Aktivisten aus Belarus, von denen viele unter Machthaber Alexander Lukaschenko ins Ausland geflüchtet sind, erinnerten mit Veranstaltungen unter anderem im Baltikum und online an den Jahrestag. Die belarussische Aktivistin und Mitbegründerin der Umweltorganisation Ecodom, Irina Suchi, beklagte, dass die Regierung in Minsk zum Jahrestag weiter so tue, als sei heute alles in Ordnung. "Aber es gibt keine ausreichenden Kontrollen", sagte sie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur im Exil. Es müssten etwa die mögliche Belastung der Böden oder auch der Agrarprodukte gemessen werden.
Unter der autoritären Führung des Landes seien etwa 100 Umweltschutzorganisationen geschlossen oder ins Exil gedrängt worden, sagte Suchi. Trotzdem werde versucht, die Menschen über die womöglich noch lauernden Gefahren in Agrarböden aufzuklären und auf Risiken hinzuweisen. "In den ganzen 40 Jahren haben sie der Bevölkerung nicht beigebracht, wie sie sich verhalten soll, wenn sie auf verseuchtem Gebiet lebt", sagte die Aktivistin mit Blick auf die Regierung in Minsk.
Am 26. April 1986 geriet in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine ein Test im AKW Tschernobyl außer Kontrolle. Im Reaktor vier trat der Super-Gau ein, der größte anzunehmende Unfall. Radioaktive Wolken breiteten sich bis nach Nord- und Westeuropa aus. Monatelang sonderte die offene Atomruine Strahlung ab. Experten gehen von Zehntausenden Todesfällen aus. Mehr als 100.000 Menschen wurden aus den radioaktiv belasteten Gebieten der 30-Kilometer-Sperrzone um das inzwischen stillgelegte Kraftwerk zwangsumgesiedelt.