Amtsgericht Haßfurt Angeklagter muss 2800 Euro zahlen

Helmut Will
Richter Patrick Keller beschränkte das Verfahren mit Einverständnis der Staatsanwältin, des Verteidigers und des Angeklagten nur auf den Besitz von Betäubungsmitteln. Foto: picture alliance/dpa/Foto: Arne Dedert/dpa

Vor dem Amtsgericht Haßfurt musste sich nun ein Mann verantworten, dem die Staatsanwaltschaft unter anderem den Handel mit Betäubungsmitteln vorwarf. Dies ließ sich jedoch nicht beweisen.

Der Handel und der Besitz von Betäubungsmittel wurde einem 23-jährigen Arbeiter aus einer Stadt im nördlichen Landkreis Haßberge von der Staatsanwaltschaft Bamberg vorgeworfen. Gut 800 Gramm Marihuana sollte er an einen Bekannten vertickt haben, bei ihm selbst wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung im November 2021 ebenfalls 34 Gramm gefunden sowie ein Bargeldbetrag von 3150 Euro. Der Handel konnte ihm letztlich bei der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Haßfurt nicht nachgewiesen werden, weshalb dieser Anklagepunkt fallen gelassen wurde. Verurteilt wurde er allerdings von Richter Patrick Keller wegen des Besitzes von Betäubungsmittel, und zwar zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 70 Euro, also zu 2800 Euro.

Schon zu Beginn der Sitzung zweifelte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Alexander Wessel, an, dass der Anklagepunkt wegen Handeltreibens zutreffe. Den Besitz räumte der Verteidiger für seinen Mandanten ein, der sich hierzu selbst nicht äußerte. Als Zeuge wurde ein Verwandter des Angeklagten vernommen, dem er Betäubungsmittel verkauft haben sollte. Dieser war bereits in anderer Sache rechtskräftig verurteilt, ein Zeugnisverweigerungsrecht stand ihm nicht zu. Dieser 26 Jahre alte Zeuge bezeichnete die Anklage gegen seinen Cousin als „Blödsinn und Käse“, dem Staatsanwältin Fabienne Meerländer entschieden entgegen trat. Der Angeklagte, so der Zeuge, habe mit dem Handel nichts zu tun. „Das war alles meine Sache und ich bin deswegen auch schon verurteilt“, sagte der Verwandte.

Konsumiert habe der Angeklagte bei ihm schon häufiger, aber der habe von ihm nichts gekauft oder ihm verkauft. Gefunden wurde auch eine Liste mit Namen und Geldbeträgen dahinter, was nach Meinung der ermittelnden Polizeibeamten auf Handel hinweise. Der Sachbearbeiter von der Kriminalpolizei Schweinfurt schilderte dem Gericht den Ermittlungsverlauf im Detail und war auch der Meinung, dass die 3150 Euro, die beim Angeklagten gefunden wurden, „Drogengeld“ gewesen seien. Ein weiterer Polizeibeamter der Spurensicherung sagte aus, dass ein Fingerabdruck des Angeklagten auf einer Tüte gefunden wurde, die man bei seinem Verwandten gefunden hatte.

Richter Patrick Keller beschränkte das Verfahren mit Einverständnis der Staatsanwältin, des Verteidigers und des Angeklagten nur auf den Besitz von Betäubungsmitteln. Im Bundeszentralregister war der Angeklagte noch nicht vorgetragen, was sich letztlich auch auf das Strafmaß auswirkte. Zu seinen persönlichen Verhältnissen machte der Angeklagte dann selbst entsprechende Angaben, auch über seinen Verdienst und finanziellen Verhältnissen. Das bei ihm sichergestellte Geld, 3150 Euro, möchte er wieder haben. Auf ein teures sichergestelltes Handy, auf das sichergestellte Betäubungsmittel und entsprechende Utensilien verzichtete er nach Rücksprache mit seinem Verteidiger. Staatsanwältin Meerländer beantragte in ihrem Plädoyer für den Angeklagten eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 70 Euro, also 3500 Euro und Auferlegung der Kosten. Verteidiger Alexander Wessel hingegen hielt eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 50 Euro, somit 1500 Euro, für ausreichend. Im Urteil legte Richter Patrick Keller dann 40 Tagessätze zu je 70 Euro, also 2800 Euro, fest. Er machte dem Verurteilten eindringlich klar, dass er diesmal noch von Glück sprechen könne, relativ gut weggekommen zu sein, und legte ihm nahe, künftig die Finger von Betäubungsmitteln zu lassen. Das Urteil ist rechtskräftig.

 

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