Magische und heilende Kräfte
In der restlichen Höhle fanden sich keine Hinweise darauf, dass darin gekocht oder geheizt wurde. Beispielsweise enthielt die Höhle keine Knochen von geschlachteten Tieren oder stark verkohlte Hölzer. Stattdessen fanden die Archäologen steinerne Formationen und Anordnungen von abgebrochenen Tropfsteinen, die auf eine Art rituelle Nische hindeuten.
Zudem befanden sich in der Höhle ein Schleifstein und zahlreiche zerbrochene oder zermahlene Kieselsteine und Kristalle. Diese Gesteine tauchen ebenfalls in ethnografischen Beschreibungen auf: Die Aborigines schreiben ihnen demnach magische und heilende Kräfte zu.
Überlieferte Zeremonie über 500 Generationen hinweg
David und seine Kollegen schließen aus ihren Funden, dass die Feuerstellen in den Höhlen nicht als Wohnort, sondern als rituelle Orte dienten, und dass die Ureinwohner dort tatsächlich Zeremonien abgehalten haben, die den historischen Berichten stark ähnelten.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, „dass ein Teil des Stäbchens bei seiner Verwendung mit Fett oder Fettsäuren bestrichen wurde, die mit tierischem oder menschlichem Fett in Verbindung gebracht werden“, schreiben die Forscher.
„Diese einzigartige Kombination weist auf die Überlieferung einer sehr spezifischen lokalen Kulturpraxis über 12 000 Jahre hin. Bei diesen Erkenntnissen handelt es sich nicht um die Erinnerung an überlieferte Praktiken, sondern um die Weitergabe von Wissen in nahezu unveränderter Form von einer Generation zur nächsten über rund 500 Generationen hinweg“, berichten die Archäologen.
Sie vermuten demnach, dass das Ritual in dieser Form bereits seit dem Ende der letzten Eiszeit von den GunaiKurnai praktiziert wird. Es könnte sich somit sogar um den ältesten bekannten Brauch überhaupt handeln, so das Team.