Systeme Vor- und Nachteile hätten. Im Sommer sollen mehrere Modelle per Verbraucherbefragung getestet werden.

Der Zusammenschluss medizinischer Fachgesellschaften und Forschungseinrichtungen DANK plädiert für eine schnelle Einführung des Nutri-Scores. Die Studie zeige, dass ein Label in Ampelfarben das Verbraucherverhalten direkt beeinflusse - Der Absatz von Softdrinks, die rot gekennzeichnet waren, ging den Studienergebnissen zufolge um bis zu 56 Prozent zurück. DANK steht für Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten.

Die Organisation Foodwatch stellte erneut Forderungen an die Landwirtschaftsministerin: «Spätestens diese Studienergebnisse müssen Ministerin Klöckner zu einer Erklärung bringen, ihre Politik radikal zu ändern», sagte Geschäftsführer Martin Rücker laut Mitteilung. Die CDU-Politikerin habe ein gewaltiges Problem zu bekämpfen, setze aber allein auf freiwillige Pseudo-Maßnahmen, deren Wirkungslosigkeit von vornherein feststehe.

Die Cochrane-Studie nennt noch weitere Möglichkeiten, um den Konsum der ungesunden Drinks zu senken: So seien zum Beispiel auch weniger oder keine zuckerhaltigen Getränke in Schulen sowie Preiserhöhungen von zuckrigen Drinks in Restaurants, Geschäften und Freizeiteinrichtungen wirksam. Gesündere Getränke könnten gefördert werden, indem man sie zu Standardgetränken bei Menüs in Restaurantketten macht oder in Supermärkten besser bewirbt und platziert. Auch lokale Gesundheitskampagnen oder Maßnahmen für Zuhause - wie Heimlieferungen von Getränken mit keinem oder wenig Zucker - könnten das Trinkverhalten verbessern.

Zuckerhaltige Getränke seien wahrscheinlich so gefährlich, weil der Konsum flüssigen Zuckers bei den meisten Menschen kein entsprechendes Sättigungsgefühl hervorrufe, sagte Studienautor von Philipsborn. Nehme der Körper die gleiche Menge Zucker in fester Form auf, werde er in der Regel viel stärker satt. Das könnte mit der Evolution zusammenhängen - vor 200 Jahren gab es einfach noch keine gezuckerten Getränke. Der Mensch hat sich also schlicht noch nicht daran gewöhnt.

Hinzu komme, dass Zucker in Getränken ein sehr starkes Verlangen nach mehr davon auslöse - vermutlich sogar mehr als beispielsweise bei Schokolade. Es gebe Hinweise darauf, dass flüssig aufgenommener Zucker noch stärker wirke, auch weil der Körper ihn besonders schnell aufnehme, ergänzte von Philipsborn. «Das gibt einen echten Zucker-Kick.»

Übergewicht und Diabetes nehmen weltweit zu. Hans Hauner, Mitautor der Studie und Ernährungsmediziner an der Technischen Universität München sagte, dass sich dieser Trend nur mit umfassenden und wirksamen Maßnahmen umkehren werde: «Speziell Regierungen und Industrie müssen ihren Teil beitragen, dass die gesunde Entscheidung für Konsumenten die einfache Entscheidung wird.»

Cochrane ist ein globales Netzwerk unter anderem von klinischen Forschern und Ärzten. Der Schwerpunkt liegt auf der Erstellung von Übersichtsberichten verschiedener Forschungsbereiche.

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Veröffentlicht am:
13. 06. 2019
11:58 Uhr

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