30:30-Krimi HSC Coburg holt Punkt gegen Wetzlar

Es ging zur Sache: Coburgs Stepan Zeman wird am Trikot gehalten. Foto: Frank Wunderatsch

Die Coburger Handballer rehabilitieren sich. Nach einer engagierten Vorstellung trennen sie sich mit 30:30 (13:17) von den favorisierten Hessen. Geschäftsführer Jan Gorr ist künftig als Co-Trainer mit im Boot.

Coburg - Der HSC 2000 Coburg hat sich am Donnerstag nach einer spannenden und in der Schlussphase hochdramatischen Begegnung in der HUK-Arena einen Punkt gegen die favorisierte HSG Wetzlar gesichert. 30:30 (13:17) hieß es am Ende in der Begegnung der 1. Handball-Bundesliga. Entscheidend für das verdiente Remis war eine Leistungssteigerung nach der Pause.

Kräfte werden gebündelt

„Wir müssen jetzt die Kräfte bündeln“, hatte Jan Gorr vor der Partie gesagt. Und der HSC-Geschäftsführer setzte es gleich in die Tat um. Er nahm als Co-Trainer mit auf der Coburger Bank Platz. Ab sofort wird er Chefcoach Alois Mraz in der sportlichen Leitung unterstützen. Dieser schickte zu Beginn Poltrum im Tor, Grozdanic und Billek auf den Außen sowie Zetterman, Schröder, Zeman und Pouya auf die Platte. Der HSC musste auf Spielmacher Tobias Varvne nach seiner Kopfprellung vom Minden-Spiel und den erkrankten Paul Schikora verzichten.

Das Duell der beiden in den letzten vier Spielen sieglosen Teams begann denkbar ungünstig für die Gastgeber, die mit 0:3 in Rückstand gerieten. Wetzlar stand gut in der Abwehr und kam zu leichten Toren, nachdem der HSC erneut technische Fehler machte und schwach abschloss. Nach dem 3:7 gelang es Schröder und Co., die Defensive zu stabilisieren. Zwei Grozdanic-Treffer, davon ein Siebenmeter, brachten Coburg wieder heran zum 5:7.

Rückstand verkürzt

Doch die Hessen zeigten sich hochkonzentriert und nutzten jeden Fehler des HSC konsequent. So hieß es nach knapp 16 Minuten 5:10 aus Sicht der Hausherren, sodass Alois Mraz zur Auszeit rief und Korrekturen vornahm. Mit frechen Siebenmeter-Hebern gegen den 1,97-m-Mann Tibor Ivanisevic setzte Florian Billek in der Folge zwei Glanzlichter. Der HSC zeigte sich engagiert, doch Wurfpech und unglückliche Aktionen verhinderten es, dass die Vestestädter näher rankamen. Die Gäste um den starken Stefan Cavor ließen nicht nach, verteidigten gut, spielten ruhig und trafen zuverlässig. Sechs Minuten vor der Pause stand es 9:14.

Mraz brachte nun Jan Kulhanek im Tor, der gleich zwei Paraden zeigte. Der HSC 2000 bemühte sich redlich und wurde belohnt. Es gelang, den Rückstand zur Halbzeit auf 13:17 zu verkürzen, sodass noch Hoffnung auf etwas Zählbares blieb. Klar war aber, dass eine deutliche Leistungssteigerung nötig sein würde.

Ein Zwischenspurt

Es keimte Hoffnung auf, als Grozdanic und Billek nach prima Aktionen über die Außen sehenswerte Treffer erzielten und der Gästevorsprung auf drei Tore schrumpfte. Nun nahm die Partie Fahrt auf. Wetzlar hatte nun mit Pfostentreffern Pech und Coburg nutzte die Gunst der Stunde. Nach 38 Minuten stand es 18:20, der HSC war dran. Die individuell stark besetzten Hessen blieben aber ruhig und konnte sich wieder auf Vier absetzen.

Die Einstellung des HSC passte, doch die cleveren Gäste fanden immer wieder die Lücken in der Coburger Abwehr. Ein hervorragende Poltrum-Parade und zwei Zeman-Tore über den Kreis führten zum 21:23-Zwischenstand. Das Spiel war weiterhin offen. HSG-Coach Kai Wandschneider nahm beim 22:24 eine Auszeit und stellte sein Team neu ein.

