80 Jahre Neue Presse Stets im Wettbewerb, immer für die Freiheit

Vor 80 Jahren hat Peter Maslowski das erste Exemplar der Neuen Presse gedruckt. Über unseren Geburtstag, den Wandel und Meinungsfreiheit in schwierigen Zeiten.

Mit einer Druckmaschine in der Mohrenstraße nahm die Erfolgsgeschichte der NP Fahrt auf. Foto: NP-Grafik

Rückblickend kann man wohl nur erahnen, welche Glücksgefühle unsere Leser vor genau 80 Jahren ereilt haben. Rund 50.000 Menschen zwischen Coburg und Kronach, zwischen Lichtenfels und Ebern hatten am 25. Januar 1946 das Glück, eine der begehrten ersten Exemplare der Neuen Presse ergattern zu dürfen.

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Welch eine Erlösung: freie Berichterstattung, nach vielen Jahren in einer Diktatur, die mit unfassbaren Gräueltaten und Krieg nicht nur ihre Heimat in Schutt und Asche gelegt hatte – sondern eben auch ihr Volk im Würgegriff hielt, mit Propaganda und der Unterdrückung jeglicher Meinungsfreiheit.

Und so nahm die NP gemeinsam mit dem deutschen Wirtschaftswunder Fahrt auf. Heute begleitet die Neue Presse ihre Leser seit 80 Jahren, unabhängig und überparteilich. Als Medium mit Nachrichten und Geschichten, aber auch Meinungen rund um das Geschehen in der Region.

Eine Lizenz für Peter Maslowski

Dass die Alliierten nach dem Sieg über Nazi-Deutschland auch dem Coburger Peter Maslowski eine der wenigen begehrten Lizenzen überließen, mit denen sie der für die nationalsozialistische Propaganda gleichgeschalteten Medien ein Ende setzten – ein Glücksfall für die Menschen in und um Coburg. So konnten sie sich nicht länger nur mit Radio oder Amtsblättern informieren, sondern in einem neuen unabhängigen Medium lesen, was für sie wichtig ist.

Und welche Menschen sie umgeben. Im Mittelpunkt der Berichterstattung in den ersten Jahren nämlich: das, was lokale Nazi-Größen verbrochen hatten. Und das stieß so manchem sauer auf – vielleicht auch etwas anders als gedacht: Maslowski sei ein „Nazi-Fresser“ und sein Blatt „kommunistisch“. Doch der Coburger Verleger blieb standhaft: Die Neue Presse müsse sich nicht vor Konkurrenz fürchten. Sollen doch auch rechtsgesinntere Zeitungen den Markt aufmischten, die Demokratie gewinnt immer mit der Meinungsvielfalt – das war seine Geisteshaltung. So endete im Herbst 1949 die Lizenzzeit in Westdeutschland, und die Pressevielfalt blühte auf.

Die Neue Presse feiert dieses Jahr ihren 80. Geburtstag: Feiern Sie mit, lassen Sie sich noch überraschen! Foto: NP-Grafik

Wer heute auf die ersten wackeligen Schritte der Neuen Presse blickt und sie mit der heutigen Zeit vergleicht, entdeckt Parallelen – aber auch Absurditäten. Da ist zum einen die Freude der Menschen, das hohe Gut der Meinungsfreiheit genießen zu dürfen. Sind wir uns als Gesellschaft dessen heute noch bewusst, auch auf irgendwelchen Montagsdemos oder an den Rändern unseres politischen Spektrums?

Herrscht doch zum anderen die Skepsis, ob unter diesem Deckmantel nicht doch Propaganda und Meinungsmache sich Bahn brechen. Und dann wäre da noch der verschärfte Konkurrenzdruck. Denn im Internet machen Nachrichten – darunter auch viele Fake News – in Echtzeit die Runde. Recherche, vielleicht auch nur Nachfragen? Meist Fehlanzeige. Das bedeutet gerade für eine gedruckte Zeitung oder eben deren Redaktion, mit Qualität, Tiefgang und Hintergrund überzeugen zu müssen, um nicht überflüssig zu werden.

Steigender Konkurrenzdruck, sinkende Auflagen

Der Journalismus ist ebenso wenig geschützt wie die Möglichkeit für jedermann, sich Journalist zu nennen. Längst blähen nicht nur Unternehmen, sondern auch kommunale Verwaltungen ihre Öffentlichkeitsarbeit unter dem Vorwand auf, amtliche, in ihren Augen wichtige Bekanntmachungen nur noch selbst und direkt an die Bürger bringen zu können. Und betreten dann sehr häufig die gesetzliche Grauzone, die Arbeit der freien Presse ein Stück weit zu kapern - mehrere Klagen von Verlagen gegen Kommunen, sogar das Einschreiten des BGH zeugen von Aktivitäten in Rathäusern und Ämtern, die journalistisch daherkommen, aber die Grenzen der Öffentlichkeitsarbeit überschreiten. Weil sie doch oft nichts anderes sind als einseitige Informationen zugunsten des Absenders, politisch oder anderweitig motiviert.

In dieser Flut von Nachrichten geben allein diejenigen Orientierung und neutrale Information, die ihr Handwerk auch beruflich gelernt habe: Redakteurinnen und Redakteure. Sie sind die letzte Bastion gegen Fake-News, wie sie mittlerweile schon US-Präsidenten salonfähig gemacht haben, gegen Verlautbarungen oder PR und Werbung von denjenigen, die irgendein Interesse daran haben, besser nicht Gegenstand unabhängiger Berichterstattung zu sein.

