370. Coburger Friedensdank „Meeder, bewahre diesen Schatz!“

Zum sechsten Mal führen Bürgerinnen und Bürger beim Friedensdankfest ihr Heimatspiel „Friede auf Erden“ auf. Die Geschichte um Menschlichkeit und Courage spielt am Ende des Dreißigjährigen Krieges – und wirkt doch zeitlos aktuell.

Der rote Hahn wütet auf den Langen Bergen, Mirsdorf ist abgebrannt, Rodach steht in Flammen. Die Meederer sind bisher verschont geblieben, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die marodierenden Truppen auch ihr Dorf heimsuchen. 30 Jahre dauert nun schon dieser fruchtbare Krieg, die Menschen sind verarmt und mürbe, Not und Angst kehren ihr Innerstes nach außen: Mit Demut und Gottvertrauen versuchen die einen ihr Schicksal zu meistern, während andere in wütender Verblendung Sündenböcke jagen. Schlechte Zeiten für die Nächstenliebe. Fast vier Jahrhunderte liegt das Geschehen zurück, doch in den Köpfen und Herzen scheint sich nicht allzu viel geändert zu haben: Hochaktuell wirkt das Ringen um Menschlichkeit und Frieden, von dem diese auf wahren Begebenheiten und Biografien beruhende Geschichte erzählt.

Alle zehn Jahre krönen die Meederer ihr großes Friedensdankfest mit dem Heimatspiel „Friede auf Erden“, das der Rodacher Heimatforscher und Lehrer Dr. Albin Schubert 1971 geschrieben hat. Mit einjähriger Corona-Verspätung ist es nun wieder so weit, zum sechsten Mal wird die St. Laurentiuskirche zur Bühne ihrer eigenen Historie – die Generalprobe am Montag lief schon fast „wie am Schnürchen“, am Sonntag folgt die Premiere. Gut vier Monate Probenarbeit liegen hinter den 37 Mitwirkenden zwischen 5 und 81 Jahren, die Silvia Schwartz und Elke Bräutigam mit Charme und ein bisschen Nachdruck in allen 16 Gemeindeteilen „rekrutiert“ haben. „Mit so vielen Leuten habe ich noch nie gearbeitet“, verrät Regisseurin Silvia Schwartz, die fast 20 Jahre lang die Laienspiel-Abteilung des TSV geleitet hat.

Viele Akteure waren quasi „gesetzt“: 17 haben schon in der Vergangenheit mitgespielt, einige sogar von Anbeginn. „Damals waren wir Marketender“, erzählt Wolfgang Müller vor der Generalprobe und zeigt am Handy das Foto, das ihn mit seiner Frau Gisela bei der Uraufführung 1971 zeigt. Damals gab auch Elke Bräutigam ihr Debüt: mit zarten fünf Jahren. Schon zehn Jahre später übernahm sie die Rolle, die sie auch diesmal eindringlich verkörpert: die Katharina Barbara aus dem „Sündenpfuhl“ Birkenmoor. Ihr Mann und ihr Sohn wurden als „Hexer“ auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ihr Hof liegt in Schutt und Asche, mittellos ist sie mit ihren zwei kleinen Töchtern auf der Flucht – doch ihre Würde hat sie sich bewahrt. Mit weisen Worten liest sie den keifenden Weibern, die sie als „Teufelspack“ beschimpfen, die Leviten und gewinnt den Respekt der besonnenen Bürger Meeders.

Dass hier in der Tat die Menschlichkeit die Oberhand behielt, weiß Elke Bräutigam, die 1. Vorsitzende des Vereins Friedensmuseum, aus den Annalen: „In Meeder wurden keine Hexen verbrannt“ – trotz des blutigen Fanatismus des Coburger Herzogs Johann Casimir, der 130 Menschenleben forderte.

Die Kirchenbücher der St. Laurentiusgemeinde waren eine wichtige Quelle für den Autor des Heimatspiels – hier stieß Schubert auch auf den Pfarrer Caspar Rebhan, dessen Courage Meeder vor der Plünderung kurz vor Kriegsende bewahrte. Zum dritten Mal spielt Stefan Pflaum die Rolle des Geistlichen, der gemeinsam mit dem Schultheiß (Markus Weschenfelder) die eindringenden Soldaten milde stimmt. Deren stolzer, aber kriegsmüder Offizier ist der Senior im Ensemble: Mit 81 Jahren wirkt Dietmar Ochs zum fünften Mal mit.

Für einen heiteren Akzent im ernsten Spiel sorgt zum vierten Mal René Scheler: Mit starker Bühnenpräsenz und komödiantischem Talent gibt er den wortgewandten und schlauen Knecht Hanjörg, der seinen raffgierigen Herrn Simeshinrich (Hubert Krämer) raffiniert Paroli bietet und sich und seiner geliebten Margarethe (Dagmar Hartleb) „ein Quäntchen Eigenleben“ erobert. So siegen am Ende die Liebe und der Frieden, den zu pflege, der Pfarrer den Seinen ins Stammbuch schreibt: „Meeder, bewahre diesen Schatz!“.

Premiere am Sonntag, 21. August, um 15 Uhr; weitere Aufführungen 25. August, 19 Uhr, und 28. August, 15 Uhr. Karten bei Blumen Vorndran und im Getränkemarkt Sagasser Meeder sowie an der Abendkasse für 6 Euro.

Weitere Berichte über den Meederer Friedensdank 2022 auf Seite 14

Weitere Fotos unter www.np-coburg.de

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