Die Gefahr war so wenig greif- wie messbar in Coburg. Als in Tschernobyl am 26. April 1986 frühmorgens ein Kernreaktor explodierte, passierte hier über Tage hinweg erst mal: wenig. Die Verunsicherung in der Bevölkerung war groß. Vor allem im Gesundheits- und im Wetteramt standen die Telefone nicht still. Die Mitarbeiter konnten den Bürgern die diffuse Angst nicht nehmen, wie die Neue Presse rund eineinhalb Wochen nach dem Unglück schrieb. Denn es gab keine offiziellen Werte der radioaktiven Strahlung: Es fehlte schlicht an der Technik, um die Lage belastbar einschätzen zu können. Im Verwaltungssenat musste der damalige Ordnungsamtsleiter Edgar Köhler eingestehen, dass die Stadt keine geeigneten Geigerzähler habe und man auf Anordnungen „von oben“ warte.
40 Jahre Tschernobyl Coburg zwischen Angst und Ahnungslosigkeit
Alexandra Paulfranz 04.05.2026 - 06:30 Uhr