Alte Berufe im Frankenwald Auf der Spur des Kalkbrenners

  Foto: /Heike Schülein

Wie wurde in der Region früher gearbeitet? Dieser Frage ist Roland Graf nachgegangen. Seine gesammelten Recherchen wurden nun in einem Buch zusammengefasst.

Kronach - Unschlittmeister, Feldscherer, Salpetergräber oder Krempelfrau – unsere Region bot einst eine unglaubliche Vielfalt an heute aus der Berufswelt verschwundenen Tätigkeiten. Der langjährige Kreisheimatpfleger Roland Graf erläutert in seinem neuen Report solche mittlerweile ebenso nahezu vergessenen Berufe wie Arbeitsgeräte und -abläufe. Auf 472 Seiten wird dem geschichts- und kulturinteressierten Leser in 48 Kapiteln ein spannendes Nachschlagewerk an die Hand gegeben, das regional auf das alte Handwerk, alte Zünfte, Berufe und Tätigkeiten näher eingeht.

„Der Fokus des Buches ist auf unsere Region gerichtet – auf die Stadt und den Landkreis Kronach. Es ist ein Versuch, die Leserinnen und Leser sensibel zu machen für die eigene Geschichte“, erklärt Roland Graf. Die Beiträge umfassen den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie geben einen Einblick in die Lebensumstände und den Broterwerb unserer Vorfahren, auf das Zunftwesen, Zunftrechte und -pflichten, -vergehen und -strafen. Deutlich spürbar wird der Einfluss der Kirche auf das Handwerk und auf das soziale Verhalten.

Der Untertitel „… von Ehrlichen Eltern auß Einem Rainen unbefleckhten Ehebeth Ehelichen erzeuget…“ erinnert dabei an die Zunftordnung der Kronacher Zimmerleute aus dem Jahr 1654. „Niemand wurde zur Meisterprüfung zugelassen, der nicht aus einem Geburtsbrief seine ‚eheliche Abstammung’ nachweisen konnte. Alle unehelich Geborenen waren damit ausgegrenzt und ihnen wurde der Zugang zur Meisterprüfung verwehrt“, verdeutlicht der Autor, dass Gemeinschaftswesen, Rechtsprechung, Sitte und Moral damals andere Vorgaben als heute hatten. Arbeitskämpfe in den Zünften, Aufruhr gegen Vorschriften und Gesetze, Differenzen mit der Kirche, Schwarzarbeit durch Störer und Pfuscher oder Probleme mit Fremden seien aber auch damals allgegenwärtig gewesen.

Alles andere als beschaulich

Schnell werde man erkennen, dass die so oft glorifizierte „gute alte Zeit“ alles andere als ein beschauliches, ruhiges Leben gewesen sei. Leider gehe immer mehr Geschichte verloren. Sein Bestreben sei es daher auch, die Menschen zum Nachdenken zu bringen, wie gut es uns heute in Deutschland gehe.

Um den Anfragen von Handwerkern, Schulen und Privatleuten nach einer Gesamtausgabe nachzukommen, wurden alle Beiträge in dem Buch zusammengeführt und mit Quellangaben versehen. „Damit hat der Leser die Möglichkeit, weitere Nachforschungen in den Archiven anzustellen“, wünscht sich der ehemalige Kreisheimatpfleger, der sich seit vielen Jahren auch dem heimischen Handwerk widmet, um all die Facetten des täglichen Broterwerbs anhand von Archivquellen zu erfassen und darzustellen. Besonders interessant sei das Nachschlagewerk sicherlich gerade auch für Berufsabsolventen - beispielsweise als schönes Geschenk bei der Freisprechung.

Leider scheitere die Herausgabe von Büchern oftmals am hohen finanziellen Aufwand. Durch finanzielle Zuwendungen etlicher Institutionen und vor allem durch das Engagement von „1000 Jahre Kronach“ sei die Drucklegung erst möglich geworden.

Dankbar zeigt er sich allen gegenüber, die sich für die Herausgabe eingebracht und ihm bei seinen Nachforschungen in privaten, kommunalen, kirchlichen und staatlichen Archiven Zugang und Einblick gewährt haben sowie mit Hinweisen und Ergänzungen behilflich waren. Zentrum seiner Nachforschungen war über viele Jahre das Stadtarchiv Kronach. Deswegen gebühre Anja Weigelt vom Stadtarchiv Kronach, die ihn bei seiner Arbeit stets hilfreich unterstützt habe, besonderer Dank. „In den drei Jahrzehnten seines Bestehens hat „1000 Jahre Kronach“ als Geschichts- und Kulturverein für das Kronacher Land immer seine Aufgabe darin gesehen, die Geschichte der Stadt- und ihres Umlandes gut nachvollziehbar und auch unterhaltsam zu vermitteln“, stellt Vorsitzender Manfred Raum heraus. Mit den gesammelten Beiträgen zur Handwerks- und Gewerbegeschichte lege man nun – erfreulicherweise im Jubiläumsjahr – wieder ein Buch vor, das in jeder Hinsicht lohne, es in die Hand zu nehmen. Entstanden sei ein sehr lesenswerter Report über das Leben in unserer Region.

Einfache Lebenswelt

„Roland Graf schreibt für seine Mitmenschen vor Ort, aber nicht nur für sie. Er will uns ermöglichen, so manch Überkommenes, fast Vergessenes wieder kennenzulernen und zu verstehen. Es geht dabei nicht – wie so oft in Geschichtsbüchern – um die Geschichte der mächtigen und erfolgreich Herrschenden, sondern um die einfache Lebens- und Arbeitswelt, um Regeln und Zwänge des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens, um oft mühselige Arbeit und Not“, würdigt Manfred Raum, dass das Sammelwerk mit seinen verschiedenen Registern auch für alle Heimatkundler einen großen Gewinn darstelle. Ein so vielseitiges und wertvolles Buch nehme man gerne in die Kronach-Cranach-Edition auf. Möglich sei dies allerdings nur durch die Unterstützung der Oberfrankenstiftung, der Bürgerstiftung Historisches Kronach, der Sparkassenstiftungen Kronach und Ludwigsstadt, der VR Bank Oberfranken Mitte sowie von Landkreis und Stadt Kronach.

Das mit einer Auflage von 400 Exemplaren erschienene Werk sei aber nicht nur ein Lese-, sondern auch – aufgrund der über 250 Abbildungen – ein wahrer Augenschmaus.

„Wir sind überzeugt, dass sich der Aufwand gelohnt hat, und wünschen dem Buch eine große Leserschaft weit über Kronach hinaus“, hofft der Vorsitzende. Erhältlich ist es im Kronacher Buchhandel oder bei „1000 Jahre Kronach“ zum Preis von 28,50 Euro.

 

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