Eine der begehrten Lizenzen für eine Tageszeitung bekam Peter Maslowski für Coburg. Foto: NP-Archiv

Der Vorwurf, dass auch die freie Presse gelenkt wird von Politik, Wirtschaft oder Verlagen, basiert auf Gerüchten und Unwissen, vielleicht auch auf Fehlern. Überhaupt: Kaum ein Journalist dürfte seine berufliche Laufbahn in Redaktionen begonnen und fortgesetzt haben, um das zu schreiben, was ihm andere diktieren. Warum auch, wird doch dort, wo das üblich ist, meist sogar mehr Geld verdient – nämlich eben in der PR oder Öffentlichkeitsarbeit.

Mit den Menschen, die sie machen, hat sich auch diese Zeitung verändert wie kaum ein anderes Produkt, das so viele Jahre auf dem Buckel hat. Ja, Verlag und Redaktionen produzieren sie noch, diese „Zeitung“. Aber radikal anders als damals unter Peter Maslowski. Heute muss – auch aus wirtschaftlichen Gründen – zahlenbasiert und entsprechend den Bedürfnissen von Leserschaft und Zielgruppen agiert werden, die heute schon Stunden vor der Zeitungs-Zustellung Nachrichten übers Smartphone konsumiert haben. Und längst nicht mehr bis zum morgendlichen Gang zum Briefkasten warten wollen, um zu erfahren, was ist. Oder eben: was war.

„Wo Medien sterben, stirbt auch ein Stück weit Freiheit und Demokratie.“

Christian Holhut, NP-Redaktionsleiter

Geändert hat sich also, dass die NP-Redaktion „Zeitung macht“. Geblieben ist, dass sie relevante Inhalte macht – und das bleibt auch so. Die Zeitung ist das „Best of“ am Ende der digitalen NP-Nachrichtenwelt. Was wollen die Menschen in und um Coburg lesen, welche Themen bewegen sie? Wie können wir als Redaktion ihr Wegbegleiter sein, ihr Alltagshelfer? Nicht nur Bauchgefühl, sondern auch nackte Zahlen helfen uns dabei, ganz nah an unseren Lesern zu bleiben.

Schöne neue Welt? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber nicht zu ändern. Papier- und Energiekosten, fehlende Zusteller und Mindestlohn auf der einen, sinkende Auflagen auf der anderen: Viele Verlage und ihre Titel, die Stützen unserer Demokratie, geraten in Schieflage oder verschwinden ganz, wenn sie den Spagat, ja Wandel hin zum digitalen Lokaljournalismus nicht schaffen. Die NP jedoch steht weiterhin stabil – für Nachrichten aus Coburg, Kronach und den Haßbergen, für freie Berichterstattung und Meinungsäußerung, für eine gefestigte Demokratie und faire Debatten. Und sie steht für die Menschen in der Region, ihre Anliegen und Hoffnungen, ihre Sorgen und Nöte.

Abonnenten sind das höchste Gut einer Redaktion

Dass sich die NP inhaltlich auch weiterhin darum kümmern kann, zudem einem sich intensivierenden Wettbewerbsdruck stellen darf – dafür sorgen neben Werbetreibenden allein die Abonnenten, die ihrer NP auf allen Kanälen die Treue halten. Mit ihrem monatlichen Scherflein tragen sie dazu bei, dass Lokaljournalismus in und um Coburg Zukunft hat. Egal, ob gedruckt oder digital. Denn wo Medien sterben, stirbt auch ein Stück weit Freiheit und Demokratie. Um das zu konstatieren, braucht es keinen Blick in die USA – es reicht der Blick nach Ostdeutschland.

Ob mit guten Geschichten und aufsehenerregenden Recherchen, vielleicht aber auch einfach nur brandaktuellen Neuigkeiten oder Service wie Veranstaltungshinweisen: Auch im hohen Alter von 80 Jahren freut es uns, wenn wir unseren Abonnenten das Leben ein Stück weit besser machen dürfen. Mittlerweile nicht mehr nur zwei Mal die Woche wie in der Anfangszeit, sondern nahezu rund um die Uhr. Frei. Unabhängig. Ohne Druck von Staat, Parteien, Verlag oder eben irgendwelchen Dritten. Das dürfte mehr sein, als sich der Coburger Peter Maslowski je hat erträumen können - mit seiner Druckmaschine damals, kurz nach dem Krieg.

Über den Autor

Christian Holhut ist Redaktionsleiter der Neuen Presse Coburg, Kronach und Haßberge. Aus 30-jähriger Erfahrung im Lokaljournalismus in Nordbayern schöpft er den Optimismus, dass gut recherchierte Inhalte Zukunft haben – egal auf welchem Kanal. Sein Ziel ist erreicht, wenn die Menschen in der Region auf der Arbeit, am Mittagstisch oder am Stammtisch so manchen Satz beginnen mit: „Hast Du bei der NP gelesen, dass...?“ Und er ist doppelt zuversichtlich: Zum einen, dass er dieses Ziel dank seines engagierten Redaktionsteams immer öfter erreicht. Und zum anderen, dass auch seine jüngsten Kolleginnen und Kollegen im Lokaljournalismus eine hervorragende Zukunft haben – trotz oder wegen der Digitalisierung.