32:37 gegen Kiel HSC Coburg besteht den Charaktertest

Der Coburger Andreas Schröder steigt hoch und feuert den Ball an Nationalspieler Patrick Wiencek vorbei aufs Kieler Tor Foto: Frank Wunderatsch

Die Coburger Handballer verkaufen sich teuer beim 32:37 gegen den deutschen Meister aus Kiel. Sie zeigen die erhoffte Reaktion nach der Pleite von Magdeburg.

Coburg - Der HSC 2000 Coburg hat den Charaktertest bestanden. Nach der herben Kritik, die auf das Team nach der Rekordpleite in Magdeburg eingeprasselt war, zeigten die Handballer aus der Vestestadt am Mittwochabend die erhoffte Reaktion in der HUK-Arena. Beim 32:37 (15:19) gegen den deutschen Meister THW Kiel verkauften sich Florian Billek und Co. hervorragend. Mit viel Herz, Einsatzbereitschaft und Kampfgeist boten die Coburger Handballer dem Bundesliga-Topteam bis zum Schluss Paroli.

„Wir wollten eine Reaktion zeigen, das waren wir uns selbst schuldig“, sagte der beste Coburger Werfer Florian Billek nach der Partie. „Gerade zu Hause muss man sich zerreißen. Wir haben immer versucht, uns gegenseitig zu pushen. Wir waren lange dran, aber im Endeffekt geht das Ergebnis in Ordnung.“

Landin-Brüder fehlen

Die Kieler waren ohne die beiden Landin-Brüder Niklas und Magnus angereist. Sie befinden sich in freiwilliger Isolation, nachdem am Länderspiel-Wochenende Corona-Fälle in der dänischen Nationalmannschaft aufgetreten waren. Durchgeführte Tests waren bei beiden allerdings negativ ausgefallen, sodass es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelte.

Der HSC begann mit Kulhanek im Tor, Sproß und Billek auf den Außen sowie Schröder, Varvne, Zeman und Zetterman. Anders als in Magdeburg waren die Coburger von Beginn hellwach. Beweglich und aggressiv in der Abwehr, mit überlegten und mutigen Aktionen im Angriff sowie einem starken Torhüter Jan Kulhanek im Rücken überraschten sie die hochfavorisierten Kieler in der Anfangsphase. Nach dem 4:4 ging der HSC in Führung und lag nach elf Minuten beim 9:6 sogar mit drei Toren in Front. Da rieb sich mancher die Augen. „Sehr guter Start, sehr aktiv. So, wie man sich das wünscht“, sagte der Coburger Geschäftsführer Jan Gorr.

Starke Anfangsphase

Das Team von Filip Jicha konnte aufgrund der Vielzahl von Nationalspielern, die alle auf Länderspielreise waren, im Vorfeld des Spiels nur ein gemeinsames Training absolvieren. Doch der THW, bei dem Quenstedt für Niklas Landin zwischen den Pfosten stand, stabilisierte die Defensive und drehte die Partie nach 19 Minuten zum 10:12.

Der HSC ließ zwar nicht locker und kämpfte unverdrossen weiter, doch nun war die Weltklasse-Truppe aus Kiel warmgelaufen. Sie nutzte in der Folge jeden Fehler der Coburger gnadenlos aus. Schnell stand es 12:17 und HSC-Coach Alois Mraz sah sich zur Auszeit gezwungen. Diese fruchtete. Zetterman und Billek verkürzten auf 14:17. In die Pause ging es mit 15:19 aus Sicht der Gastgeber. Sie verpassten ein knapperes Resultat, weil erst Grozdanic und dann Billek mit Siebenmeterwürfen am glänzend parierenden Quenstedt scheiterten. Dennoch konnte der Coburger Trainer mit dem engagierten Auftritt seiner Mannschaft zufrieden sein, die es bis dahin klasse gemacht hatte gegen den übermächtigen Gegner.

