50 Jahre Gebietsreform Großgemeinde Ahorn feiert goldene Hochzeit

Alexandra Kemnitzer

Bürgermeister Finzel machte keinen Hehl daraus: Der Zusammenschluss der ehemals selbstständigen Ortschaften vor 50 Jahren war eher eine Vernunftehe als eine Liebesheirat. Dem Erfolg tat dies aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.

Mit einem Empfang für ausgewählte Gäste hat man das 50-jährige Bestehen der Großgemeinde Ahorn im Bürgerhaus „Linde“ gefeiert. Bürgermeister Martin Finzel verglich zu Beginn der Veranstaltung den Zusammenschluss der ehemals eigenständigen Gemeinden mit einer goldenen Hochzeit, die weniger eine Liebesheirat, sondern vielmehr eine Vernunftehe war.

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„Größere und handlungsfähige Verwaltungsstrukturen galt es nicht nur auf Ebene der Landkreise zu schaffen, sondern vor allem auch auf der kommunalen“, erinnerte das Gemeindeoberhaupt an den Grund des Zusammenschlusses. Zwischenzeitlich sei zusammengewachsen, was zusammengehört. Bereits in den 1960er Jahren begann schon ein Zusammenwachsen, es entstand unter anderem eine große Verbandsschule. Heute ist in dem Schusterbau auch das Lehrschwimmbecken untergebracht.

Weiter erinnerte der Bürgermeister an die Zeit, als Witzmannsberg zum Landkreis Staffelstein gehörte. Als in Bayern überall die Gebietsreform vorangetrieben wurde, musste auch in Ahorn eine Entscheidung gefällt werden. Da bereits ein Schulverband bestand, lag der Gemeindezusammenschluss nahe. Die Gründung der Großgemeinde war zu Beginn ein Prozess der gemeinsamen Entwicklung. Schließlich galt es in den Anfangsjahren die Grundlage für eine funktionierende Kommune zu schaffen. In den fünf Jahrzehnten war jede Generation gefragt, da die bestehende Infrastruktur erhalten beziehungsweise zeitgemäßer und zukunftsfähiger gestaltet werden musste. „Weitere Herausforderungen einer sich verändernden Welt sind hinzugekommen“, führte Finzel weiter aus. „Deshalb galt und gilt es, sich diesen fortlaufend zu stellen.“ Um sie zu meistern, seien von Kommunen Kooperationen und Netzwerke nötig, wie etwa die Initiative Rodachtal.

Im Anschluss gaben die Zeitzeugen Wolfgang Beyer, Heinrich Fischer, Hubert Becker und Klaus Leonhardt einige Anekdoten aus den Anfangsjahren zum Besten. „Ich erinnere mich noch genau an den September 1964, als ich nach Ahorn in die Schule ging und die Einladung zur Verbandssitzung vergessen hatte“, erzählte etwa Hubert Becker. Für diese Nachlässigkeit hatte der damalige Rektor kein Verständnis und ordnete an, dass der Knabe zu Fuß von Ahorn nach Wohlbach läuft, um die Einladung persönlich abzugeben. „In all den Jahren wurde immer versucht, alle Ortsteile mitzunehmen, was auch gelungen ist“, so Becker weiter und führte als Beispiel die entstandenen Hallen an.

An seine Schulzeit erinnerte sich auch Wolfgang Beyer noch sehr gut. Erst durch die Eingemeindung hätten damals evangelische und katholische Kinder dieselbe Schule besuchen können.

Klaus Leonhard rief zudem prägende Persönlichkeiten ins Gedächtnis. Zu diesen gehörten seiner Meinung nach unter anderem Michael Stoschek, Oskar Hacker und Hermann Beckering. Letzterer habe durch seine herausragenden sportlichen Erfolge den Namen Ahorn in die Welt hinausgetragen. An die gesunde Rivalität der beiden Sportvereinigungen Eicha und Ahorn erinnerte Heinrich Fischer, die sich nur auf den Platz beschränkte.

„Auch die 17 starken Städte und Gemeinden sind durch die Gebietsreform zusammengewachsen“, führte Landrat Sebastian Straubel aus. Wie alle anderen Kommunen im Landkreis Coburg brauche sich auch Ahorn nicht verstecken.

Wie der Zusammenschluss der Partnergemeinde Irdning-Donnersbachtal vonstattenging, zeigte deren Bürgermeister Herbert Gugganig auf. Mit seiner Delegation überreichte er eine Fahne und Erde aus der Steiermark-Gemeinde. Auch in Thüringen gab es nach der Einheit Gebietsreformen, informierte von der Partnerstadt Eisfeld Bürgermeister Sven Gregor. Er überreichte ebenfalls ein Präsent und unterstrich die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Ahorn und den weiteren Kommunen in der Initiative Rodachtal.

Der Festakt bot schließlich den würdigen Rahmen, um den Kulturreferenten und Gemeinderat der Marktgemeinde Irdning-Donnersbachtal, Karl Langmann, mit dem Ehrenteller der Gemeinde Ahorn auszuzeichnen. Seit 2010 ist er für den regen Austausch und der Pflege der Partnerschaft verantwortlich, der er schon vorher verbunden war.