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Seehofer legt noch ein paar Jahre drauf

Der CSU-Chef vollzieht den Rücktritt vom Rücktritt: Eigentlich hatte Seehofer im Jahr 2018 als Parteichef und Ministerpräsident aufhören wollen. Aber am Ende kommt alles anders als angekündigt.



Horst Seehofer wird der Nachfolger von Horst Seehofer. Als Parteichef und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten wird Seehofer weitermachen. Vor vier Jahren hatte er noch seinen Rücktritt angekündigt.
Horst Seehofer wird der Nachfolger von Horst Seehofer. Als Parteichef und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten wird Seehofer weitermachen. Vor vier Jahren hatte er noch seinen Rücktritt angekündigt.  

München - Es ist zehn vor neun am Montag, als "Mister X" vor der CSU-Parteizentrale im Münchner Norden auftaucht. Diesen geheimnisvollen Herrn hatte CSU-Chef Horst Seehofer in den vergangenen Jahren immer dann ins Gespräch gebracht, wenn es um seine Nachfolge ging. Da nannte er gerne Markus Söder, Ilse Aigner, Alexander Dobrindt - und eben jenen mysteriösen "Mister X". Nun also ist er da: Es ist Horst Seehofer selbst. Der Mann, der vor vier Jahren angekündigt hatte, 2018 seine politischen Ämter im Alter von dann 69 Jahren niederzulegen, ist sein eigener Nachfolger.

Obwohl die entsprechenden Meldungen schon seit Stunden über den Ticker laufen, bestätigt Seehofer bei seinem Eintreffen im Franz-Josef-Strauß-Haus zunächst nichts. Entgegen üblicher Gepflogenheit lässt er die Journalisten einfach stehen. "Das Anrecht auf Erstinformation hat der Parteivorstand", wird er förmlich und verschwindet im Aufzug. Gänzlich wortlos zieht anschließend Joachim Herrmann vorbei. Auch der ist so eine Art Mister X, den Seehofer nach einigen Irrungen und Wirrungen als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl aus dem Hut gezaubert hat.

Ein anderer ist dagegen redebereit und dabei sehr bemüht fröhlich. "Gut, dass wir Klarheit haben", sagt also Markus Söder über die anstehende Verlängerung der Seehofer-Amtszeiten. Jeder weiß, dass Söder am liebsten schon morgen Kalif anstelle des Kalifen werden würde, doch nun presst er sich steif lächelnd heraus, dass Seehofer "meine ehrliche Unterstützung" habe. Die Spitze mit dem alten und neuen Chef scheine die "stärkste Formation" für die anstehenden Wahlen zu sein. Söders Kurzauftritt wird von bösen Zungen gleich als Bestätigung dafür interpretiert, dass der Franke jetzt eben nahtlos als Kronprinz weitermachen werde. Landtagspräsidentin Barbara Stamm, wahrlich keine Söder-Freundin, sagt es vornehmer: "Söder ist Finanzminister - das ist doch auch ein schönes Amt."

Ein kleines Grundsatzreferat zum eigentlich noch Geheimen hält derweil der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber mitten auf der Straße. Dass Seehofer seine Ämter behalte und in Herrmann der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl zur Verfügung stehe, sei "rundum eine mehr als ausgezeichnete Lösung". Herrmann habe über Jahre gezeigt, was er könne, und Seehofer sei "das Zugpferd der CSU schlechthin". "Er ist unser stärkstes Kaliber und hat hohe Wasserverdrängung in München, Berlin und Brüssel." Seine typischen Sätze hat Stoiber auch im fortgeschrittenen Alter noch drauf.

Drinnen holt sich Seehofer inzwischen die Zustimmung des Parteivorstands für seine Zukunftspläne. Auch nach 37 Jahren Berufspolitik, davon 21 Jahre in Regierungsbeteiligung, sei er noch immer mit Leidenschaft unterwegs. "Ich kann und will die Ämter weiter ausüben und bei den anstehenden Wahlen den Erfolg der CSU gewährleisten", sagt er nach der Sitzung. Seehofer gibt zu, dass er 2013 wirklich ernsthaft übers Aufhören nachgedacht habe. "Mit vollem Dampf bis 2018 und dann Ruhestand" - das sei so seine Überlegung gewesen für ein Leben ohne Termine und Strippenzieherei. Aber neue Herausforderungen in der Welt- und Bundespolitik, seine Ideen für eine "Konzeption Bayern 2030" sowie Leidenschaft und Fitness - "auch im Kopf" - hätten für ein Umdenken gesorgt. Das Aufhören angekündigt zu haben, habe nicht zu den klügsten Aussagen seiner politischen Karriere gehört. "Man lernt aber auch in meinem Alter noch dazu", lächelt Seehofer das Thema weg.

In der Partei ist es aber noch immer da, man muss nur auf manche Zwischentöne achten. Denn nicht jeder ist so unverstellt euphorisch wie CSU-Vize Manfred Weber, der erklärt, keiner werde wie Seehofer "von Partei und Bürgerschaft getragen". Der Oberpfälzer CSU-Chef und Söder-Vertraute Albert Füracker rekapituliert stattdessen, dass die Nachfolgedebatte ja nur deshalb geführt worden sei, weil Seehofer sein Aufhören angekündigt habe. "Jetzt hört er halt nicht auf, also unterstützen wir ihn", tut Füracker geschäftsmäßig.

CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer, zuletzt öfter im Clinch mit Seehofer, doziert ohne verbale Luftsprünge, man sollte kein erfolgreiches Pferd wechseln, wenn es nicht unbedingt nötig sei. Nach einem langen Ritt in eine gemeinsame Zukunft klingt das nicht.


Lesen Sie dazu auch den Kommentar: "Zeit gewonnen, keine Zukunft"
 

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Jürgen Umlauft
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Veröffentlicht am:
24. 04. 2017
21:03 Uhr

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Jürgen Umlauft

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24. 04. 2017
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