Dramatik in der Schlussphase

Der HSC kam zum 23:24-Anschlusstreffer durch einen Siebenmeter von Florian Billek und ließ sich nicht abschütteln. Als Poltrum einen umstrittenen Siebenmeter parierte, lag der Ausgleich in der Luft, doch scheiterte Schröder am Pfosten. Wenig später fiel das 25:25 doch, als Pouya traf nach 50 Minuten. Nun schien die Überraschung möglich, vor allem, weil die Gäste im Angriff nicht mehr so konsequent wirkten.

Pontus Zetterman gelang schließlich die umjubelte 27:26-Führung. Sieben Minuten vor dem Ende stand es 27:27, die Spannung stieg. Mit einem sicher verwandelten Siebenmeter von Billek ging Coburg wieder mit 28:27 in Front, Holst glich ebenfalls per Strafwurf zum 28:28 aus. Nun war es ein Krimi. Zetterman legte vor, Lenny Rubin erzielte das 29:29. Eineinhalb Minuten vor der Schlusssirene scheiterte Billek bei Zeitspiel am HSG-Keeper, Kristian Björnsen stellte auf 28:29.

Bei 59:16 Minuten nahm Alois Mraz die letzte Auszeit. Routinier Dominic Kelm verwertete eine Kreisanspiel zum 30:30. Auf der Uhr standen noch zwölf Sekunden, als der HSG-Coach seine Auszeit nahm. Würde der HSC einen Punkt retten können? Ja! Rubins Wurf wurde von der Coburger Abwehr geblockt. Anschließend brach der Jubel los in der HUK-Arena...

Statistik

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (1 Parade), Konstantin Poltrum (6), Paul Dreyer (n.e.) – Pouya Norouzi Nezhad (3), Felix Sproß, Dominic Kelm (1), Jakob Kassing (n.e.), Drasko Nenadic, Florian Billek (6; 4 7-Meter/4 Versuche), Dino Mustafic (n.e.), Pontus Zetterman (6), Justin Kurch (n.e.), Stepan Zeman (3), Milos Grozdanic (4; 2 7-Meter/3 Versuche), Andreas Schröder (6), Christoph Neuhold (1). – Trainer: Alois Mraz.

HSG Wetzlar: Till Klimpke (10), Tibor Ivanisevic – Alexander Feld, Ivan Srsen, Philip Henningsson, Kristian Björnsen (9), Lars Weißgerber, Maximilian Holst (6; 5/6 Versuche), Magnus Fredriksen (1), Olle Forsell Schefvert, Patrick Gempp, Emil Mellegard, Lenny Rubin (3), Anton Lindskog (4), Stefan Cavor (5). – Trainer: Kai Wandschneider.

SR: Sascha Standke/Steven Heine (Ronnenberg/Wendeburg). – Zeitstrafen: 1 (Zeman) – 4 (Fredriksen, Forsell, Rubin, Lindskog. – Siebenmeter: 6/7 – 5/5.

Spielfilm: 0:3 (6.), 2:4 (7.), 2:5, 3:5, 3:7 (11.), 4:7, 5:7 (12.), 5:8 (14.), 5:10 (16.); Auszeit Coburg; 6:10 (17.), 6:11 (18.), 7:11 (19.), 7:12 (20.), 8:12, 8:13 (21.), 8:14 (23.), 9:14; Auszeit Wetzlar; 9:15 (26.), 10:16 (27.), 11:16, 11:17 (28.), 12:17 (29.), 13:17 (30.), 14:17(31.), 14:18 (32.), 15:18, 15:19 (33.), 16:20 (34.), 17:20 (37.), 18:20 (38.), 18:21 (39.), 18:22 (40.), 19:22 (41.), 19:23 (42.), 20:23 (43.), 21:23, 22:24 (45.); Auszeit Wetzlar; 23:24 (47.), 23:25, 24:25 (48.), 25:25 (51.), 25:26, 26:26 (52.), 27:26 (54.), 27:27, 28:27 (55.), 28:28 (57.), 29:28, 29:29, 29:30 (60.); Auszeit Coburg; 3

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