Aktion Roman Aufbruch ins Kriegsgebiet

Rainer Glissnik

Der Transporter mitsamt Anhänger ist voller Hilfsgüter. Tom Sauer und Jürgen Jakob sind damit unterwegs nach Lviv. Dort werden sie bereits sehnlichst erwartet.

Am Samstag wurde der Transporter beladen. Im Bild (von links) Julian Brand, Jasmin Dehmel, Tom Sauer und Jürgen Jakob. Foto: Glissnik

Am Palmsonntag, um zwei Uhr in der Nacht, sind Tom Sauer und Jürgen Jakob mit einem Transporter und Anhänger der „Humanitären Hilfe für Menschen in Not“ im Namen der „Aktion Roman“ zu ihrem nächsten Einsatz aufgebrochen. Sie fahren mit den Hilfsgütern in die Ukraine, wo sie bereits in Lviv (Lemberg) an einer Verteilstelle erwartet werden. Dort angekommen werden die beiden je nach Situation weitergeleitet – eventuell in die Hauptstadt Kiew.

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Roman Grycak hat den Transport von Johannisthal aus akribisch vorbereitet. Mit einigen Helfern belud er am Samstag das Fahrzeug mit Hilfsgütern. Darunter auch zwei Generatoren, die für Krankenhäuser bestimmt sind. „Damit können wenigstens einige wichtige Räume im Notfall mit Strom versorgt werden“, sagt er. Sogar zwei Apfelbäume habe man mitgenommen, die laut Tom Sauer als Zeichen der Hoffnung in der Ukraine gepflanzt werden sollen.

Hauptsächlich an Bord sind aber Lebensmittel, etwa jede Menge Nudeln, Reis und Dank einer großen Spende aus Ludwigsstadt auch viele Suppen. Dazu kommen Hygieneartikel. Selbst Liegematten und Schlafsäcke schafft man in das Kriegsgebiet. Ganz zum Schluss wurde auch noch gespendetes Insulin vorsichtig eingeladen.

Jürgen Jakob weiß bereits, was ihn erwartet. Kurz nach Kriegsausbruch fuhr er das erste Mal mit einem ersten Hilfstransport an die ukrainische Grenze. Unterstützt wurde er dabei von etlichen Freunden. Binnen weniger Tage seien damals mehr als zehn Tonnen Hilfsgüter zusammengekommen, erzählt er. Für den Anfang nicht schlecht, aber letztlich nicht effektiv genug, dachte sich damals Jakob. Auch Roman Grycak hatte ebenso schon einen Hilfstransport organisiert. Beide Helferkreise vernetzten sich und schnell kam es zur „Aktion Roman“, mit der mittlerweile elf große Lkw auf der Heimfahrt in die Ukraine mit Hilfsgütern beladen wurden.

Die Spenden stammen dabei von Bürgern, Firmen und Vereinen aus dem Landkreis – und darüber hinaus, freut sich Jürgen Jakob. Vor allem aus dem Sonneberger Raum, den Kreisen Lichtenfels und Kulmbach erhalte man viel Unterstützung. Aber auch aus Memmingen, Amberg und Nördlingen liefern Freunde und Bekannte Hilfsgüter. Die Güter in den Lkws werden von einer ukrainischen Hilfsorganisation übernommen und dorthin verteilt, wo sie gebraucht werden. Über einen Freund von Jürgen Jakob habe man zudem inzwischen gute Kontakte zu Politikern und Geistlichen in der Ukraine.

Beide haben selbstverständlich über ihre eigene Sicherheit nachgedacht. Wichtig seien da die Kontakte vor Ort, sagen sie. Für alle Fälle hätten sie auch Schutzwesten dabei. Tom Sauer schöpft zudem aus seinen Erfahrungen, als er vor Jahren Hilfstransporte in umkämpfte Gebiete in Bosnien durchführte. Und Jakob stützt sich auf seine beruflichen Background. „Als Polizist weiß ich, wie ich mich zu verhalten habe“, betont er.

„Natürlich habe ich eine gewisse Grundspannung“, räumt Tom Sauer vor dem Start ein. Mit Angst oder übertriebener Vorsicht loszufahren, wäre jedoch ein schlechter Ratgeber.

„Ich habe mich relativ kurz entschlossen, mit in die Ukraine zu fahren“, erzählt Jürgen Jakob. Er wollte selbst sehen, was gebraucht wird, und gegenüber den vielen Spendern dokumentieren, das die Hilfe ankommt. Intensiv betreut werden sie auf ihrer Fahrt von Roman Grycak. Zudem hätten sie auch spezielle Ausweise von der evangelischen Kirche in Lviv (Lemberg), die sie als Helfer ausweisen.

„Ich bin sehr stolz, dass wir so etwas aufgebaut haben“, betont dann auch Roman Grycak. Es seien so viele, die den Menschen in der Ukraine helfen wollen.

Demnach wolle man am Osterwochenende schon den nächsten Lkw beladen. Dafür braucht es aber nun wieder eine große Anstrengung, denn die Sporthalle des VfR Johannisthal, die als Lager dient, ist wieder leer. „Wir sammeln weiterhin“, so sein Aufruf.

Gebraucht werden Konserven, Nudeln, Reis, Baby- und Kindernahrung. Gerne auch Süßigkeiten und Kinderspielzeug. Sehr gerne kann auch Tierfutter abgegeben werden. Willkommen ist auch Wasser in möglichst großen Flaschen. Dazu Verbandsmaterial, Masken, Hygieneprodukte, Babywindeln, Schlafsäcke, Isomatten, Decken, Militärkleidung und Schutzausrüstung. Aber auch Verlängerungskabel und Mehrfachstecker, Wasserkocher und Notstrom-Generatoren sind gesucht. Wasserfilter wären ebenso willkommen. Es würde auch Feuerwehrausrüstung aller Art gebraucht. Geldspenden seien natürlich auch sehr willkommen. Davon werden etwa ganze Paletten mit haltbaren Nahrungsmitteln gekauft. Ebenso gefragt sind Medikamente.