370. Friedensdankfest in Meeder Mehr als eine Tradition

Der Coburger Friedensdank wurzelt im 17. Jahrhundert. Vor dem aktuellen politischen Hintergrund macht das 370. Friedensdankfest in Meeder deutlich, dass Frieden schaffen und bewahren eine dauerhafte und schwierige Aufgabe ist.

Wie Kinder die Bedrohung durch Krieg wahrnehmen, zeigt die Ausstellung „Kinder plakatieren für den Frieden“ im Rathaus      Foto: privat

Es hat eine lange Tradition, es zählt seit Kurzem ganz offiziell zum bayerischen Kulturerbe – und es ist leider aktueller denn je: Das Coburger Friedensdankfest feiert sein 370. Jubiläum in einem Jahr, in dem auch hierzulande spürbar wird, wie zerbrechlich der Frieden ist. Das war den Menschen sehr bewusst, die 1650 auf Geheiß des Coburger Herzogs Friedrich Wilhelm II. erstmals das Ende des Dreißigjährigen Krieges feierten: Sechs Millionen Tote waren zu beklagen, Plünderungen, Schlachten und Hunger fiel vielerorts die Hälfte der Bevölkerung zum Opfer, im Dorf Meeder sogar zwei Drittel. Alljährlich wird hier seither an den Westfälischen Frieden erinnert, der dem grausamen Religionskrieg 1648 ein Ende setzte – neben Meeder pflegt nur noch die Stadt Augsburg diese Tradition, die mehr ist als ein Brauch: „Der Coburger Friedensdank lädt ein, gemeinsam nachzudenken, wie Frieden weiter und immer wieder neu gebaut werden kann“, betonen die Organisatoren.

Nach der Werbung weiterlesen

Alle zehn Jahre wird der Friedensdank seit 1971 im großen Rahmen begangen – 2021 war das wegen Corona nicht möglich, und so holen die „Choradstanten“ (der Männer-Kirchenchor und die Blaskapelle) und die Kirchengemeinde St. Laurentius das Jubiläum in diesem Jahr nach. Unter dem Motto „Auf Frieden bauen“ gibt es ein umfangreiches Programm, auf das Lesungen im Friedensmuseum, Konzerte und Ausstellungen bereits eingestimmt haben.

Seinen Höhepunkt erreicht das Fest stets Mitte August am Sonntag nach Sebaldus, diesmal also am 21. August: Punkt 4 Uhr läuten die Kirchenglocken im Coburger Land die Feierlichkeiten ein, die der Posaunenchor um 6 Uhr früh in der St. Laurentiuskirche eröffnet. Als Prediger im Festgottesdienst wird Karl Freller, Vizepräsident des Bayerischen Landtags, erwartet. Um 15 Uhr wird die Kirche zur Bühne für das Heimatspiel „Frieden auf Erden“. Es führt ins Jahr 1648 und zeigt, wie Meeder damals mit knapper Not der Plünderung entgehen konnte. Verfasst wurde es 1971 vom Heimatchronisten Albin Schubert aus Bad Rodach, der in alten Kirchenbüchern recherchierte.

Seit April proben die 37 Darsteller/innen um Silvia Schwarz und Elke Bräutigam, unter denen 16 „alte Hasen“ sind, die zum Teil schon seit Anbeginn mitwirken. Der Premiere am Sonntag, 21. August, um 15 Uhr folgen Aufführungen am 25. und 28. August. Karten gibt es in Meeder bei Blumen Vorndran und im Getränkemarkt Sagasser sowie an der Abendkasse für 6 Euro.

Auch mehrere Ausstellungen zählen zum Friedensdank-Programm: Die prämierten Bilder eines internationalen Malwettbewerbs aus dem Jahr 2020 zeigt die Schau „Kinder plakatieren für den Frieden“ im Rathaus und Bürgertreff Meeder zu den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung. Diese Ausstellung ist auf Initiative von Jürgen M. Werobèl-La Rochelle und dem Lions Club Coburg Veste entstanden und gibt berührende Einblicke in die Gedankenwelt der Kinder.

Die Ausstellung „Hass vernichtet“ wird vom 20. August bis zum 12. September im Chorraum der St. Laurentiuskirche zu sehen sein. 30 Tafeln erläutern die Friedensarbeit der Menschenrechtsaktivistin Irmela Mensah-Schramm, die rassistische und antisemitische Hasskundgebungen im öffentlichen Raum in Friedensbotschaften verwandelt. Die frühere Heilpädagogin wird am selben Tag als Festrednerin beim Festkommers der Choradstanten sprechen.

An den Friedensnobelpreisträger Willy Brandt erinnert das Friedensmuseum Meeder mit einer Sonderausstellung bis in den November hinein. Auch eine aus Coburg stammende Aktivistin für Völkerverständigung und Weltfrieden können die Besucher des in der Meederer Schule untergebrachten Museums kennenlernen: Anna B. Eckstein. Die Fotoausstellung „Das Coburger Land – Rund um Meeder“ des Coburger Fotoclubs wird am Freitag, 12. August, um 17 Uhr in der Alten Schule in Meeder eröffnet.

All diese Ausstellungen sind auch am Marktfest geöffnet, das im Anschluss an den Familiengottesdienst am 28. August beginnt. Es umfasst einen Friedensmarkt vor der Kirche, ein buntes Kinderprogramm, Livemusik und Verpflegung. Im Rahmen des Friedensmarktes werden nochmals die Ausstellung „Frauen für den Frieden“ sowie der Ravensburger Friedensteppich präsentiert. Der Teppich macht seit Juli im Friedensmuseum Meeder Station und soll in seinen Einzelteilen nun durch die Region und darüber hinaus wandern.

www.friedensdank.de.