Amtsgericht Haßfurt Unfallflucht kostet 2100 Euro Strafe

Martin Schweiger
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Ein Mann hatte im Juni dieses Jahres beim Einparken auf dem Gelände seines Arbeitgebers einen Zaun gerammt und war verschwunden. Dass er deswegen aber gleich vor Gericht landete, verdankt der 55-Jährige seinem Vorstrafenregister.

Zu einer Geldstrafe in Höhe von 35 Tagessätzen zu 60 Euro, also 2100 Euro, hat das Amtsgericht am Mittwoch einen 55-jährigen Arbeiter aus dem nördlichen Landkreis wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilt. Damit war der Angeklagte noch gut bedient – denn auch eine Haftstrafe stand im Raum.

Videokamera zeichnet Vorfall auf

Im Juni dieses Jahres parkte der nun angeklagte Mann laut Anklage rückwärts auf dem Firmenparkplatz seines Arbeitgebers in Hofheim ein. Dabei rammte er einen Zaunpfosten. Der Unfall wurde von einer Videokamera aufgezeichnet, was der Angeklagte auch wusste. Dennoch informierte er seinen Arbeitgeber nicht über den Unfall und wurde in der Folge angezeigt. Doch statt eines einfachen Strafbefehls, wie ihn Ersttäter erhalten, musste der Arbeiter am Mittwoch auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nehmen. Denn zur Tatzeit war er nicht nur vierfach vorbestraft, sondern stand auch noch unter laufender Bewährung: Im Jahr 2019 verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe, weil er seiner Ex-Frau mit reichlich Alkohol intus nachgestellt und sie bedroht hatte. „Es geht um viel für Sie heute. Es droht Bewährungswiderruf“, warnte der Vorsitzende Richter Christopher Lehmann den Angeklagten.

Der räumte die Tat über seinen Pflichtverteidiger Alexander Wessel ein. Dass er zur Tatzeit am frühen Morgen gegen 6.30 Uhr unter Alkoholeinfluss stand, wies er jedoch von sich. Sein Vorgesetzter schloss dies in seiner Zeugenaussage jedoch nicht aus. Der Angeklagte habe in einem Gespräch wenige Stunden nach der Vorfall die Tat geleugnet. Er habe dabei verwaschen geredet und sei nervös und zittrig gewesen. Bereits vor einigen Jahren habe er aufgrund seiner wiederholten Alkoholprobleme eine „letzte Chance“ erhalten. Die Reparatur des Zauns taxierte ein Handwerker auf rund 450 Euro.

Taten unter Alkoholeinfluss

Alle seine Vorstrafen beging der Angeklagte mit Alkohol in der Blutbahn. Wegen Beleidigung, Sachbeschädigung, Vollrauschs, Hausfriedensbruchs, versuchter Nötigung und Nachstellung wurde er bereits zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt. Drei Therapien hat er nach eigener Aussage bereits hinter sich. Der Richter sah nach der Beweisaufnahme keine Basis für eine Einstellung des Verfahrens. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bezeichnete den Angeklagten als „Bewährungsversager“ und beantragte eine zweimonatige Freiheitsstrafe, die „gerade so“ noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden könne, da die Tat nicht einschlägig war. Der Verteidiger hielt eine Geldstrafe noch für angemessen, was auch der Vorsitzende so sah.

Es sei ein klassischer Fall des unerlaubten Entfernens vom Unfallort, sagte der Richter. Der Angeklagte habe eine goldene Brücke im Gespräch mit seinen Vorgesetzten nicht genutzt und so einen massiven Vertrauensbruch begangen. Der Angeklagte nahm das Urteil an. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

Der durch den Unfall krumme Zaunpfosten wurde übrigens mittlerweile von einem Arbeiter der Firma wieder gerade gebogen – kostenlos.

 

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