Kampf und Leidenschaft

Kiel drückte nach der Pause aufs Gaspedal. Beim 16:23 in der 35. Minute nahm Mraz bereits seine dritte Auszeit und stellte sein Team neu ein. Jetzt trat die große individuelle Klasse des THW deutlich zu Tage. Coburg schaffte es in der Abwehr nicht mehr, die Aktionen der Gäste wirksam zu unterbinden, und kassierte einfache Gegentreffer.

Der Kampfgeist war aber nach wie vor da und der HSC bot dem Meister weiterhin Paroli. Vor allem Stepan Zeman und Florian Billek gelangen immer wieder schöne Tore. Dennoch konnten Wiencek und Co. die Hausherren auf Distanz halten. 24:30 hieß es nach 45 Minuten aus Sicht der Coburger, bei denen nun Poltrum im Tor stand.

Die erhoffte Reaktion

Der HSC 2000 stemmte sich mit Kampf und Leidenschaft gegen die sich abzeichnende Niederlage. Es war genau die Reaktion, die sich die Coburger Verantwortlichen nach der Pleite von Magdeburg vom Team erwartet hatten. Sechs Minuten vor dem Ende stand es 30:35. Es war beeindruckend, wie sich der HSC bis zum Schluss verkaufte.

Über 30 Tore zu erzielen gegen den amtierenden Champions-League-Sieger, das war aller Ehren wert. Die abwechslungsreiche Begegnung endete letztlich mit einem hochverdienten 37:32-Erfolg der Kieler, die den Pflichtsieg routiniert und unaufgeregt einfuhren.

Statistik

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Konstantin Poltrum, Paul Dreyer (n.e.) – Felix Sproß (4), Dominic Kelm (1), Jakob Kassing (n.e.), Drasko Nenadic, Florian Billek (8), Dino Mustafic (n.e.), Pontus Zetterman (5), Tobias Varvne (3), Justin Kurch (n.e.), Stepan Zeman (7), Milos Grozdanic (2/2), Andreas Schröder (2), Christoph Neuhold. – Trainer: Alois Mraz.

THW Kiel: Philip Saggau, Dario Quenstedt – Domagoj Duvnjak (3), Sander Sagosen (9), Harald Reinkind (4), Oskar Sunnefeldt (1), Steffen Weinhold (1), Patrick Wiencek (5), Niclas Ekberg (5/1), Philipp Wäger, Rune Dahmke (3), Miha Zarabec, Bevan Calvert (1), Malte Voigt (2), Pavel Horak (1), Hendrik Pekeler (2). – Trainer: Filip Jicha.

Schiedsrichter: Thomas Kern/Thorsten Kuschel (Bellheim/Karlsruhe).

Zeitstrafen: 2 (Drasko Nenadic, Stepan Zeman) – 2 (Rune Dahmke, Hendrik Pekeler).

Siebenmeter: 2/4 – 1/1.

Spielfilm: 1:0 (1.), 1:2 (4.), 2:3 (4.), 3:4 (5.), 5:4 (7.), 6:4 (8.), 6:5 (9.), 8:5 (10.), 8:6 (11.), 9:6 (11.), 9:7 (13.), Auszeit HSC (13.), 9:8 (14.), 10 (15.), 10:10 (16.), 10:11 (18.), 11:12 (20.), 11:14 (22.), 12:15 (23.), 12:17 (24.), Auszeit HSC (24.), 14:17 (26.), 15:18 (28.), 15:19 (Halbzeit), 16:20 (32.), 16:23 (35.), Auszeit HSC (35.), 17:24 (36.), 18:25 (37.), 19:26 (38.), 21:26 (40.), 22:27 (41.), 23:29 (43.), 24:30 (45.), 25:31 (46.), 26:32 (48.), 27:33 (51.), 28:34 (52.), 30:35 (54.), 30:36 (57.), 31:37 (58.) und 32:37 (Endstand).

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