Amtsgericht Haßfurt Beleidigung bringt Busaufseher vor Gericht

Ein Busaufseher in Haßfurt forderte einen Falschfahrer im Sperrgebiet lautstark zum Umkehren auf und betitelte ihn laut Strafbefehl als „Arschloch“. Das brachte ihn nun vor Gericht. Foto: picture alliance/dpa/Foto: Arne Dedert/dpa

Als „nicht deeskalierend“ beschrieb Richter Christoph Gillot am Dienstag den Charakter eines 65-jährigen Frührentners aus dem Maintal. Dieser hatte einen Senior auf einem Parkplatz angegangen.

Haßfurt - Am 28. Oktober vergangenen Jahres ging dem in dieser Woche in Haßfurt vor Gericht stehenden 65-jährigen Angeklagten wieder einmal der Hut hoch. Er arbeitet als Aufseher auf dem Parkplatz des Haßfurter Schulzentrums. Gegen 13 Uhr wollte ein 68-jähriger Rentner sein Enkelkind abholen, weil es sich nicht gut fühlte. Dabei übersah der 68-Jährige ein Sperrschild, das Autofahrern die Zufahrt untersagt. Dies blieb dem Angeklagten nicht verborgen. Er forderte den Falschfahrer im Sperrgebiet lautstark zum Umkehren auf und betitelte ihn laut Strafbefehl als „Arschloch“. Der Beleidigte erstattete Strafanzeige. In der Folge erhielt der Aufseher einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte, weshalb es zur Verhandlung am Amtsgericht kam.

Dort wies er den Vorwurf von sich. Er habe niemanden beleidigt, gab er zu Protokoll. Er habe den 68-Jährigen lediglich darauf hingewiesen, dass er in dem Bereich, wo Busse halten, nicht fahren darf. Er habe das Autokennzeichen und die Uhrzeit notiert und es der Polizei weitergeleitet, die ein Bußgeld in Höhe von 20 Euro verhängte. „Sie glauben nicht, wie wir hergerichtet werden, Herr Richter. Ich werd rund gemacht, wenn ich Leute auf den fehlenden Mundschutz anspreche“, klagte der Angeklagte. „Ich mache den Job seit 13 Jahren. Wenn ich jemanden beleidige, bin ich weg“, sagte er. „Laut meinen Akten gibt es öfter Beschwerden über Sie“, ließ der Vorsitzende den Angeklagten wissen. „Ich lass mir nicht alles sagen“, konterte der. „Hartz-IV-ler, Ein-Euro-Jobber“ und andere Sachen würden ihm Leute an den Kopf werfen. Dabei habe er 34 Jahre auf dem Bau gearbeitet.

Eine andere Version erzählte der Anzeigenerstatter im Zeugenstand. Er sei zum ersten Mal am Schulzentrum gewesen und habe das Schild übersehen. Der Angeklagte sei heran gerannt und habe geschrien, dass er hier nichts zu suchen habe. „Es kann doch nicht jedes Arschloch da rein fahren“, habe der Wüterich getobt. Die Diskussion sei am offenen Autofenster weitergegangen. Dabei habe der Angeklagte keinen Mundschutz getragen und sei ihm bis auf circa einen halben Meter nahe gekommen. Dass sein Enkel krank sei, habe ihn nicht interessiert. Er sei so aufgebracht gewesen, dass er es wohl überhört hatte, sagte der Großvater des Kindes.

Angezeigt habe er ihn deshalb, weil er sich über das Verhalten eines Mannes ärgerte, der für Recht und Ordnung sorgen soll und sich selbst nicht daran halte. Der ermittelnde Polizeibeamte sagte im Zeugenstand, dass er den Angeklagten seit Jahren kenne. Es habe immer wieder Beschwerden gegen ihn gegeben und er sei Gesprächsthema im Schulverband, Landratsamt und Polizeidienststelle. Vorbestraft ist der 65-Jährige allerdings nicht. Daher stellte das Gericht das Verfahren ohne Auflagen ein. Nur seinen Anwalt muss der Angeklagte selbst bezahlen. „Halten Sie sich in Zukunft zurück. Beim nächsten Mal gibt es eine Geldstrafe“, warnte der Vorsitzende den 65-Jährigen.

 

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